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Dem Egli ist es wohl im Zugersee

Das Egli ist Fisch des Jahres 2019. Auch aus dem Zugersee werden vor allem Egli gezogen. Wie es ihnen und anderen Artgenossen im Hitzesommer 2018 ergangen ist, erzählt Albin Schmidhauser vom Amt für Wald und Wild.
Cornelia Bisch
Eglis im Netz. (Bild: Christof Borner-Keller (2013))

Eglis im Netz. (Bild: Christof Borner-Keller (2013))

Der beliebteste und am häufigsten gefangene Speisefisch der Schweiz, das Egli, wurde vom Schweizerischen Fischerei-Verband (SFV) zum Fisch des Jahres 2019 auserkoren. «Hobbyfischer fangen rund 100 Tonnen pro Jahr, Berufsfischer nochmals 250 Tonnen», schreibt der Verband. Die Nachfrage sei jedoch zehn Mal höher, was durch Importe und Aquakulturen ausgeglichen werde.

Auch aus dem Zugersee werden mit Abstand am meisten Egli gefischt. Es fühle sich sehr wohl darin, die Bestände seien gut, erklärt Albin Schmidhauser, Leiter des Kantonalen Amtes für Wald und Wild. «Die Hitze des vergangenen Sommers hat dem Egli und den übrigen Seefischen nichts anhaben können.»

Egli tauchen ab ins Kühle

Anders als in den Fliessgewässern (siehe Box), hätten die Seefische die Möglichkeit, in tiefere, kühlere und damit sauerstoffhaltigere Bereiche abzutauchen, sobald sich die oberste Wasserschicht zu sehr aufheize. «Starke Stürme können diese Schichten zwar durcheinander bringen, aber das verkraften die Fische in der Regel gut.» Und nach einiger Zeit bilden sich die Schichten erneut. Bedrohlichere Stürme sind im letzten Sommer gänzlich ausgeblieben. «Erst ab einer Tiefe von 60 Metern wird es mit dem Sauerstoff wieder etwas prekärer», so Schmidhauser. Dies, weil der See noch immer belastet ist durch Phosphate in Wasch- oder Düngemittel, die bis zum Bau von Kläranlagen ungereinigt in die Gewässer geleitet worden sind. Dem Zuger Rötel macht das bisweilen zu schaffen, weil er in einer Tiefe von 20 bis 60 Metern laicht und sich der Laich wegen des fehlenden Sauerstoffs nicht entwickeln kann. «Die Wassertemperaturen waren dieses Jahr im Oktober fürs Ablaichen des Zuger Rötels noch zu hoch», informiert Schmidhauser. «Erst ab Mitte November bezogen die Tiere die Laichplätze.» Die Berufsfischer fischten die geschlechtsreifen Tiere ab und brachten sie zum Abstreifen des Laichs in die Brutanstalt Walchwil.

Fischgerichte für Feinschmecker

Wer gerne ein feines Eglifilet verspeisen möchte, ist beispielsweise im Restaurant Aesch in Walchwil an der richtigen Adresse. «Wir haben bis zu 15 Fischgerichte auf der Karte», berichtet Geschäftsführer Daniel Hürlimann, der das Restaurant bereits in der fünften Generation führt. Egli gibt es beispielsweise nach Zugerart, pochiert in Weissweinrahmsauce mit speziellen Kräutern, oder schlicht in Butter gebraten. «Dazu reichen wir Kartoffeln oder Reis.»

Ungefähr ein Drittel der servierten Teller im Restaurant Aesch ist mit Fisch bestückt. «Einige Liebhaber kommen extra wegen der Fischgerichte zu uns.» Hürlimann versucht, wenn immer möglich einheimischen Fisch aus der Region zu servieren. «Wenn Egli einmal schwer zu bekommen ist, führen wir als Alternative immer auch Felchen, die ebenfalls sehr beliebt sind», erzählt der Wirt. «Aus dem Ausland beziehen wir Fisch nur im Notfall.»

Das Umquartieren ist heikel

Während des Hitzesommers 2018 führte das Zuger Amt für Wald und Wild insgesamt 12 Rettungsaktionen in 10 Bächen des Kantons durch. «Vor allem die Bachforelle war betroffen», berichtet Amtsleiter Albin Schmidhauser. Die Fische werden von jeweils einem Fischereiaufseher und zwei bis drei freiwilligen Helfern aus seichten, zu warmen und sauerstoffarmen Gewässerabschnitten in tiefere, kühlere umgesiedelt.

«Das bedeutet für die geschwächten Fische ein Riesenstress», erklärt Schmidhauser. Ausserdem müssten sie sich der neuen Umgebung anpassen und hätten Schwierigkeiten etwa bei der Futtersuche. «Auch die Konkurrenzsituation mit der angestammten Fischpopulation ist nicht leicht für die Neuankömmlinge.» Und es sei fraglich, ob die ökologische Tragbarkeit jeweils gegeben sei.

Keine Wirkungskontrollen

Wirkungskontrollen werden im Kanton Zug nicht vorgenommen. «Man könnte die Fische markieren. Das wird bei wissenschaftlichen Untersuchungen gemacht», erklärt Schmidhauser. «Hier handelte es sich aber um Notmassnahmen, die rasch durchgeführt werden mussten. Die Fische sind dann in der Regel geschwächt und dürfen nicht noch durch das Markieren weiter gestresst werden.»

Untersuchungen im Nachbarkanton Aargau führten zu ernüchternden Resultaten. «Dort prüfte man, wie der Fischbesatz reagiert, wenn Fische künstlich aufgezogen und dann ausgesetzt werden», erläutert Schmidhauser. «Man hat herausgefunden, dass das sehr schlecht funktioniert. Die Tiere haben nicht gelernt, Futter zu suchen oder sich vor Raubvögeln zu schützen.» Nach einem, zwei und drei Jahren wurden einzelne Flussabschnitte untersucht. «Man stellte fest, dass nur noch ganz wenige der mit Genmarkern gekennzeichneten Fische lebten. Mancherorts waren sie sogar ganz verschwunden.» Eine wichtige Erkenntnis hat das Zuger Amt für Wald und Wild jedoch aus den Untersuchungen anderer Kantone für die Brutanstalt Walchwil gewonnen. «Wenn wir wissen, woher der erwachsene Fisch stammt, setzen wir seine Jungen wieder in denselben Fliessgewässern oder an den Fangstellen im Zugersee aus.» Auf diese Weise erziele man die besten Resultate.

Existenzielle Gefahr durch Hitze

«Eine Häufung von Hitzesommern kann eine existenzielle Gefahr für die Fische bedeuten, vor allem in kleineren Fliessgewässern», warnt Schmidhauser. «Einerseits durch das Trockenfallen von Gewässerabschnitten oder ganzen Fliessgewässern, andererseits durch die erhöhten Wassertemperaturen.» Übersteigen diese die 20-Grad-Marke über einen längeren Zeitraum hinweg, verringert sich der Sauerstoffgehalt des Wassers. Dadurch werden die Lebensbedingungen vor allem für die Bachforelle und die Groppe kritisch. Eine Umquartierung der Tiere aus Flüssen in den See sei nicht ratsam, so der Fachmann weiter. «Die Lebensraumbedingungen eines Fliessgewässers unterscheiden sich deutlich von jenen des Sees. Ausserdem sollten die Rassen nicht gemischt werden. Das würde man nur im äussersten Notfall tun.»


Cornelia Bisch cornelia.bisch@zugerzeitung.ch

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