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DEBATTE: Bauern wollen Hanf anbauen

Einige Schweizer Städte wollen legales Cannabis testen. Eine Einnahmequelle für den Staat und die Landwirtschaft. Zuger Landwirte zeigen sich offen – unter Vorbehalt.
Bernhard Marks
Hanf gilt als eine Kulturpflanze, die auch in der Schweiz perfekt wächst. (Bild: Keystone/Abir Sultan)

Hanf gilt als eine Kulturpflanze, die auch in der Schweiz perfekt wächst. (Bild: Keystone/Abir Sultan)

Bernhard Marks

Weltweit wird derzeit intensiv über die Legalisierung von Cannabis diskutiert. Denn einen Grossteil ihres Umsatzes – geschätzt sind dies 20 bis 30 Prozent – erzielen Drogenkartelle heute mit dem Verkauf dieser Pflanze. Eine Legalisierung von Cannabis und ein Wegfall dieser Beträge würden die Kartelle demnach hart treffen. Auch die Schweiz kann sich der Debatte um die Legalisierung der Droge Cannabis derzeit nicht entziehen. Mit gutem Grund: Hierzulande hat die Professionalisierung des illegalen Hanfanbaus in jüngster Zeit zu immer mehr Polizeieinsätzen geführt – und zu einem Umdenken bei den Behörden. Mit Versuchen zur legalen Abgabe von Cannabis wollen Schweizer Städte wie Genf, Bern, Basel und Zürich Schwung in die Diskussion bringen. Sogar Bundesrat Alain Berset begrüsst diese Initiative.

Vor 100 Jahren ganz normal

Auch Schweizer Landwirte sind interessiert am Anbau von Hanf. Viele von ihnen wittern bereits eine lukrative Einnahmequelle, sollte die legale Abgabe von Cannabis schweizweit Schule machen. Immerhin: Eine halbe Million Menschen konsumieren hierzulande Cannabis. Allein der Schweizer Cannabismarkt wird auf bis zu 1,2 Milliarden Franken geschätzt. Auch Zuger Bauern zeigen sich offen. «Bei uns würde Hanf sicher gut wachsen», so der Zuger Bauernpräsident Franz-Toni Imfeld. Vor 100 Jahren war der Hanfanbau im Kanton Zug schliesslich eine ganz normale Sache. Die Topografie und das Wetter der Region seien für das Wachstum der Pflanze bestens geeignet. «Wenn der Bund die Bestimmung für den Anbau freigeben sollte, ist der Hanfanbau für die Bauern sicher eine sehr interessante Sache», sagt Imfeld. Vorbild könnten in diesem Fall die USA bieten. Dort hat sich der Markt für Marihuana seit der Legalisierung im Bundesstaat Colorado 2014 rasant entwickelt. Der Umsatz der Hanf-Farmer in den USA wird bereits auf Dutzende von Milliarden Dollar geschätzt. Auch für die Kassen der öffentlichen Hand ist Hanf eine gute Sache. Allein der US-Bundesstaat Colorado nimmt dank der Legalisierung von Cannabis jährlich 185 Millionen Dollar zusätzlich an Steuern ein.

Steuern auf Cannabiskonsum

Die Offenheit der Zuger Landwirte wird von einigen Zuger Politikern geteilt. Andreas Lustenberger, Präsident der Alternative-die Grünen Zug (ALG), begrüsst den legalen Anbau, Verkauf und Konsum von Cannabis. «Damit könnte dem verborgenen Drogenhandel entgegengewirkt werden, und Cannabis würde endlich mit dem Genussmittel Alkohol gleichgesetzt», erklärt er. Dies ginge aber nicht ohne staatliche Kontrollen. «Wie bei allen anderen in der Schweiz verkauften Produkten würde es stichprobenartige Kontrollen benötigen, und die Herkunft müsste klar deklariert werden», sagt Lustenberger. Nicht nur könne so die Qualität kontrolliert werden, sondern es könne sogar eine Steuer eingeführt werden, analog der Tabaksteuer, so Lustenberger.

Neuer regulierter Markt

Auch die Piraten sehen in einer Legalisierung von Cannabis eine Chance. «Durch die schrittweise Legalisierung wird kriminellen Strukturen der Nährboden entzogen und Raum für Forschung und Aufklärung geschaffen», sagt Biljana Lukic, Vizepräsidentin Piratenpartei Zentralschweiz. Sie betont zudem die ökonomischen Möglichkeiten, die sich daraus ergeben. «Die komplette Legalisierung von industriellem Cannabis als Genussmittel oder Medizinalprodukt ermöglicht der Privatwirtschaft als auch dem Staat, einen neuen regulierten Markt zu schaffen. Die gesamte Produktionskette vom Bauernhof bis zum Endprodukt kann inländisch aufrechterhalten werden», so Lukic. Damit werde der Binnenmarkt der Schweiz gestärkt und eine einfache Einnahmequelle für die öffentliche Hand geschaffen. Eine Legalisierung könne sogar Kosten sparen. «Durch die Entkriminalisierung entfallen die Kosten, welche heute durch Strafverfolgung und -vollzug entstehen. Zudem fördert der Abbau von Regulierungen die Unabhängigkeit der Bauern von staatlichen Subventionen», sagt Lukic. Auch der medizinischen Forschung, dem Patienten und Endkonsumenten von Hanf- beziehungsweise Cannabisprodukten könne eine Legalisierung nur zugutekommen.

Zurückhaltung bei Zuger Behörden

Die Zuger SP-Präsidentin Barbara Gysel liebt den helvetischen Pragmatismus der Schweizer Landwirte: «Konservative Bauern wollen durch den Cannabisanbau linke Anliegen unterstützen, sei es aus ökonomischer Vernunft oder sozialdemokratischer Warte», erklärt sie. Ökonomie alleine reiche aber nicht. «Die Ökologie darf beim Anbau nicht auf der Strecke bleiben», sagt Gysel. Grundsätzlich befürworte sie die Legalisierung von Cannabis. Anfragen der Redaktion bei der CVP und der FDP blieben erfolglos.

Risiko nicht absehbar

Auf Seiten der Zuger Behörden gibt man sich eher zurückhaltend. Der Zuger Gesundheitsdirektor Martin Pfister sieht zurzeit keinen Handlungsbedarf in Zug. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Kanton Zug aktiv ein Pilotprojekt lanciert», so Pfister. Doch er signalisiert, dass sich dies ändern kann. «Sollte der Bund seine gesetzlichen Grundlagen ändern, ist die Frage allenfalls neu zu beurteilen», sagt Pfister.

Auch die Landwirte äussern gewisse Bedenken. «Das unternehmerische Risiko ist beim Hanfanbau derzeit nicht absehbar», sagt Bauernpräsident Franz-Toni Imfeld. Letztlich hänge es vom Preis ab, ob Hanf der Landwirtschaft dienlich ist oder nicht. Hier ist Imfeld skeptisch. «Wenn die Pflanze nicht mehr illegal ist, sinkt automatisch der Preis», denkt er. Auch die Verlockung des Diebstahls schätzt Imfeld als hoch ein. «Eine Hanfplantage lässt sich dagegen schlecht schützen.» Aus diesen Gründen würde Imfeld den Hanfanbau im Kanton Zug nicht forcieren. «Aber das muss jeder Bauer für sich selbst entscheiden», so Imfeld. «Ob ein Landwirtschaftsbetrieb, eine Gärtnerei oder eine neue Gesellschaft im Kanton Zug Cannabis anbauen würde, läge ja in der Entscheidungskompetenz der jeweiligen Betriebe», sagt auch ALG-Präsident Andreas Lustenberger.

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