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Das Riegelhüsli in Neuheim scheint gewachsen

Das Dörrhaus aus dem 19. Jahrhundert, das einer Überbauung im Dorfzentrum weichen musste, ist auf dem Hof Oberblachen wieder aufgebaut worden. Bald kann man sich selbst ein Bild davon machen.

Raphael Biermayr
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Das neue Riegelhüsli (hier die Rückseite) auf dem Hof Oberblachen.

Das neue Riegelhüsli (hier die Rückseite) auf dem Hof Oberblachen.

Es scheint wie eine optische Täuschung: Das neue Riegelhüsli soll gleich gross respektive klein sein wie das alte, aus dem 19. Jahrhundert? Wer es kannte, tut sich schwer, das zu glauben. «Das Gebäudevolumen wurde nicht verändert», versichert der Bauer Georg Keiser, der Retter des alten Dörrhauses. Dieses sollte der Zehnderhof-Überbauung im Neuheimer Dorfzentrum weichen und entsorgt werden. Keiser liess es – unter tatkräftigem Eigeneinsatz – auf seinem Hof Oberblachen wiederaufbauen. Es ist das Happy End nach einem jahrelangen Kampf eines mittlerweile aufgelösten Vereins, den seine Schwester präsidierte.

Der Interessent aus den USA

Der Rettung des Riegelhüslis liegt eine emotionale Geschichte zugrunde. Nach Bekanntgabe des Überbauungstermins für das Zehnderhofareal im Dorfzentrum formierte sich im Jahr 2014 ein Verein. Jener wollte das dort stehende, einstige Dörrhaus vor dem Abbruch retten und auf einer gemeindeeigenen Parzelle zur öffentlichen Nutzung wieder aufbauen. Die Mitglieder um Präsidentin Monika Keiser Diaz versuchten per Crowdfunding und mit Hilfe von Stiftungen, die dafür nötigen 450000 Franken zusammenzubringen.

Anfang März 2017 waren zwar fast 300000 Franken zusammen, doch die Zeit lief den Initianten davon und sie gaben auf. Daraufhin meldete der frühere Multiforsa-Geschäftsführer, Daniel Meyer, Interesse am Riegelhüsli an. Er plante, es in die USA zu verschiffen und in seinem Resort dort aufzubauen. Dies unter finanzieller Beteiligung des Vereins. Dessen Statuten sahen das aber nicht vor. Im April 2017 wurde das Gebäude von Georg Keiser und Helfern abgebaut und ab November wieder aufgebaut. Am kommenden Sonntag wird es eingeweiht. (bier)

Vom originalen Gebäude übernommen werden konnten das Fachwerk, der Fensterrahmen und die Fensterläden über dem Eingang sowie einige der tragenden Balken der Dachkonstruktion. Was im Vergleich zum alten Riegelhüsli verändert wurde, und eingangs erwähnten Eindruck verstärkt, ist die Raumhöhe. Wer durch die Tür – sie entspricht in ihrer Höhe nun der heutigen Norm – tritt, findet sich im Hauptraum wieder, der zum Verweilen einlädt. Eine kleine Küche, ein WC und ein Vorratsraum sind Teil des Erdgeschosses. Das Riegelhüsli mutet jetzt wie ein Partylokal an, wird fortan aber von den Eigentümern als Degustationsraum genutzt werden: Sie stellen auf ihrem Hof im Neuheimer Oberland Schaumweine her. Die neuste Kreation kann am Tag der offenen Tür am kommenden Sonntag probiert werden.

In Begleitung der Denkmalpflege

Im Dachstock findet sich keine platzraubende Balkenkonstruktion mehr. Die Traglast werde jetzt auf Balken verteilt, die sich entlang des Giebeldachs befinden würden und hinter einer Verschalung liegen, sagt Keiser. Im Keller, der neu angelegt worden ist, befinden sich die Technik und am Sonntag ein «Kinosaal», wo Aufnahmen des alten Gebäudes gezeigt werden.

Der Wiederaufbau wurde von der Denkmalpflege begleitet, denn der Hof gehört zum kantonalen Inventar der schützenswerten Objekte. Wäre das Riegelhüsli als Dörrhaus weitergenutzt worden, wäre wegen der Brandgefahr ein anderer Standort angezeigt gewesen. So aber steht es neben dem Haupthaus und ist bald zu sehen, wenn man von Menzingen her anfährt. Georg Keiser und seine Frau Silvia sind stolz auf das neue Gebäude im Hof-Ensemble. Der grosse Aufwand in jedweder Hinsicht – die Keisers tragen die Kosten allein – habe sich gelohnt.

Hinweis

Am Sonntag, 28. Oktober, findet von 10 bis 17 Uhr der Tag der offenen Tür im Riegelhüsli statt. Für Verpflegung ist gesorgt.