Das Murren in der Bevölkerung von Cham wegen des schnellen Wachstums wird lauter

Die Gemeinde Cham wächst rasant. Vor allem gegen die Gebietserweiterung in Hagendorn regt sich Widerstand.

Harry Ziegler
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Vom «Wachsen ohne Ende?» oder vom «überbordenden Wachstum» wird häufig gesprochen, wenn Chamerinnen oder Chamer momentan von ihrer Gemeinde sprechen. Tatsächlich wächst Cham an verschiedenen Orten – auf dem Papieri-Areal, beim OYM («On Your Marks»), an der Lorzenparkstrasse oder in Hagendorn. Dort plant die Fensterfabrik G. Baumgartner AG eine Erweiterung. Ob Zonen- und Bebauungsplan angepasst werden, darüber wird in Cham am 29. November abgestimmt.

Mittlerweile hat sich ein Gegnerkomitee, bestehend aus der SP, der Alternative – die Grünen, dem Verein Mehr Wert Cham und der IG Grosse Fensterfabrik Nein gebildet, wie einer Medienmitteilung zu entnehmen ist. Dieses Komitee hat sich zum Ziel gesetzt, «die geplante überdimensionierte Fabrikerweiterung, welche das zukünftige Dorfleben von Hagendorn auch durch die aufgezwungene Umwelt- und Verkehrsbelastung zunehmend massiv beeinträchtigen wird, zu verhindern».

In verschiedenen Leser­einsendungen wird dem Chamer Gemeinderat vorgeworfen, bezüglich Erweiterung der Fensterfabrik wortbrüchig geworden zu sein. So soll an einer Gemeindeversammlung im Jahre 2003 über die Erweiterung der Fensterfabrik und die damit verbundenen Umzonungen abgestimmt worden sein. Damals sei den Chamerinnen und Chamern versichert worden, es handle sich hierbei um die letzte Vergrösserung der Firma am Standort Hagendorn.

Wortbruch ist ein relativ heftiger Vorwurf. Der zuständige Gemeinderat Rolf Ineichen sagt dazu:

«Der aktuell gültige Bebauungsplan des Areals Fensterfabrik Baumgartner AG wurde an der Gemeindeversammlung vom 23. Juni 2003 genehmigt.»

Das Protokoll dieser Gemeindeversammlung zeige auf, «dass es sich hier um einen Bebauungsplan handelt, der die Nutzung genau definiert. Wenn es Änderungen gibt, muss dieser entsprechend abgeändert werden, und die Gemeindeversammlung wird wieder darüber befinden», so Ineichen. Es sei richtig, dass der Planungsperimeter damals wie heute innerhalb des BLN-Gebietes (Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler) liege und ohne die entsprechende Zustimmung des Bundes damals wie heute keine Änderungen möglich seien.

Keine Änderungen am Perimeter

«Grundsätzlich ist wichtig zu wissen, dass der Bebauungsplanperimeter nicht verändert wird. Nach 17 Jahren ist es aber durchaus möglich, einen Bebauungsplan und die entsprechende Nutzung anzupassen», führt Gemeinderat Rolf Ineichen, zuständig für Planung und Hochbau, weiter aus. Zudem sei bedauerlich, dass die Argumente der Gegnerschaft nicht während der Auflage kommuniziert wurden. Für den aktuellen Gemeinderat stünde nur Wachstum im Vordergrund, die Bewohner würden deswegen in Anonymität versinken, heisst es in einer Zuschrift weiter. Dazu erklärt Gemeindepräsident Georges Helfenstein:

«Cham bietet mit seinen über 100 äusserst engagierten Vereinen und Organisationen für Einwohnerinnen und Einwohner, die sich einbringen und mitwirken wollen, viele Möglichkeiten. Jedoch bedingt dies immer auch eine entsprechende Eigeninitiative.»