Leserbrief

Das Verhalten ist für Zug beschämend

Zum Fall des ehemaligen Zuger Stadtrats Ivo Romer; «Nun können wir den Fall ad acta legen» Ausgabe vom 30. März

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Der ehemalige Vorsitzende der Parlamentarischen Untersuchungskommission des Stadtparlaments (PUK) im Fall Ivo Romer, Jürg Messmer, unterdrückte Ende März in der «Zuger Zeitung» kaum seine Freude über den rechtskräftig gewordenen Abschluss des Falls Ivo Romer. Nach der Verurteilung durch das Bundesgericht muss der ehemalige Zuger Finanzchef und Vermögensverwalter nach sieben Jahren ins Gefängnis ... Adieu Unschuldsvermutung!

Ein Rückblick macht deutlich, dass die Affäre Romer neben der Strafanklage der betroffenen Familie Anfang April 2012 hauptsächlich dank der «Weltwoche»-Publikation die notwendige Dimension erhielt. Presseberichte ab 29. November 2012 stellten Romer und – parallel dazu – die Zuger Behörden ins Rampenlicht. Angeschlagen verliess Romer die Politbühne «auf Französisch».

Gerichtsmühlen kennen ihr eigenes Tempo, aber nach siebenjähriger Arbeit kann zufrieden festgestellt werden, dass die drei Gerichtsstufen bis zum 15. März ihre Aufgabe als öffentliche Institutionen inhaltlich gründlich erledigt haben. Die Anklage der gegen Romer vorgehenden Geschwister wurde unbefangen beurteilt, transparent und unabhängig untersucht ... Schlussurteil: Der Angeklagte muss ins Gefängnis! Der Grosse Gemeinderat der Stadt Zug (GGR) musste – als oberste politische Instanz der Stadt – die eigene Behördenarbeit auf Fakten rund um Romers Rücktritt und alle durch die Presse verbreiteten Vorwürfe überprüfen. Nach Stadtpräsident Dolfi Müllers Regierungserklärung delegierte der GGR die Aufklärungsarbeiten zum Fall an die PUK. Alle GGR-Parteien wurden in die PUK-Arbeit miteinbezogen. Nach monatelangem Untersuchen publizierte die PUK mitten in den Sommerferien 2014 ihren fünfteiligen Schlussbericht. Resultat: kaum Behörden-Fehlleistungen nachweisbar ... Die «böse Presse» sei mit der Würdigung der Behördenarbeit unfair umgegangen. Ohne Gegenstimmen legte der GGR den Faktenberg zum Fall Romer als «politisch abgeschlossen» ad acta.

An einer offenen, auf Transparenz und Wahrheit ausgerichteten Überprüfung aller Fakten hatte die PUK kein Interesse. Deshalb erklärte man viele Beweise dazu, bis Oktober 2023 zum PUK-Geheimnis. Warum? Etwa zum Reinwaschen der damals behördenintern für alle nachweisbaren Fehlleistungen Verantwortlichen?

Die vom Volk gewählten zuständigen Stadträte schauen bis heute weg, trotz schriftlich breit bekanntgemachten Gegenbeweisen. Die Glaubwürdigkeit als sich selbst respektierende öffentlich-rechtliche Institution wurde im Rückgrat verletzt! So etwas geschieht im weltweit bekannten Schweizerland, im Finanzparadies Zug. Das ist beschämend!

Hendrik de Beaufort, NL-Doorn