Degustieren statt bestellen im Kurioz in der Stadt Zug 

Dort, wo sich einst die Schule Talentia befand, hat mitte April ein neues modernes Restaurant mit Barbetrieb eröffnet. Wer im «Kurioz» dinieren will, muss gewillt sein, sich überraschen zu lassen.

Christopher Gilb
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Mitinhaber Alfie Godenzi in der separaten Bar. Hier soll auch Livemusik geboten werden. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 19. Juni 2019)

Mitinhaber Alfie Godenzi in der separaten Bar. Hier soll auch Livemusik geboten werden. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 19. Juni 2019)

Das auffallendste im «Kurioz Bar & Kitchen» an der Pilatusstrasse 1 ist die Abendkarte. Sie besteht nur aus einer gerahmten Seite. Aufgelistet sind Bestandteile von Gerichten: Karottensosse, Granatapfel, Soja, Rindsfilet. Falls die Gäste also eine Allergie haben oder kein Fleisch essen, können sie einzelne Bestandteile ersetzen lassen, mehr aber nicht. Denn grundsätzlich wählen sie im Mitte April eröffneten Restaurant nur zwischen einem Vier-Gang-Menü für 75 Franken, einem Fünf-Gang-Menü für 92 Franken oder einem Sechs-Gang-Menü für 107 Franken. Der Rest ist Überraschung.

Die Konzeptidee stammt von Mitinhaber Alfredo «Alfie» Godenzi, der sich schon seit mehreren Jahren in der Gastroszene bewegt und zuletzt das Mr. Pickwick in Zug leitete. «In der Gastronomie gibt es nur beschränkt Aufstiegsmöglichkeiten, irgendwann hat man das Maximum erreicht und wer dann mehr will, muss sich selbstständig machen. Das war schon seit Längerem mein Ziel», so der 33-Jährige. Ein Fan von Degustationsmenüs sei er zudem schon immer gewesen. «Sie haben zwar ihren Preis, aber so kann man immer kreative und frische Gerichte anbieten», sagt der gebürtige Steinhauser.

Umbau war eine Herausforderung

Als dann die ehemaligen Räumlichkeiten der Schule Talentia an der Pilatusstrasse 1 neu vermietet wurden, schlug er zu. «In Zug kann man alles zum ersten Mal machen. Das klassische Angebot ist schon gut abgedeckt, abseits davon gibt es aber noch viel Raum für Neues. So etwas wollten wir probieren.» Einen Mitstreiter fand er in Murat Bozay, Chef der Mantra Bar, gegenüber des Mr. Pickwick. Beide sind Inhaber. Godenzi kümmert sich aber um das operative Geschäft.

Drei Monate dauerte der Umbau der ehemaligen Schulräumlichkeiten. Und das 1907 gebaute Gebäude stellte die Inhaber vor Herausforderungen. «Einige Leitungen wurden seit damals nicht ersetzt», erinnert sich Godenzi. Zudem sei die Decke eingeknickt gewesen und habe angehoben und neu verstrebt werden müssen. «Ich sagte immer, bis auf die Fenster und die Radiatoren ist jetzt alles neu», scherzt er. Das moderne Design ist gelungen. Im ersten der beiden dank der Fenster und hohen Decke lichtdurchfluteten Räume befindet sich der Barbereich. Ein langer Tresen und mehrere Bartische. Bierliebhaber werden sich über gleich sieben Sorten frisch gezapftes Bier freuen. Kleinere Gerichte können von einer Barkarte bestellt werden. «Der Vorteil ist, dass die Bereiche räumlich wirklich abgetrennt sind, so wird es nicht unruhig», erklärt Godenzi. Hier in der Bar soll es auch gelegentlich kulturelle Darbietungen geben. «Ich bin ein grosser Fan von Unplugged-Musik.»

Durch eine Öffnung geht es ins Restaurant. Am Mittag gibt es ein À-la-carte-Angebot, am Abend das Degustationsmenü, das alle zwei Wochen wechselt. Drei Köche kümmern sich darum. Der Stil der Gerichte, so Godenzi, sei zwar französisch angehaucht, aber aufgrund der Kombinationsmöglichkeiten mit Stilbrüchen. Die Tische mit Platz für 28 Personen sind aus Holz, auf eine üppige Tischdekoration wird verzichtet. Nichts soll dem Probiererlebnis im Weg stehen. «Die Degustationsmenüs kommen gut an», stellt Godenzi fest, der sich mit der bisherigen Resonanz auch der Bar insgesamt zufrieden zeigt.

Einziger Wermutstropfen ist, dass die Terrasse noch nicht eröffnet werden konnte. 30 bis 40 Sitzplätze will Godenzi im Stil eines Biergartens rund um den grossen Baum schaffen und dafür die unebene Wiese aufschütten. Eine Einsprache dagegen habe es nicht gegeben und auch das obligatorische Lärmgutachten erlaube die Aussenplätze. «Es sind aber gleich mehrere städtische Stellen involviert, wie der Denkmalschutz oder die Kommission für Grünflächen.» Die alle einwilligen müssten, dieser Prozess sei leider noch nicht abgeschlossen. Bleibt für ihn zu hoffen, dass dies bald der Fall ist. Im Sommer ist eine Terrasse bekanntlich ein klarer Wettbewerbsvorteil.

Das «Kurioz» hat montags bis samstags von 11.30 Uhr bis Mitternacht geöffnet.