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Zuger Stadtpräsident und Zuger Landammann im grossen Interview zum Esaf: «Das werden zwei strenge Tage»

Im Interview outen sich der Zuger Landammann Stephan Schleiss und der Zuger Stadtpräsident Karl Kobelt als Schwingerfans.
Interview: Christopher Gilb
Stephan Schleiss (links) und Karl Kobelt vor der Esaf-Skulptur auf dem Zuger Stierenmarktareal. Bild: Stefan Kaiser (Zug, 13. August 2019)

Stephan Schleiss (links) und Karl Kobelt vor der Esaf-Skulptur auf dem Zuger Stierenmarktareal. Bild: Stefan Kaiser (Zug, 13. August 2019)

Morgen beginnt der sportliche Teil des eidgenössischen Schwing- und Älplerfestes (Esaf) 2019 in Zug. Für den kleinen Kanton Zug und dessen Hauptstadt ist das grösste Schwingfest aller Zeiten eine riesige Herausforderung. Umso grösser ist die Freude bei den politischen Verantwortlichen, dass die Vorbereitung so gut lief und es jetzt endlich losgeht.

Welchem Schwinger drückt der Zuger Landammann die Daumen?

Stephan Schleiss: Als Bildungsdirektor würde es mich besonders freuen, wenn Marcel Bieri – ein Zuger Lehrer – Schwingerkönig werden würde. Ich bin mir zwar nicht mehr ganz sicher, ob ich ihm sein Diplom damals persönlich überreicht habe, aber ganz sicher habe ich es unterschrieben. Realistisch betrachtet hat Pirmin Reichmuth derzeit wohl leicht bessere Chancen, aber das Abschneiden hängt ja auch stark von der Tagesform ab.

Karl Kobelt: Auch ich würde mir einen Zuger Sieger wünschen. Mindestens aber einen Zentralschweizer. Nach Jahren der Ostschweizer und zuletzt der Berner Dominanz wäre das wirklich verdient.

Verfolgen Sie beide den Schwingsport aktiv?

Kobelt: Ich habe mal ein Zentralschweizer Schwingfest besucht. Seit das Eidgenössische in Zug näher rückt, verfolge ich den Sport nun etwas intensiver. Ich finde es einen tollen Sport, der die Heimatverbundenheit dokumentiert und Traditionen wachhält.

Schleiss: Ich habe schon ein paarmal kleinere Schwingfeste besucht, aber ein Eidgenössisches noch nie.

Karl Kobelt, Sie haben von Traditionen und Heimatverbundenheit gesprochen. Passt das überhaupt zum global ausgerichteten Wirtschaftsstandort Zug?

Kobelt: Auch die Pflege von Traditionen gehört zur DNA der Stadt Zug. Denken Sie nur an das Brauchtum rund um Greth Schell.

Schleiss: Ich finde, das Nebeneinander von Tradition und Moderne funktioniert seit jeher gut hier. Der Stierenmarkt ist so ein Beispiel: Da sitzen mittags geschniegelte Banker und Bauern gemeinsam am Tisch.

Dem Schwingfest ging ja eine jahrelange Vorbereitung voraus. Was bereitete der Stadt und dem Kanton den grössten Aufwand?

Kobelt: All die Bewilligungen, die wir für die Benutzung der verschiedenen Anlagen erteilten. Eine Bewilligung zu erteilen, das klingt zwar einfach, ist aber mit einem grossen Aufwand verbunden. So war zu prüfen, ob die Sportanlagen in der Herti der Belastung gewachsen sind, und welche Auswirkungen bei schlechtem Wetter erwartet werden müssen. Da noch nie ein Anlass dieser Grössenordnung in der Stadt Zug durchgeführt wurde, betraten wir oft Neuland. Denn es werden über 300000 Personen in Zug erwartet, die sich nicht nur in der Festmeile aufhalten.

Schleiss: Den Kanton hat vor allem der Bereich Sicherheit stark beschäftigt: Vor den Sommerferien haben die Blaulichtorganisationen dem Regierungsrat ihre Konzepte präsentiert. Es ist sehr eindrücklich, wie man sich für jede Eventualität akribisch vorbereitet hat.

Kanton und Stadt haben je eine Million Franken fürs Esaf gesprochen. Was verspricht man sich davon?

Kobelt: Wir wollen mit einem gelungenen Fest die Leute zum Wiederkommen bewegen und zeigen, welch attraktive Angebote die Stadt Zug mit dem See, der Altstadt, den Einkaufsmöglichkeiten und ihren landschaftlichen Schönheiten zu bieten hat.

Schleiss: Die grösste Wirkung entfaltet das Esaf auf gesellschaftlicher Ebene. Die vielen ehrenamtlichen Helfer aus den verschiedensten Vereinen beeindrucken mich. Ich weiss aus eigener Erfahrung, dass solche Einsätze zu unvergesslichen Erlebnissen führen, die lange über das Fest hinaus positiv bei den Vereinen nachwirken. Zudem zeigen wir der Schweiz, dass in Zug solch ein Grossanlass möglich ist, bei dem zudem ein grosses Augenmerk auf Nachhaltigkeit gelegt wird. Und was mich besonders freut: Während es bei vielen Grossveranstaltungen anhaltend Kritiker gibt, sind diese beim Esaf verstummt. Auch weil das OK gut kommuniziert und alle eingebunden hat.

Kobelt: Genau, nicht jeder in Zug ist Schwingfan, aber mein Eindruck ist, dass die meisten Personen, die kein Interesse an diesem Sport haben, das Ereignis solidarisch mittragen. Dies wohl auch, weil sie anerkennen, dass das Esaf eine gute Möglichkeit bietet, die Stadt und die Region noch bekannter zu machen.

Karl Kobelt, die Baustellen in der Stadt Zug waren ja immer wieder ein Thema. Wird die Stadt nun während des Schwingfestes definitiv baustellenfrei sein (Anmerkung der Redaktion: Das Interview wurde am 13. August geführt)?

Kobelt: Ich gehe davon aus, dass alles zeitgerecht fertig wird, das muss es auch.

Schleiss: Das wäre für einen reibungslosen Verkehrsfluss sehr wichtig.

Wo sind Sie persönlich am Schwingfest anzutreffen?

Kobelt: Meine Hauptbeschäftigung besteht darin, Vertreter unserer Partnergemeinden zu begleiten, aus der Stadt Chur, aus der Gemeinde Isenthal und aus Fürstenfeld in der Steiermark. Sowieso ist die Gastgeberrolle für Zug sehr wichtig. Das Schwingfest strahlt nicht nur in die Schweiz aus, es haben sich auch Fernsehstationen aus Deutschland und Österreich angemeldet.

Schleiss: Ich werde stark mit der interkantonalen Beziehungspflege beschäftigt sein. Wir haben zu diesem Zweck 140 Tickets erhalten, die wir an andere Regierungsräte, Bundesämter und Mitglieder von schweizerischen Konferenzen verteilt haben. Zudem habe ich am Freitag noch die Fahnenübergabe und am Sonntag darf ich die internationalen Gäste begrüssen. Es werden mit Sicherheit strenge Tage, morgens um halb sieben geht’s los, und wie ich mich kenne, gehe ich nicht sofort um 17 Uhr nach Hause. Ich werde am Sonntagabend wohl ganz schön auf der «Schnorre» sein. Dafür wird es ein unvergessliches Erlebnis.

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