Die Stadt Zug soll vor allem in zwei Gebieten wachsen

Bis ins Jahr 2040 wird die Stadt Zug voraussichtlich einen Zuwachs von rund 15 000 Einwohnerinnen und Einwohner und 9000 Arbeitsplätzen verzeichnen. Die Bevölkerung ist dazu eingeladen, bei der Bewältigung dieser Herausforderung mitzuwirken.

Andrea Muff
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Die Stadt Zug bei Nacht.

Die Stadt Zug bei Nacht.

Bild: Stefan Kaiser, (Zug, 27. Januar 2020)

Die Ortsplanungsrevision steht momentan in allen Zuger Gemeinden auf der Agenda. Bei einigen hat die öffentliche Mitwirkung bereits im vergangenen Jahr gestartet, bei anderen vor einigen Wochen. Nun zieht auch die Stadt Zug nach, und zwar mit einer Online-Mitwirkungsplattform. Eine erste öffentliche Veranstaltung folgt Mitte Mai.

«Uns ist es wichtig, dass die Stadtzuger teilhaben können und wir mit ihnen in einen Dialog treten», erklärt Eliane Birchmeier an der Medienorientierung am Mittwoch. Die Bauchefin erinnert: «Die Stadt Zug wird weiterwachsen. Mit der Ortsplanungsrevision wollen wir dieses Wachstum in die richtigen Bahnen lenken.» Bis ins Jahr 2040 rechnet die Stadt mit einem Zuwachs von 15 000 Einwohnern und 9000 Arbeitsplätzen. Stadtarchitekt Christian Schnieper zählt die grossen Entwicklungsgebiete auf: das Technologie-Cluster (400 Einwohner), Baarerstrasse-West (400), SBB Ost (450), Hertizentrum (550), Projekt Pi/Rote Post (650), Industriestrasse-Nord (1450), Herti Süd/Oeschwiese (1700), Äussere Lorzenallmend (2100), L&G-Areal (2150). «Diese Projekte sind alle bekannt. Das Wachstum ist Realität», hält Schnieper fest. Wie die Pläne zeigen, wird das Wachstum hauptsächlich in den Verdichtungsgebieten im Zentrum der Stadt und in der Äusseren Lorzenallmend erfolgen.

Zug hat in Sachen Grünflächen noch Potenzial

Stadtplaner Harald Klein leitet das Projekt Ortsplanungsrevision. In einer ersten Phase stehen Mobilität und Freiräume im Fokus. «Einerseits hat die Stadt Zug seit der Ablehnung des Stadttunnels 2015 kein Verkehrskonzept mehr», gibt der Stadtplaner zu bedenken und betont: «Und andererseits hat Zug in Sachen Grünflächen und Naherholung noch Potenzial.»

Die beiden Themen sollen parallel behandelt werden und in ein gemeinsames Konzept einfliessen. «Mehr Bäume und Cafés brauchen Platz, wie auch Strassen und Parkplätze. Alles geht nicht», fasst Klein den Zielkonflikt zusammen.

«Es ist ein Gordischer Knoten. Deshalb braucht es die Diskussion mit der Bevölkerung.»

In einer Studie hat die Stadt bereits den Puls zum Thema Mobilität gefühlt. Darin zeigt sich etwa, dass mehr als drei Viertel der Befragten mit der Verkehrssituation der Stadt zufrieden sind. «Natürlich gibt es eine Unzufriedenheit über die Staus morgens und abends», fügt Klein hinzu.

Studie: Stadtzuger haben sich zur Mobilität geäussert

Im Rahmen einer Bestandesaufnahme wurde im vergangenen Jahr gemeinsam mit «gfs.bern» die Stadtzuger Bevölkerung zur Mobilität in der Stadt befragt. Die Studie hält fest, dass von den insgesamt 1361 befragten Einwohnern drei Viertel mit der Verkehrssituation zufrieden seien. Der Hauptgrund dafür sei die Qualität des öffentlichen Verkehrs, aber auch die Bedingungen für den motorisierten Individualverkehr werden positiv beurteilt. In der Studie wird Zug mit Städten wie Basel, Bern, Fribourg, Lausanne, Nyon, St. Gallen und Zürich verglichen. Auffällig sind die Angaben der Zuger, welche Transportmöglichkeit sie im Alltag benutzen. Zu je fast einem Drittel entscheiden sich die Befragten für das Auto, den ÖV und das Velo. Ein Schwerpunkt wie etwa in den Städten Zürich, Basel und Lausanne für den ÖV gibt es in Zug nicht. Denn je urbaner, desto höher sei die Benutzung des ÖV, legt Stadtplaner Harald Klein dar. Bauchefin Eliane Birchmeier erklärt: «Das zeigt die Gleichwertigkeit der Verkehrsmittel. Die Stadt Zug befindet sich noch an der Schwelle zur Urbanität.» (mua)

Um die künftige Stossrichtung vorzugeben, sollen auch die Pendlerströme betrachtet werden. «Wir hoffen auch, dass es in Zukunft eine Korrektur in der Verteilung der Arbeitsplätze und Einwohner geben wird. Das heisst, dass wer in Zug arbeitet, auch in der Stadt wohnt», erklärt er. Eliane Birchmeier präzisiert: «Die Stadt ist bemüht, bei all den laufenden Projekten das Thema preisgünstigen Wohnraum anzusprechen.» Zu einer städtebaulichen Herausforderung werde auch der Zuger Bahnhof, erklärt die Bauchefin, der dem Bevölkerungswachstum ebenfalls standhalten müsse.

Volksabstimmung
erfolgt in fünf Jahren

In der momentanen Strategiephase soll möglichst breit die Meinung der Stadtzuger eingeholt werden. Über die Online-Mitwirkungsplattform wird es Befragungen geben und Infos werden aufgeschaltet. Aber auch auf der Strasse oder in der für den Mai geplanten grossen Diskussionsrunde möchten sich die Planer und die Stadträtin mit der Bevölkerung austauschen. «Es ist wichtig, über das Ganze und nicht über einzelne Pläne zu diskutieren. Dafür möchten wir auch Zeit haben», erklärt Birchmeier. So sei die Volksabstimmung, die über die Nutzungsplanung befindet, für 2025 geplant. Im selben Jahr müsste die Ortsplanungsrevision dann auch abgeschlossen sein.

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