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«Dass der Ägerisee überfischt ist, stimmt nicht»

Hanspeter Merz, der einzige Berufsfischer auf dem See, nimmt Stellung zu den kürzlich gemachten Aussagen der Hobbyfischer.
Interview: Rahel Hug
Netze am Ufer des Ägerisees. (Bild: Werner Schelbert, 28.August 2018)

Netze am Ufer des Ägerisees. (Bild: Werner Schelbert, 28.August 2018)

Nachdem der Kanton Zug kürzlich die Ergebnisse einer gross angelegten Untersuchung des Ägerisees publik gemacht hatte, schlugen Ägerer Hobbyfischer Alarm: Der Fischbestand im See gehe seit Jahren zurück, der See sei überfischt, kritisierten sie. Die fischereirechtliche Nutzung sei nicht nachhaltig. Heute würden viel kleinere Fische als früher gefangen, diese müssten jedoch freigelassen werden, um sich fortzupflanzen.

Der Hauptgrund für die Probleme sei die Netzfischerei. Die Hobbyfischer fordern, dass der Kanton strengere Regeln aufstellt. Von solchen wäre in erster Linie ein Mann betroffen: Hanspeter Merz, der einzige Berufsfischer auf dem Ägerisee und Besitzer des Hotels und Restaurants Eierhals in Morgarten. Hanspeter Merz nimmt im Interview Stellung zum Thema.

Hanspeter Merz, Berufsfischer auf dem Ägerisee.

Hanspeter Merz, Berufsfischer auf dem Ägerisee.

Stellen Sie ebenfalls einen Rückgang des Fischbestandes fest?

Hanspeter Merz: Nein, diese Feststellung teile ich nicht. Seit 20 Jahren fische ich nun selber auf dem See und meine Fangquote ist konstant. Klar, wir haben Schwankungen von plus/minus 500 Kilogramm pro Jahr, doch diese bewegen sich im normalen Rahmen.

Aber dass die Fische kleiner sind, bemerken Sie? Dies hat ja auch der Kanton bei der Untersuchung festgestellt.

Das ist richtig. Doch das hat nichts mit der Befischung zu tun, sondern mit dem geringen Nährstoffgehalt im See. Der Ägerisee weist sehr wenig Phosphor auf, er ist sehr sauber. Das war in den 1970er-Jahren anders. Für den Menschen ist das erfreulich, für die Fische hat es aber eine Kehrseite. Kurz gesagt: Sie haben genug Nahrung zum Leben, aber zu wenig zum Wachsen.

Bei der Erhebung zeigte sich auch, dass ab einer Tiefe von 30 Metern kaum mehr Fische vorkommen.

Auch diese Beobachtung kann ich nicht teilen. Die Erhebung des Kantons ist eine Momentaufnahme. Unsere Netze, etwa beim Laichfischfang der Seesaiblinge oder Rötel, reichen zum Teil tiefer als 30 Meter und wir fangen auch dort Fische.

Die Hobbyfischer sagen, die tiefen Maschenweiten Ihrer Netze würden dafür sorgen, dass Sie zu kleine Fische fangen, die sich eigentlich noch fortpflanzen sollten. Was sagen Sie dazu?

Unsere Gerätschaften selektionieren ganz klar, bei einem Sportfischer beisst eher auch mal ein kleiner Fisch an. Ich bin der Meinung, dass wir etwa 5 Prozent der untermassigen Fische fangen und die Hobbyfischer etwa 95 Prozent. Sie schaden dem Gewässer mehr als ich als Berufsfischer. Unsere Netze sind darauf ausgerichtet, dass sich der Fischbestand natürlich erholen kann. Dass der Ägerisee überfischt ist, stimmt nicht. Er ist gut bewirtschaftet.

Wurden die Regeln, die für Sie als Berufsfischer gelten, in den letzten Jahren angepasst?

Nein, für mich gelten seit jeher die gleichen Bedingungen. Einzig die Maschenweiten wurden nach unten korrigiert. Dies ist aber auch in anderen Seen der Fall. Die Normen wurden aufgrund des stetigen Phosphor-Rückgangs in den Gewässern angepasst.

Wie viel Fisch fangen Sie durchschnittlich an einem Tag?

Das sind knapp 20 Kilogramm. Ich fische an rund 280 Tagen im Jahr und habe einen Ertrag von ungefähr 5,8 Tonnen jährlich. Pro Tag bin ich zirka 3 bis 4 Stunden auf dem See.

Was sagen Sie zu den Forderungen der Hobbyfischer nach strengeren Regeln?

Die Sportfischer fahren eine Kampagne gegen mich. Ich habe nichts gegen die Angelfischer, aber auf dem See gibt es, wie im Wald oder in der Stadt, Konflikte unter den verschiedenen Nutzern. Auch Neid ist vorhanden. Doch es ist mein Recht, hier zu fischen und dieses Recht wurde erst vor ein paar Jahren von der Gemeinde bestätigt. Ich fische seit langer Zeit hier und kenne den See sehr gut. Eine Überfischung wäre nicht in meinem Sinne, denn ich bin ja darauf angewiesen, dass es den Tieren im Ägerisee gut geht.

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