Das Theater Casino Zug ist bereit für den grossen Auftakt

Das neue Programm des Hauses steht – es spricht sämtliche Generationen an und will auch «Kulturmuffel» locken. Bewährtes bleibt, Neues hat viel Platz. Intendantin Katrin Kolo und ihr Team haben viel investiert. Auf dass es reiche Früchte tragen möge.

Andreas Faessler
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Freut sich, dass bald wieder Leben ins Haus zurückkehrt: Intendantin Katrin Kolo im Foyer des Theater Casino Zug.

Freut sich, dass bald wieder Leben ins Haus zurückkehrt: Intendantin Katrin Kolo im Foyer des Theater Casino Zug.

Bild: Matthias Jurt (14.August 2020)

Die erzwungene Kulturpause während des Corona-Stillstandes bedeutete für die Betreiber der Kulturhäuser alles andere als auferlegtes Nichtstun – im Gegenteil: Die vergangenen Monate waren für sie eine Herausforderung sondergleichen.

«Zuweilen wusste ich nicht mehr, wo mir der Kopf steht»

sagt etwa Katrin Kolo, neue Intendantin am Theater Casino Zug. So viel Ungewissheit, so viele wechselnde Prognosen, so viel Re- und Neuorganisation auf allen Ebenen – das geht an die Substanz. Doch jetzt ist es fürs Erste geschafft, und der Aufwand verspricht reiche Früchte: Das Saisonprogramm steht, der Vorverkauf ist eröffnet.

Über der anstehenden Saison schwebt ein kleines Bekenntnis der Intendantin – «Zug mon amour». Leicht verklärt mag es wirken, reflektiert aber tatsächlich die Haltung Katrin Kolos, welche seit Anbeginn ihres Amtes im Haus am See von Zug und seinen Menschen so angetan ist, dass sie gar von Liebeszauber spricht. Und dieses Gefühl, diese Gesinnung hat schliesslich auch entsprechend dazu beigetragen, dass das Saisonprogramm das geworden ist, was es ist: eines, welches in seiner Bandbreite und Hochwertigkeit an die bisherigen Spielzeiten anknüpft, namhafte internationale Protagonisten auf die Bühne bringt, aber zugleich ein ganz besonderes Augenmerk auf den Bezug zu Stadt und Kanton legt. Zug und seine Kulturschaffenden selbst werden überdurchschnittlich stark miteinbezogen.

Eine der zentralen Fragen, welchen die Intendantin nachgegangen ist: Mit welchen Formaten können wir allfälligen Berührungsängsten mit der Kultur entgegenwirken und somit neues Publikum gewinnen? Eine Antwort hofft sie, beim niederschwelligen Zugang in lockerer Atmosphäre zu finden, wie beim sogenannten Promenade Concert, bei dem alle nach Lust und Laune vorbeikommen und ungezwungen Kultur geniessen können, ohne sich um ein Dress sorgen zu machen. Und wer die Kleinkinder nirgends unterbringen kann, nimmt sie einfach mit.

Die Bühne wird zum «Wohnzimmer»

Oder die Ageless-Konzerte, bei denen Mitglieder der Zuger Sinfonietta Interessierten aller Generationen Klassik näherbringen, moderiert von Schülerinnen und Schülern der Kanti. Ein intimer, familiärer Rahmen bietet die fünfteilige Serie «Tea Time», eine ebenfalls unter dem Label «ageless» laufende Eigenproduktion, bei der sich Jung und Alt in Wohnzimmeratmosphäre mit Künstlerinnen und Künstlern direkt austauschen können. Da entfällt jegliche Strenge und Steifheit, was Veranstaltungen der «Hochkultur» oft anhaftet.

Freilich zollt Katrin Kolo auch dem nicht-deutschsprachigen Zuger Publikum genügend Aufmerksamkeit, indem sie Anlässe ins Programm aufgenommen hat, die entweder in einer anderen Sprache stattfinden oder sich gar nicht erst über das gesprochene Wort definieren.

Der Blick auf das Programm zeigt schnell: Transdisziplinarität und Vermittlung hat für das Haus unter der Leitung Kolos einen besonders hohen Stellenwert. Genau so die Wertschätzung für Bewährtes wie auch die Offenheit für neue und erweiterte Formate. Katrin Kolo wird das Programm im Rahmen des grossen Auftaktes am dritten September-Wochenende (Programm siehe Box unten) präsentieren, gemeinsam mit Lokalmatador Michael Elsener.

Es geht nichts über die Sicherheit

Bei all dem Enthusiasmus Katrin Kolos und ihrem neu gebildeten Team, bei all der Zuversicht und Vorfreude – null Nachlässigkeit kommt auf bezüglich der angezeigten Corona-Vorsichtsmassnahmen. Das Haus hat ein klar definiertes Schutzkonzept, welches auf der Website einsehbar ist. Im Gebäude herrscht zu jedem Zeitpunkt Maskenpflicht, die Auslastung wird streng koordiniert. In diesem Zusammenhang ist im Online-Programm bei einigen Anlässen neu ein «Interessiert»-Button vorhanden, durch den sich der Veranstalter ein Bild über das voraussichtliche Zuschaueraufkommen machen kann.

Saisonbeginn am 19. und 20. September

Das besagte Wochenende ist zugleich eine repräsentative Kostprobe für die allgemeine, generationen- und sprachübergreifende Vielfalt des Programms im Theater Casino. Jazz, Komposition, Comedy, Instrumental, Tanz - folgende Anlässe finden statt:


Samstag, 19. September:

- 20 Uhr: Jazz Konzert «Trovesi & Coscia»
- 22 Uhr: «Round Midnight Jam» in Kooperation mit der Jazz Night Zug

Sonntag, 20. September:

- 11 Uhr: «Alluvion», Uraufführung, Komposition von Cyril Schürch
- 12.30 Uhr: Saisonpräsentation durch Katrin Kolo und Michael Elsener
- ab 13.30 Uhr: Einführung zu «In der Dunkelwelt», Toninstallation «Palimsest» von und mit Nicole Seiler, Blicke hinter die Kulissen
- 16 Uhr: «Next Generation Talents» mit Emily Flammer am Marimbaphon
- 17 Uhr: Uraufführung Tanztheater «In der Dunkelwelt» 

Details zum gesamten Programm und Vorverkauf für die Anlässe: www.theatercasino.ch

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