DATENSCHUTZ: Datenschützer warnt vor amtlicher Sammelwut

Im Kanton Zug existierten Ende 2014 1463 Datensammlungen über die Einwohner. Mit 849 solcher Sammlungen seien die Gemeinden die eifrigsten Sammler, sagt der Zuger Datenschützer. Die kantonale Verwaltung führt 302 und die katholische Kirche 92 Datensammlungen.

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Der Zuger Datenschützer René Huber. (Bild: Archiv Neue ZZ)

Der Zuger Datenschützer René Huber. (Bild: Archiv Neue ZZ)

Die heutige Technik ermögliche grenzenloses Sammeln, Verbinden, Auswerten und Speichern von Daten, schreibt der Datenschützer in seinem am Mittwoch veröffentlichten Tätigkeitsbericht 2014. Jeder Zuger und jede Zugerin habe aber das Recht, zu erfahren, welche Stelle welche Daten über sie oder ihn bearbeite.

Der Datenschützer führt deshalb auf seiner Website ein Register aller Datensammlungen im Kanton Zug. Dabei ist ersichtlich, welche Daten von welcher Verwaltungseinheit gesammelt werden, etwa "Name" oder "Gesundheit". Das Register ermöglicht aber keinen Zugriff auf die effektiven Daten.

Das Register stosse auf Interesse, schreibt der Datenschützer weiter. Mehrmals pro Tag würden von Privatpersonen und Verwaltungen Suchanfragen in diesem Register vorgenommen.

"Einstempeln" per Fingerabdruck

Im Tätigkeitsbericht erwähnt der Datenschützer mehrere Fälle des laufenden Jahres, etwa die Verwaltungsabteilung, in der die Mitarbeitenden neu per Fingerabdruck einstempeln sollten. Der Datenschützer rügte die Arbeitszeiterfassung mit biometrischen Daten als unverhältnismässig und somit nicht zulässig.

Kritik musste auch ein Fotograf einstecken, der eine Zuger Schulklasse ablichtete - allerdings ohne Kinder und Eltern über den Verwendungszweck des Bildes zu informieren. Das Foto erschien grossformatig in einer Zuger Publikation. Die Eltern erfuhren nur durch Zufall davon und waren wenig begeistert.

Der Tätigkeitsbericht 2014 war der letzte von Datenschützer René Huber. Er tritt Ende Jahr nach 15 Jahren zurück und wird selbstständiger Datenschutz-Berater in Zürich. Ersetzt wird er durch Claudia Mund. Sie war unter anderem juristische Mitarbeiterin beim Datenschutzbeauftragten des Bundes und des Kantons Zürich.

(sda)