Das Los der kleinen Bäckereien im Kanton Zug

Eine weitere eigenständige Bäckerei stellt ihren Betrieb ein. Die Verbleibenden behaupten sich mit viel Elan.

Zoe Gwerder
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Die Bäckerei Baumgartner an der Baarerstrasse 47 schliesst Ende Jahr.

Die Bäckerei Baumgartner an der Baarerstrasse 47 schliesst Ende Jahr.

Bild: Matthias Jurt (Zug, 6.Dezember)

In der Stadt Zug schliesst die wohl letzte kleine Bäckerei. Wie die Eigentümer der Bäckerei Baumgartner an der Baarerstrasse gegenüber unserer Zeitung bestätigten, werden sie noch bis in die Woche vor Weihnachten geöffnet haben und danach ihr Geschäft aufgeben - pensionshalber. Es gebe einen Nachfolger, der voraussichtlich in den Lokalitäten der jetzigen Bäckerei ein Café aufmachen wolle. Mehr möchten die Baumgartners nicht sagen. Wie dem Handelsregister zu entnehmen ist, war die Bäckerei während 19Jahren in Zug ansässig.

Das Unternehmen gehörte zu den vier letzten kleinen Bäckereien im Kanton Zug. Nach deren Schliessung verbleiben die Bäckerei-Konditorei Staub in Neuheim, die Bäckerei Amstad in Cham und das Café-Bäckerei Dorfplatz im Herzen von Inwil.

Peter Amstad ist ebenfalls im Pensionsalter. Ans Aufhören denkt er aber noch nicht. Der 69-Jährige führt seit 1981 sein Geschäft an der Hünenbergerstrasse. Derzeit zählt er 16 Mitarbeiter. Sein Rezept, um neben den grossen Bäckereien zu bestehen, seien seine langjährigen Mitarbeiter, Qualität und: «Es ist wichtig, dass wir immer gute frische Ware haben. Das gibt eine gute Mund-zu-Mund-Werbung und dies ist die beste Art von Werbung.» Amstad betont dabei die Wichtigkeit seiner Frau. «Ohne sie würde es nicht gehen.»

Mit dem Wandel mithalten

Zudem sei es in den vergangenen Jahren wichtig gewesen, sich dem Markt anzupassen. Beispielsweise an das vermehrte Bedürfnis nach Take-away- Angeboten. «Vom Brotbacken alleine kann man schon lange nicht mehr leben», so Amstad.

Er will seine Bäckerei so lange betreiben, wie es geht. Die ursprünglich geplante Nachfolge fiel aufgrund einer Mehlunverträglichkeit des neuen Betreibers ins Wasser. «Die Räumlichkeiten sind aber sowieso nur gemietet. Entsprechend wissen wir nicht, was die Eigentümer mit dem alten Haus machen werden, wenn wir hier unsere Beck dereinst schliessen werden.»

Noch nicht ans Schliessen denken hingegen Reto und Claudia Haupt. Die 50-Jährigen betreiben seit 25 Jahren gemeinsam das Café-Bäckerei Dorfplatz in Inwil. Fragt man sie nach ihrem Rezept, kommt die unverblümte Antwort von Claudia Haupt: «Ganz ehrlich? Wir reissen uns seit 25 Jahren den Arsch auf.» Und wenn die dreifache Mutter erklärt, was sie damit meint, wird ihre Wortwahl verständlich: Die Bäckerei hat täglich geöffnet. An vier Wochentagen gar während 12 Stunden von 6.30 bis 18.30 Uhr, und gebacken werden muss auch noch.

16 Mitarbeiter zählt das Unternehmen. «Inklusive mir und meinem Mann, jedoch ohne unsere Eltern.» Auf diese können sie aber oft zählen. So würden beide Mütter mitarbeiten und ihr Schwiegervater flicke alles – auch Sachen, die vom Produzenten nicht mehr geflickt werden, erzählt Claudia Haupt. «Wir sind extrem froh, dass wir so oft auf ihre Hilfe zählen können.» Und die Arbeit mache auch Freude. «Wir haben sehr viele freundliche und aufgestellte Kunden und Gäste.»