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Das Leiden des Zugersees liegt in der Tiefe

Der Phosphorgehalt im Zugersee liegt noch immer hoch bei 80 Milligramm pro Kubikmeter Wasser. 
Die Zusammenarbeit von Baudirektion und Zuger Bauernverband soll nun die Lösung bringen.
Andrea Muff
Die Badewasserqualität ist sehr gut, doch ganz gesund ist der Zugersee noch nicht. Bild: Werner Schelbert (Zug, 17. Juli 2018)

Die Badewasserqualität ist sehr gut, doch ganz gesund ist der Zugersee noch nicht. Bild: Werner Schelbert (Zug, 17. Juli 2018)

Gerade in diesen Tagen lockt das kühle Nass des Zugersees: Zahlreiche Badefreudige nutzen die Gelegenheit und springen ins Wasser. Von aussen zeigt sich der Zugersee von der schönen Seite, doch in der Tiefe schlummert noch immer der Phosphor. «Oberflächlich geht es dem See gut, die Badewasserqualität ist sehr gut. Sein Leiden liegt in der Tiefe», beginnt die Medienmitteilung der kantonalen Baudirektion.

Die Genesung des Patienten soll noch intensiviert werden. Die Baudirektion setze sich nun gemeinsam mit dem Zuger Bauernverband dafür ein, eine Verbesserung des Seezustandes zu erreichen. Laut der jüngsten Messungen weist der Zugersee rund 80 Milligramm Phosphor pro Kubikmeter auf. «In den vergangenen vier Jahren hat im Zugersee keine Abnahme mehr stattgefunden, der mittlere Phosphorgehalt stagniert bei diesem Wert», zeigt Roland Krummenacher, Leiter des Amtes für Umweltschutz, auf.

Mit diesem Wert liegt der Zugersee an der Spitze der nährstoffreichsten Seen der Schweiz. Das gleiche Schicksal trifft auch den Sempacher- und den Baldeggersee. «Damit der Zugersee als ganz gesund eingestuft werden könnte, müsste er einen Phosphorgehalt von maximal 30 Milligramm pro Kubikmeter erreichen», lässt sich Baudirektor Urs Hürlimann in der Medienmitteilung zitieren. Diesen Wert habe das Gewässer zuletzt zu Beginn des 19. Jahrhunderts aufgewiesen. «Und diesen Zustand streben wir an», so Urs Hürlimann weiter.

Lange hydraulische Aufenthaltszeit

Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg: Der Grund liegt zum einen in der langen hydraulischen Aufenthaltszeit des Seewassers. Damit ist die Dauer gemeint, bis der gesamte Wasserkörper im See durch zufliessendes und abfliessendes Wasser theoretisch einmal ausgetauscht ist. Dies dauert im Zugersee rund 14 Jahre.

Für die lange Aufenthaltszeit des Wassers spielt es eine bedeutende Rolle, dass die Orte des Zu- (Zug) und Abflusses (Cham) der Lorze als Hauptzufluss nur 2,6 Kilometer auseinanderliegen. «Dies führt zu einer schlechten Durchspülung in Längsrichtung», weiss Krummenacher. «Der Zugersee zirkuliert aufgrund seiner topografischen Lage, seiner grossen Tiefe und der ausgeprägten Dichteschichtung nicht vollständig, sondern nur bis in eine Tiefe von zirka 80 Meter.» Das Wasser werde so gut wie nie ganz umgewälzt. Die kalten, mit viel Phosphor versehenen Wasserpakete bleiben in der Tiefe liegen und belasten damit den See. Über die vergangenen 100 Jahre hat sich in der Tiefe des Sees eine Wasserschicht mit starker Phosphorkonzentration gebildet.

Der Zugersee leide an den Folgen des früheren, übermässigen Nährstoffeintrags aus der Siedlungsentwässerung, ist vom Amt für Umweltschutz zu erfahren. So seien etwa früher ungeklärtes und teilweise zu wenig gut gereinigtes Abwasser aus den Haushalten sowie Gülle, Klärschlamm und Dünger aus der Landwirtschaft in den See geflossen. Mit dem Bau der ARA Schönau 1977 und der ringförmigen Abwasserleitung um den See konnten die Nährstoffeinträge reduziert werden. Seither sei der Phosphorgehalt laufend zurückgegangen, so Krummenacher, bis er wie erwähnt stagniert habe. Auch von Seiten der Landwirtschaft seien mit der Einführung der Nährstoffbilanz, des Düngeverbotsstreifens und dem Ausbau der Lagerkapazitäten Anstrengungen unternommen worden, den Phosphoreintrag zu minimieren, erklärt Ueli Staub, Geschäftsführer des Zuger Bauernverbands.

Nun werden seeinterne und -externe Massnahmen gesucht. «Seeinterne Verfahren haben jedoch erfahrungsgemäss ohne gleichzeitige oder vorgängige Sanierung des Einzugsgebietes keinen dauerhaften Erfolg», erklärt Roland Krummenacher. Zu den komplexen seeinternen Massnahmen würden etwa die Klärung und Ableitung des Tiefenwassers zählen, was äusserst kostspielig sei, oder auch die Zwangszirkulation durch Einbringen von Luft. Die groben
Blasen über dem Seegrund würden den Auftrieb des Tiefenwassers bewirken. Das Amt für Umweltschutz klärt nun ab, mit welchen seeinternen Massnahmen und zu welchem Preis die Sanierung des Zugersees beschleunigt werden kann.

Boden-Ressourcen-Projekt vom Bauernverband

Gleichzeitig erarbeitet der Zuger Bauernverband ein Boden-Ressourcen-Projekt mit dem Ziel, die Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft in den Zugersee zu reduzieren. «Wir legen den Fokus auf den Boden», sagt Ueli Staub. Das heisst, durch Massnahmen bei der Bodenbewirtschaftung soll verhindert werden, dass beispielsweise bei Starkregen die Nährstoffe möglichst nicht abschwemmen. «Wir möchten mit neuen Methoden die Böden fitter machen», so Staub. Das Rückhaltevermögen und die Filterfunktion sollen gesteigert werden. Darunter gebe es auch Massnahmen, die Pioniercharakter haben würden – das Ressourcen-Projekt soll auch eine Art Testfeld für neue Techniken sein. «Jeder Zuger Bauer soll mitmachen können und die Massnahme herausnehmen, wo er für sich den grössten Nutzen sieht.»

Die seeexternen Massnahmen werden voraussichtlich im Frühjahr 2019 im Sinne einer Projektskizze beim Bundesamt für Landwirtschaft eingegeben. «Eine allfällige finanzielle Unterstützung dieses Projekts durch den Bund ist nicht ausgeschlossen, sofern das Bundesamt das Projekt entsprechend positiv bewertet», ist von der Baudirektion schriftlich zu erfahren. Auch allfällige seeinterne Massnahmen könnten eine finanzielle Unterstützung des Bundes erfahren. Diesfalls müsste jedoch die Bewertung durch das Bundesamt für Umwelt positiv ausfallen, heisst es weiter. Entsprechende Eingaben seien im nächsten Jahr geplant.

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