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DELIKTE: Mehr Fälle von häuslicher Gewalt im Kanton Zug

Am Montag wurde die Kriminalstatistik 2016 des Kantons Zug vorgestellt. Während die Zahl der Einbrüche erneut abnahm, gab es im Bereich häusliche Gewalt und bei den Sexualdelikten eine teils markante Zunahme.
Christopher Gilb
Eine Frau schützt sich vor ihrem gewalttätigen Mann (gestellte Szene). (Bild: Keystone (Symbolbild))

Eine Frau schützt sich vor ihrem gewalttätigen Mann (gestellte Szene). (Bild: Keystone (Symbolbild))

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

«Die Kriminalstatistik weist für den Kanton Zug erneut eine stabile Sicherheits- und Kriminalitätslage aus», fasst der Chef der Zuger Kriminalpolizei, Thomas Armbruster, die Kriminalstatistik 2016 zusammen. Insgesamt hat die Zuger Polizei letztes Jahr 6770 Straftaten registriert, das sind 47 weniger als im Vorjahr.

Pro tausend Einwohner ergibt dies eine Straftatenzahl von 44,2, was unter dem Landesdurchschnitt von 56,2 liegt. «Und dies, obwohl Zug der Kanton mit der vierthöchsten Bevölkerungsdichte in der Schweiz ist», so der Kommandant der Zuger Polizei Karl Walker. «Und gerade die Ano­nymität, die in urbanen Gebieten öfter vorkommt, ist ja bekanntlich ein Faktor, der Kriminalität begünstigt.»

Rückläufig waren letztes Jahr die Anzeigen vor allem bei Delikten gegen das Betäubungsmittelgesetz (455) und bei Vermögensdelikten (3615). Die Zahl der Vermögensdelikte war 2016 die tiefste seit 2012. «Bei den Einbruchsdiebstählen handelt es sich bei den 551 Einbrüchen von 2016 sogar um den tiefsten Wert der letzen sechs Jahre», so Armbruster. Im Durchschnitt wurde 2016 zirka 1,5 mal pro Tag eingebrochen, am häufigsten in Mehrfamilienhäusern, und dies wie in den Vorjahren in der Agglomeration Zug, Baar und Cham.

Gewalt aus Angst, den Einfluss zu verlieren

Bei den Delikten nach Strafgesetzbuch gab es hingegen 2016 28 Fälle mehr als im Vorjahr. Diese Zunahme hat aber nichts mit dem Bereich Leib und Leben zu tun; 2016 gab es im Kanton Zug drei Fälle schwerer Körperverletzung und zwei Morde, 2015 waren es noch zehn schwere Körperverletzungen und drei Morde. Was jedoch zunahm, ist die Anzahl der Tätlichkeiten. Diese Zunahme steht laut Armbruster in einem direkten Zusammenhang zu der «markanten» Zunahme von Fällen häuslicher Gewalt. «Mehr als einmal pro Tag musste eine Polizeipatrouille deswegen ausrücken.» Die Zahl der Interventionen in diesem Bereich stieg von 361 auf 402. Zugenommen habe in diesem Kontext auch die Zahl der Interventionen mit Verzeigungen, da mehr Opfer eine Anzeige gemacht hätten oder die Polizei aufgrund der Schwere des Delikts gezwungen gewesen sei, die Person anzuzeigen.

Gegen 18 Personen wurde wegen dieser Delikte letztes Jahr ein Freiheitsentzug und bei 13 Fernhaltemassnahmen angeordnet. Vielfach hätten Opfer und Täter bei den Fällen der häuslichen Gewalt Migrationshintergrund. Teils hätten die Männer aus Kulturen mit patriarchalischem Familienmodell Probleme mit den westlichen Lebensformen, die ihre Frauen annehmen würden. «Sie haben sozusagen Angst, ihren Einfluss zu verlieren», so Armbruster.

Zwar versuche die Polizei, möglichst viel Präventionsarbeit zu machen, oft sei es aber nicht einfach, an diese Personen überhaupt heranzukommen. Dass die Zahl der Anzeigen in diesem Bereich höher sei, sei aber nicht unbedingt ein schlechtes Zeichen, sondern könne auch ein Zeichen dafür sein, dass die Präventionsarbeit Früchte trage, erklärte der Kommandant der Zuger Polizei Karl Walker. «Wenn heute beispielsweise Schüler in der Schule von Vorfällen erzählen und dann noch die Mutter am Elternabend entsprechende Auffälligkeiten zeigt, dann reagieren die Lehrkräfte, weil sie sensibilisiert sind und wissen, an wen sie sich wenden müssen.»

Täter kamen aus ständiger Wohnbevölkerung

Aber nicht nur die Fälle von häuslicher Gewalt nahmen zu, sondern auch die Zahl der Sexualdelikte. 2015 waren es 66, 2016 93. Dies sei darauf zurückzuführen, dass es mehr Anzeigen wegen Nötigungen von Kindern, aber auch Exhibitionismus gegeben habe. Aufgrund von Ermittlungen sei es in einem Fall gelungen, fünf weitere Opfer eines Falles von sexuellen Handlungen an Kindern aus dem Jahr 2015 zu ermitteln, was sich auf die Statistik ausgewirkt hätte, so Armbruster. Die restliche Erhöhung liesse sich aber noch nicht erklären, da es sich nicht um Fälle von häuslicher Gewalt handle. «Und bei den acht aufgeklärten Fällen von sexueller Nötigung stammen, im Gegensatz zu einigen anderen Kantonen, die Täter aus der ständigen Wohnbevölkerung und nicht aus der Asylbewerberschaft.»

Im Bereich Wirtschaftskriminalität blieb die Zahl der Verfahren und Hausdurchsuchungsaktionen etwa auf Vorjahresniveau, was jedoch zunahm, ist die Anzahl von nationalen und internationalen Rechts- und Amtshilfegesuchen in diesem Bereich. Diese betrug 2015 noch 357, 2016 dann 416. «Wir erhalten viele Gesuche aus dem Schengen-Raum, etwa Domizilabklärungen. Da wir natürlich ein Wirtschaftsstandort mit vielen Firmen sind, haben wir auch immer mehr Anfragen», so Walker. Schwerpunkt der Polizeiarbeit im nächsten Jahr soll nebst der Einbruchsprävention neu der Bereich Cyberkriminalität sein.

Die Fälle von Cyberkriminalität seien letztes Jahr besonders stark angestiegen. Dazu findet auch nächsten Montagabend von 18.30 bis 20.30 Uhr eine öffentliche Informationsveranstaltung statt. Anmeldungen werden unter Telefon 041 728 41 14 angenommen.

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