Das Zuger Strafgericht verkürzt die Strafe für einen Sexualtäter

Ein bald 40-jähriger Mann hat sich mehrere Male an Kindern vergriffen, wofür die Staatsanwaltschaft vier Jahre Gefängnis forderte.

Marco Morosoli
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Die Verhandlung des Zuger Strafgerichts am vergangenen Montag dauerte lange (Artikel vom Dienstag). Es galt, einen bald 40-jährigen Schweizer für verschiedene sexuelle Taten mit Minderjährigen als Opfer zu beurteilen. Über seine Übergriffe wider die körperliche Integrität von Kleinkindern redete der Mann aber während der Verhandlung nicht.

Sprachlos, aber aus einem anderen Grund, dürfte die Staatsanwaltschaft sein. Das Strafgericht hat den der Anklagebehörde geforderte Strafrahmen – 48 Monate Gefängnis – um einen Drittel auf 32 Monate Gefängnis gekürzt. Dies geht aus der Kurzfassung des Urteils hervor, welches allen Parteien bis gestern zugegangen ist. Dieses Schriftstück bezeichnet die Juristensprache als Urteilsdispositiv. Aus diesem gehen die ausgesprochenen Sanktionen des Strafgerichts hervor, hingegen nicht die Begründung für dieses Ergebnis. Ebenso finden sich im Dispositiv Angaben über die Prozesskosten, und wer sie bezahlt. Im vorliegenden Fall hat das Strafgericht verfügt, dass der Täter neun Zehntel der bisher anfallenden Prozesskosten von 10000 Franken bezahlen muss. Die amtliche Verteidigung übernimmt der Staat. Die neun Zehntel, so steht es im Urteilsdispositiv, muss er zurückzahlen, sobald «es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben».

Mehrere Medien wurden beschlagnahmt

Die Strafverfolgungsbehörden haben im Zuge der Untersuchung gegen den Sexualtäter allerdings eine relativ grosse Summe Geld beschlagnahmt. In der Gerichtskasse liegen rund 120000 Franken. Überdies wurde eine Vielzahl von Gegenständen sichergestellt. Es handelt sich dabei um vier Kameras, fünf Computer, 20 Smartphones und 46 Speicherchips oder externe Festplatten. Zudem kann der Beschuldigte geltend machen, dass ihm weitere drei Computer und sieben Datenträger herauszugeben sind. Auf Letzteren hat die Polizei pornografisches Material festgestellt. Erhebt der Täter Anspruch auf die Medien mit den verbotenen Daten, muss er allerdings dulden, dass die Polizei vorher alle Dateien löscht. Diese Dienstleistung müsste der Beschuldigte berappen. Einen Haken hat die Rückgabeaktion jedoch: Es braucht dazu ein rechtskräftiges Urteil.

Der Zuger Strafrichter Philipp Frank, er war der Referent bei der Verhandlung am Montag, wagte einen Blick in die Zukunft: Bei Kenntnis des Urteils dürfte die eine Partei oder die andere in die Berufung gehen. Bei dieser Ausgangslage müsste sich das Obergericht mit dem Fall befassen. Wie dieses Gericht in diesem Verfahren urteilen würde, wäre Kaffeesatzlesen. Immerhin befinden sich die Staatsanwaltschaft und das Strafgericht in einem Punkt auf der gleichen Linie: Der Mann darf lebenslang sowohl beruflich als auch ausserberuflich keinerlei Funktion mit Bezug zu Kindern ausüben. Diese Massnahme steht sogar seit 2014 in der Bundesverfassung (Artikel 123c). Dieses Berufsverbot ist ein Ausfluss der am 18. Mai 2014 angenommenen Initiative «Pädophile sollen nicht mehr mit Kindern arbeiten dürfen». Dieses Volksbegehren ist eines von bislang 22, welche Stimmbürger und Stände annahmen.