Leserbrief

Das Schönwetterparlament in Bern

Zum Coronavirus

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Stellen Sie sich vor, wenn beim Angriff von Covid-19 alle Mitarbeitenden im Gesundheitswesen die Arbeit hingeschmissen und ihren Arbeitsplatz aus Angst verlassen hätten.

Zum Glück sind diese Mitarbeitenden nicht dem Beispiel des Parlaments in Bern gefolgt. Das hätte fatale Folgen gehabt. Covid-19 hat das Bundeshaus leergefegt und die Volksvertreter haben beim ersten Orkan das schlingernde Schiff wie Ratten verlassen. Auch Vertreter aus dem Kanton Zug haben sich wortgewaltig für dieses Vorgehen eingesetzt, peinlich. Es ist höchste Zeit, dass unsere Volksvertreter aus ihren Schutzräumen kriechen und sich im Mai versammeln. Es wird sicher viel zu debattieren geben über die Krisenbewältigung während ihrer selbstbestimmten Abwesenheit. Es gäbe aber Wichtigeres zu tun. Als Erstes wäre eine offizielle Entschuldigung über das unwürdige Verhalten der Räte angebracht. Zudem wäre eine Abkehr von der Arbeitsweise im Parlament «Management by Bulldozer» zweckmässig. Zu Deutsch, die Probleme vor sich herschieben und ignorieren. Hier einige Beispiele ungelöster und über Jahre aufgestauter Aufgaben: Verhältnis zu Europa, Altersvorsorge AHV/PK, Hochpreisinsel Schweiz, Kosten im Gesundheitswesen. Es gibt viel zu tun, packt es an!

Das sind spannende Herausforderungen. Voraussetzungen für Ergebnisse sind jedoch: Lösungsorientierung, Gemeinschaftsinteresse vor Parteien- und Eigeninteressen, Abkehr vom Lobbying, wie dies Covid-19 fertig gebracht hat.

Gerne würde ich während der laufenden Legislaturperiode für jedes gelöste Problem (nicht fürs darüber reden) auf den Balkon stehen und auf unser Parlament kräftig in die Hände klatschen.

Osi Staub, Zug