Das Zuger Swisshotel wird zum Wohnheim

Wo heute Reisende ein Bett zum Übernachten finden, sollen schon bald Menschen mit psychischer Beeinträchtigung ein Zuhause haben.

Zoe Gwerder
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Das Swisshotel im Gebiet Choller.

Das Swisshotel im Gebiet Choller.

Bild: Zoe Gwerder (Zug, 10. Januar 2020)

Gleich hinter der Tankstelle bei der Kreuzung im Choller gibt es sich seit rund 35 Jahren Schlafmöglichkeit für Reisende – bis zum Jahrtausendwechsel als Motel, seither als Hotel geführt. Wie aus einem aktuellen Baugesuch hervorgeht, soll daraus nun ein Wohnheim entstehen.

Bauherrin ist die Stiftung Eichholz. Gemäss deren Internetauftritt bietet die sozialpsychiatrische Institution derzeit in Steinhausen 42 Plätze für Wohnen, Arbeiten und Beschäftigung für Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung. Zum geplanten Wohnheim an der Chollerstrasse 1 A will die Organisation noch nichts sagen. Es werde Mitte Februar kommuniziert, heisst es auf Anfrage.

Seit Längerem auf der Suche nach neuen Räumen

Aus Newslettern und Jahresberichten der Stiftung geht hervor, dass diese ursprünglich ein Neubauprojekt an einem anderen Standort realisieren wollte. So hatte die Zuger Regierung im Dezember 2015 zu diesem grünes Licht gegeben. Der Neubau wurde jedoch verworfen. 2018 steht im Jahresbericht der Organisation: «Aus den verschiedensten Gründen hat die Stiftung das geplante Bauvorhaben nach detaillierter Prüfung verworfen. Die Suche nach alternativen Lösungen hat uns daher im 2018 weiterhin sehr beschäftigt. Zum aktuellen Zeitpunkt zeichnet sich jedoch eine sehr gute, zukunftsweisende Lösung ab.»

Damit war wohl das Gebäude des jetzigen Swisshotels gemeint. Dort sind nun 45 Betten in den drei Obergeschossen geplant, wie dem Gesuch zu entnehmen ist. Die meisten von ihnen sind in Einbett-Zimmern untergebracht. Hinzu kommen zwei Studios mit Kochgelegenheit sowie zwei Sechszimmerwohnungen mit je fünf Betten sowie eine Vierzimmerwohnung mit drei Betten.

Im Erdgeschoss sollen gemäss den Plänen Räumlichkeiten für den Betrieb des Wohnheims entstehen. Vorgesehen sind dort drei Räume für Ateliers, ein grosser Essraum, mehrere Sitzungszimmer sowie eine Gastroküche. Offenbar soll in dieser auch für ein Restaurant gekocht werden. Das Lokal ist auf der Seite Chamerstrasse geplant – dort, wo auch das heutige Hotel sein Restaurant hat. Die Stromversorgung erfolgt mittels Sonnenkollektoren auf dem Dach des Hauptteils des Gebäudes – jenem parallel zur Strasse. Insgesamt kostet das Projekt gemäss der Baueingabe 3,5 Millionen Franken.

Hotelier wird pensioniert, gibt aber keine Auskunft

Betreiber des Swisshotel ist der Zuger Politiker Philip C. Brunner. Er und seine Frau führen das Hotel seit dem Jahr 2000. Brunner erreicht in diesem Jahr sein Pensionsalter. Zum Ende seines Hotelbetriebs will er keine Auskunft geben.

Auch von Seiten der Eigentümer – das Gebäude gehört der Paul Amrein AG – ist nichts Weiteres zur Baueingabe zu erfahren. Es wird auf die von der Stiftung Eichholz in Aussicht gestellte Kommunikation Mitte Februar verwiesen.

Dass es nun in Zug ein Hotel weniger geben soll, findet die Geschäftsführerin von Zug Tourismus «schade». Wie Patrizia Hofstetter erklärt, gehört das Swisshotel zu den grösseren Hotels der Stadt Zug und ist am Wochenende insbesondere bezüglich seiner Nähe zur Chollerhalle für viele Veranstalter perfekt. «Zudem könnten wir schon heute unter der Woche noch mehr Zimmer gebrauchen.»