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Leserbrief

Dem Handwerkermangel begegnen

«Es fehlen rund 43000 Handwerkerinnen und Handwerker», «Zuger Zeitung» vom 3. September

«Es fehlen rund 43000 Handwerkerinnen und Handwerker», titelt Karen Umbach, Nationalratskandidatin der FDP, ihren «Standpunkt» in der Zuger Zeitung. Gespannt erwartet man Vorschläge, wie dieses gravierende Problem zu lösen wäre. Allein, es finden sich keine konkreten Vorstellungen, kurzfristig wird «kein Weg an einer vermehrten Anstellung ausländischer Fachkräfte vorbeiführen». Frau Umbachs Rezept: Handwerk sollte wieder und vermehrt Wert geschätzt werden, und Gymnasium und Berufslehre sind überall als gleichwertige Alternativen darzustellen. Glaubt sie wirklich, dass sich das Problem auf so simple Weise lösen lässt?

«Der Wähler will Inhalte», meint zurecht der Politberater Mark Balsiger in der Zuger Zeitung vom 3. September. Um die Berufslehre attraktiver zu machen, ist auf mehreren Ebenen anzusetzen. Hier einige Anregungen dazu. Die ausbildenden Firmen und ihre Berufsverbände wie auch die Berufsschulen haben in den letzten Jahren grosse Anstrengungen unternommen. Benötigen sie zum Beispiel vermehrt Unterstützung vom Bund, um die Herausforderungen der Digitalisierung zu meistern? Oder sind Massnahmen sinnvoll bei ungenügender schulischer Vorbildung der Lehrlinge, beispielsweise bei ernsthaften sprachlichen oder anderen Defiziten? Lehrlinge haben nur 5 bis 6 Wochen Ferien pro Jahr, gleichaltrige Schülerinnen und Schüler dagegen 13 Wochen. Eine Verbesserung für die Auszubildenden sollte diskutiert werden. Schliesslich: Für die Weiterbildung nach dem Lehrabschluss existiert ein grosses Angebot. Sollten die anspruchsvollen berufsbegleitenden Ausbildungsgänge an Höheren Fachschulen (sog. Tertiär B) nicht zu einem Bachelor-Abschluss («professional bachelor») führen?

2016 erwarben rund neun Prozent der Schulabgänger nach der obligatorischen Schule keinen Lehrabschluss oder ein anderes Diplom. Es ist kaum vorstellbar, wie jemand mit einem solchen Rucksack zukünftig 40 bis 45 Jahre lang berufstätig sein wird und vom daraus erzielten Einkommen leben kann.

Deshalb ist alles zu unternehmen, um die Anzahl dieser Personen möglichst gering zu halten, konkret sollte eine Halbierung in den nächsten fünf Jahren angestrebt werden. Dies erfordert eine individuelle Abklärung und Förderung wie auch ein dauerndes Coaching während der Ausbildung. Das kostet Geld, aber dafür sinken später die Kosten für die Sozialhilfe. Und es lindert erst noch den Mangel an qualifizierten Handwerkerinnen und Handwerkern. Es ist nämlich nicht so einfach, qualifizierte ausländische Fachleute in die Schweiz zu holen, tönt als Lösung einfach, ist es aber nicht.

Unsere Leute zählen weltweit zu den Besten, das kann ich – nach Aufenthalten in vielen Ländern – aus eigener Erfahrung nur bestätigen. Das duale Bildungssystem mit entsprechend guter Fachausbildung, wie wir es kennen, gibt es nur gerade noch in Deutschland und Österreich. Und zumindest Deutschland klagt ebenfalls über einen Fachkräftemangel.

Ich gehe mit Karen Umbach einig, dass es mehr gesellschaftliche Anerkennung und Wertschätzung der Handwerksarbeit braucht. Die Gesellschaft benötigt Ärztinnen, Lehrerinnen, Sanitärinstallateurinnen und Bäuerinnen. Jede und jeder hat einen wichtigen Platz im wirtschaftlichen und sozialen Gefüge der Schweiz.

Als ehemalige Berufsschul- und Kantonsschullehrerin bin ich überzeugt, dass eine unserer wichtigsten Aufgaben darin besteht, noch grössere Anstrengungen zu unternehmen, um allen jungen Leuten eine möglichst gute und ihren Fähigkeiten adäquate Ausbildung zu bieten.

Christina Bürgi Dellsperger, Nationalratskandidatin SP, Risch

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