Das sind Hünenbergs neue Oberhäupter

Das neue Zunftpaar heisst Irma und Sepp Grüter. Eine Überraschung - und eigentlich doch keine.

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In Ornat und Würden: Irma, die Kreative, und Sepp III. (Bild: Werner Schelbert/Neue ZZ)

In Ornat und Würden: Irma, die Kreative, und Sepp III. (Bild: Werner Schelbert/Neue ZZ)

Der Zunftrat hat die Überraschung wieder einmal geschafft: Mehrere Namen sind in den letzten Tagen und Wochen auf Hünenbergs Strassen für das 34. Zunftpaar gehandelt worden. Viele Flaschen Wein und Unmengen an Kafi Zwätschge wurden auf einzelne Exponenten gewettet. Falsch gelegen haben wohl aber die meisten. Und doch: Als Irma, die Kreative, und Sepp III. am Samstagabend bei der Inthronisation der Eichen-Zunft Hünenberg auf die Bühne stiegen und ihre Antrittsrede hielten, wurde schnell klar, wie naheliegend die Ernennung dieser zwei Hünenberger war.

Seit vielen Jahren prägen Irma und Sepp Grüter die Fasnacht in ihren Grundzügen mit: Sie sind zwar keine Mitglieder der Eichen-Zunft, gehören allerdings zu den Gründervätern der Guggenmusik Dorfgüggeler, die heute unter dem Namen Cocorico einen äusserst guten Ruf geniesst. Beide sind dort immer noch aktiv, bei der Untergruppe Cocovecchio.

Irma Grüter betreibt seit vielen Jahren in ihrem Couture-Geschäft an der Dorfstrasse einen Kleider- und Kostümverleih und stattet die Hünenberger dort für die schönsten Tage im Jahr mit Perücken, Kleidern und Zubehör aus. Sepp Grüter, der als Weinfachmann arbeitet, und seine Frau sind die Eltern von vier erwachsenen Kindern - die ebenfalls alle angefressene Fasnächtler sind.

«Wir sind überwältigt und fast gerührt, zu sehen, dass so viele Leute den Plausch daran haben, dass wir zwei das Amt übernehmen», sagten die beiden in ihrer Antrittsrede.

Dann wurde das neue Zunftpaar mit viel Applaus vom Publikum im ausverkauften Heirisaal bestätigt. Renate, die Anpackende, und Sepp II. übergaben ihr Amt feierlich den beiden Nachfolgern. Danach hiess die Guggenmusik Cocorico «ihr» Zunftpaar mit einem Ständchen willkommen.

Die neue Geschichte von der Sau

Vor der Bekanntgabe der Identität des Zunftpaars wurde das Publikum aber noch einige Stunden auf die Folter gespannt. In einem ausgefeilten Theaterstück, geschrieben von Michael Werder, erzählt der Zunftrat in mehreren Etappen die Geschichte der Eichensau. Dieses Hünenberger Fasnachtstier hängt seit einigen Tagen wieder am gewohnten Ort auf dem Dorfplatz und wartet dort auf seine Verbrennung am Fasnachtsdienstag.

Die Geschichte, die der Zunftrat vorbrachte, war dann jedoch ein bisschen anders als gewohnt: Da hatten Rüeblitorten, Aargauer in weissen Socken und die singende Jasmine-Mélanie ihre Auftritte, und zwischendrin erinnerte man sich an den Lachanfall von Bundesrat Hans-Rudolf Merz.

Und natürlich kriegten in der Darbietung alle, die sich in irgendeiner Form an der Öffentlichkeit bewegen, ihr Fett weg: Ex-Gemeindepräsident Hans Gysin beispielsweise wurde im Stück wie alle Dinge, die die Hünenberger nicht mehr brauchen, in der Reuss versenkt. Auch unsere Zeitung landete, gemeinsam mit anderen Printjournalen, im Fluss. Dort tauchten auch Parkscheiben auf, die Gemeinderätin Renate Huwyler wegen des neuen Parkregimes verteilt hatte, die aber scheinbar niemand wollte. Und auch Nationalrat Marcel Scherer wurde auf die Schippe genommen, als er ins Mikrofon einer Boulevardzeitung die Strophen der Nationalhymne sang.

Noch lange feierte man am Samstagabend im Heirisaal weiter. Die neue Zunftmutter meinte nach dem Festakt: «Wir freuen uns sehr auf die Zeit, die jetzt kommt.» Nun hat in Hünenberg die Fasnacht begonnen.

Stephanie Hess / Neue ZZ