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Das Pferd als Partner und Lehrmeister

Vor einiger Zeit hat sich die Zugerin Marina Parris einen Kindheitstraum erfüllt und ihre Arbeit mit Pferden aufgenommen. Seit 2007 bietet sie intuitives Reiten, Führungsseminare und Persönlichkeitsentwicklung an.
Vanessa Varisco

Gelassen steht Riverdance am Waldrand. Mit freundlichem aber wachem Blick mustert die Stute ihre Umgebung, spielt ab und an mit den Ohren und wartet geduldig darauf, dass der Spaziergang im Grünen losgeht. Das dunkelbraune Tier mit der schneeweissen Blesse am Kopf trägt lediglich ein Halfter, kein Zaumzeug und auch keinen Sattel, denn gearbeitet wird vom Boden aus.

Marina Parris (rechts) mit dem Pferd Riverdance und Chris Oeuvray. (Bilder: Stefan Kaiser, Affoltern am Albis, 04. Juli 2019)

Marina Parris (rechts) mit dem Pferd Riverdance und Chris Oeuvray. (Bilder: Stefan Kaiser, Affoltern am Albis, 04. Juli 2019)

Marina Parris steht neben dem Pferd und erklärt, worum es bei der Persönlichkeitsentwicklung mit Pferden geht – denn genau das bietet sie seit 2007 an:

«Pferde reagieren sehr sensibel und direkt auf die Handlungen und die Haltung von Menschen. Mit ihren Reaktionen zeigen sie ihm auf, wie sie ihn wahrnehmen und bieten jemandem damit die Möglichkeit, die eigenen Gefühle, Wirkung und Verhaltensmuster besser wahrzunehmen.»

Wie sensibel die Tiere tatsächlich sind, zeigt sich schliesslich im Selbstversuch: Wer mit gebückter Haltung und halbherzig versucht, Riverdance zu einem Waldspaziergang zu ermutigen, der wird erfolglos bleiben.

Wenig beeindruckt von diesem Versuch blinzelt die Stute einem entgegen. In solchen Situationen steht Marina Parris mit Rat zur Seite. Sie kennt ihre Pferde und hat nach vielen Jahren Coaching auch ein Gefühl dafür entwickelt, was im Menschen, der das Pferd führen soll, vorgeht. Mit ruhiger Stimme schildert sie: «Der Mensch muss sich seinem Raum und seiner Umgebung bewusst sein, selbstsicher auftreten. Dann wird auch das Pferd folgen.» Ein zweiter Anlauf ist gefragt. Und tatsächlich, richtet man sich auf, strafft die Schultern, fixiert sein Ziel und marschiert entschlossen los, setzt sich Riverdance in Bewegung und spaziert mit grossen Schritten neben der führenden Person her. Riverdance ist übrigens eines der zwei Pferde von Marina Parris. Ihr anderes Tier, den 19-jährigen Wallach Hummer, hat sie vor einigen Jahren von Montana (USA) in die Schweiz geflogen. Doch die Arbeit am Boden mache ihm nach so vielen Jahren nicht mehr besonders viel Spass, wie seine Besitzerin überzeugt ist, weshalb sie aktuell nach einer neuen Aufgabe für ihn sucht. Untergebracht sind die zwei in einem Stall bei Affoltern am Albis.

Die Beziehung festigen

Bei «Pferd als Partner», wie die Firma von Marina Parris mit Sitz in Zug heisst, werden neben der Persönlichkeitsentwicklung das intuitive Reiten, Führungsseminare sowie verschiedene Kurse und Vorträge zum Thema Beziehung zwischen Mensch und Pferd angeboten. «Beim intuitiven Reiten geht es darum, dass Pferd und Reiter besser kommunizieren und einander auf Augenhöhe begegnen. Viele Probleme entstehen dadurch, dass der Reiter zu hastig vorgeht und das Pferd nicht richtig wahrnimmt», ist sich Parris sicher. Weshalb die Beziehung zuerst gefestigt werden müsse, nicht nur im Sattel, sondern auch mittels Bodenarbeit.

Marina Parris (links), Chris Oeuvray und Pferd Riverdance.

Marina Parris (links), Chris Oeuvray und Pferd Riverdance.

Dabei sitzt der Reiter nicht auf dem Pferd, sondern geht neben ihm her und absolviert verschiedene Übungen wie etwa das Halten oder Loslaufen mit ihm. Auch bei der Arbeit mit ihren Pferden bedient sich Marina Parris gerne dieser Technik. Sie erzählt: «In den vier Jahren, in denen Riverdance hier ist, habe ich sie zwei Jahre lang nicht geritten und vom Boden aus mit ihr gearbeitet.» Von manchen Reitern würde diese Technik belächelt, denn die vielen, kleinen Fortschritte seien schliesslich erst nach einiger Zeit sichtbar. Doch der Weg, den sie eingeschlagen hat, lohne sich. Und das Ergebnis lässt sich zeigen: Mittlerweile ist Riverdance ein Verlasspferd, welches bei der Arbeit mit Kunden geduldig mitmacht und sich gebisslos – also ohne Trense – in allen Gangarten im Wald reiten lässt. «Eine gute Beziehung zum Tier ist die Grundlage für eine harmonische Zusammenarbeit im Sattel», resümiert Parris. Und dass das Zeit braucht, liegt in der Natur der Sache.

Weiterbildungen gehören dazu

Sie selber ist erst im Alter von 35 Jahren aufs Pferd gekommen und hat sich damit den Kindheitstraum verwirklicht, mit Tieren zu arbeiten. Drei Jahre lang verbrachte sie in Jeans und Cowboystiefeln auf verschiedenen Ranches in Montana, Colorado, Nevada und Frankreich.

«Ich lebte mit den Pferden und lernte viel von ihnen»,

erinnert sie sich. Was ihr ausserdem aufgefallen ist in jener Zeit in den Staaten, ist, dass die Pferde dort deutlich mehr Auslauf haben im Vergleich zur Schweiz und die Arbeit mit ihnen deshalb nicht nur den Zweck habe, das Tier zu bewegen. «Man kann dort einfach wirklich mit Spass arbeiten», findet sie. Für schweizerische Verhältnisse haben es Hummer und Riverdance allerdings gut: Die beiden leben in zwei unterschiedlichen Herden in Offenstallhaltung. Und im Sommer haben sie direkten Zugang zur Weide. Nach ihrer Zeit im Ausland kehrte Parris zurück und liess sich zur Pferdeverhaltenstherapeutin ausbilden, um auch eine «wissenschaftliche Qualifikation» zu haben. Sie besucht ausserdem Weiterbildungen. «Denn wenn es um Pferde geht, hat man nie ausgelernt», weiss sie aus Erfahrung.

Mehr Informationen gibt es unter www.pferdalspartner.ch.

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