Leserbrief

Das Mitteilungsbedürfnis vieler Benutzer sozialer Medien

Zu den sozialen Medien

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Wer davon ausgeht, dass die Mehrheit der Bevölkerung in den sozialen Medien Persönliches preisgibt und deshalb folgert, man könne den Datenschutz lockern, geht fehl und verkennt, dass nicht der Schutz verändert werden muss, sondern, dass heute für viele andere Werte und Informationen wichtig sind als früher.

Wenn George Gordon Byron, besser bekannt unter «Lord Byron» in seinen Reiseberichten intimste Details verriet, ist das nicht zu unterscheiden von den Mitteilungsbedürfnissen vieler Benützer sozialer Medien heute. Ob einfacher Bürger oder Dichter: Der Mensch in seiner Existenz untersteht einem ungeheuren Mitteilungsbedürfnis und es steht uns nicht an, zu entscheiden, welche Mitteilungen nun wertvoll sind und welche nicht, auch wenn das viele linke Intellektuelle sehr gerne praktizieren. Ich finde es immer peinlich, wenn von oben herab über gewisse «Postings» gelächelt wird. Für einige ist Rilkes Panther und seine Bedeutung in heutiger Zeit wichtig, für viele aber ist es viel wichtiger, seinen Kollegen zu zeigen, was er heute gekocht hat und wohin er einen Ausflug unternahm.

Mir ist zum Glück beides wichtig und man kann in den sozialen Medien beides praktizieren. Der Datenschutz ist in heutiger Zeit vor allem gegenüber den überbordenden Interessen der Wirtschaft und der Verwaltung wichtig und es ist Aufgabe des liberalen Staates mit Augenmass, eine Balance zu finden.

Noch ein kurzer Gedanke sonst noch zu den sozialen Medien: Immer wieder höre ich, wie er von Hassreden und rechtsextremen Inhalten überflutet wird.

Wer diese Vorwürfe erhebt, sollte sich vielleicht einen anderen «Freundeskreis» aufbauen. In meinem kommt beides sehr selten vor und wenn doch, dann wehren sich meine «Freunde» und massregeln den «Täter». Dafür braucht es Sozialkompetenz und keine Gesetze.

Michel Ebinger, Rotkreuz