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Severin Hofer im Interview: «Das Ziel war, einen konstruktiven Diskurs anzustossen»

Der Zuger Severin Hofer 
kritisiert das Bildungssystem. Nun gibt es sein Essay mit dem Titel «Punkten durch Bildung» bereits 
in zweiter Auflage.
Andrea Muff
Severin Hofer mit seinem Essay «Punkten durch Bildung». (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 9. Mai 2018)

Severin Hofer mit seinem Essay «Punkten durch Bildung». (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 9. Mai 2018)

Severin Hofer vom Zuger Künstlerduo Hoffnung+Kiwi wollte eigentlich die Pädagogische Hochschule (PH) Zug im vergangenen Sommer abschliessen. Seine Bachelorarbeit, die Kritik am Schulsystem übt, wurde aber nicht angenommen. Die Arbeit hat Severin Hofer aber als Essay mit dem Titel «Punkten durch Bildung» veröffentlicht. Inzwischen gibt es eine zweite Auflage, die bei Bücher Balmer erhältlich ist, und auch eine Bachelorarbeit, welche die Kriterien der PH Zug erfüllt. Der angehende Kindergartenlehrer hat die Ausbildung nun bald im Sack.

Severin Hofer, was ist nun an der neuen Bachelorarbeit anders?

Ich habe eine neue Bachelorarbeit über ein neues Thema, nämlich «das Rollenspiel – Förderpotenzial für das soziale Handeln», geschrieben. Meine zweite Arbeit unterscheidet sich vor allem im Ziel von der ersten. Denn in der ersten Arbeit ging es mir darum, eine selbstständige und kritische Arbeit zu verfassen. Es ging mit um eine persönliche, vertiefte Auseinandersetzung mit pädagogischen Kernthemen. In der zweiten Arbeit lag das Ziel primär im Erfüllen von den geforderten Kriterien, um schlussendlich zu bestehen. Die zweite Arbeit war somit vor allem Mittel zum Zweck, während die erste Arbeit der Zweck an sich war.

Wie ist Ihr Verhältnis zur PH Zug – zu den Dozenten und zur Leitung?

Mein Verhältnis zur Pädagogischen Hochschule Zug sehe ich als entspannt. Ich konnte mit dem Modul «Punkten durch Bildung» und dem gleichnamigen Buch den Alltag der Hochschule mitgestalten. Dabei habe ich mich auch kritisch gegenüber der Institution geäussert. Das Ziel dabei war, einen konstruktiven Diskurs anzustossen. Wenn einige Dozenten und Studierende dies als Angriff auf die Hochschule interpretieren, glaube ich an ein Missverständnis. Denn eine Hochschule, die sich kritische Denker wünscht, muss Kritik aushalten können – solange sie konstruktiv ist. In meinem Fall sehe ich das als gegeben.

Warum ist das Thema Ihrer ersten Bachelorarbeit immer noch aktuell?

In der Bachelorarbeit, die auch als Buch «Punkten durch Bildung» erschienen ist, geht es um zentrale Haltungen in der Pädagogik. Was treibt mich beim Lernen an? Wie sehe ich meine Rolle in Bildungsprozessen? Erwarte ich, von einer Lehrkraft mit Stoff «gefüttert» zu werden? Sehe ich mich als aktive und treibende Kraft in Lernprozessen? Diese Fragen haben an Wichtigkeit und Aktualität nicht eingebüsst. Wie jeder Einzelne diese Fragen für sich beantwortet, ist für mich dabei sekundär.

Warum ist es wichtig, sich diese Fragen zu stellen?

In erster Linie finde ich es wichtig, dass sie überhaupt gestellt werden. Diese Auseinandersetzung habe ich in der Ausbildung an der PH Zug oftmals vermisst. Die logische Konsequenz war dann auch, mich in meiner ersten Abschlussarbeit vertieft damit zu beschäftigen und eine Diskussion anzustossen. Dies ist mir gelungen.

Was würden Sie konkret am Bildungssystem ändern?

Im Bildungssystem fehlt es mir an Glaubwürdigkeit und Ehrlichkeit. In Kursen und Diskussionen wird oftmals viel Gutes gesagt, wie etwa dass Lernende im Zentrum von Bildungsprozessen stehen sollen. Oder, dass Bildung niemals Mittel zum Zweck sein darf, sondern im Dienste des Menschen stehen muss. Gerade an einer Bildungsinstitution, welche Lernende zu Lehrkräften ausbildet, ist es besonders wichtig, dass Reden und Handeln in Einklang sind. In vielen Kursen an der PH Zug wird den Studierenden aber fast alles bis ins letzte Detail vorgeschrieben. Wenn dann jemand kommt und behauptet, es gehe in solchen Kursen um selbstständiges und kritisches Denken, ist das für mich eine zynische Haltung.

Wie sieht ihre Zukunft aus?

Mich erreichen immer wieder Anfragen bezüglich des Buches. Ich würde es begrüssen, auch künftig mit meinem Buch an Lesungen oder Referaten einen Diskurs zu pädagogischen Haltungen anzustossen. Zudem ist es mein Wunsch, weiter auf der Kindergartenstufe zu arbeiten. Es ist erstaunlich und sehr bereichernd, junge Kinder beim Entdecken und Erforschen zu begleiten.

Was ist Ihr Ziel?

Es ist wichtig, dass ich meine eigenen Haltungen immer wieder kritisch hinterfrage. Worum geht es hier? Mein Ziel ist es, eine möglichst hohe Passung von Denken und Handeln bei mir zu erreichen. Dass dies schwierig ist und ich selbst immer wieder herausgefordert werde, empfinde ich als normal. Ich würde es mir aber nicht verzeihen, wenn ich mit dem kritischen Hinterfragen meiner eigenen Haltungen aufhören würde.

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