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Dem Leiter des Zuger Forums Kirche und Wirtschaft geht es um Ethik und Werte

Seit zehn Jahren besteht das Forum Kirche und Wirtschaft. Leiter Christoph Balmer zieht eine positive Bilanz.
Monika Wegmann
Christoph Balmer leitet das Forum Kirche und Wirtschaft. Bild: Stefan Kaiser (Baar, 18. Juni 2019)

Christoph Balmer leitet das Forum Kirche und Wirtschaft. Bild: Stefan Kaiser (Baar, 18. Juni 2019)

Christoph Balmer ist zufrieden und strahlt dies sichtlich aus: «Unser Hauptziel ist erreicht. 
Es finden regelmässig Dialoge statt», sagt der Leiter des Forums Kirche und Wirtschaft in den Geschäftsräumen in Baar. Dort, an der Landhausstrasse 15, befindet sich die Fachstelle der Katholischen Kirche im Kanton Zug.

Inzwischen liegen zehn Jahre Aufbauarbeit hinter ihm. Heute finden dank dem Forum regelmässig Dialoge zwischen Menschen aus Wirtschaft, Kirche, Bildung und Politik statt, mit öffentlichen Veranstaltungen, mit Besichtigungen von Firmen und Beratungen. Bei den Begegnungen stehen jeweils ethische, wirtschafts- und gesellschaftspolitische Fragen im Fokus. Das Jubiläum bietet die Gelegenheit für ein Gespräch über seine Erfahrungen. Lassen sich christliches Gedankengut und wirtschaftliches Handeln verbinden? «Ja, wir können Impulse vermitteln. Es geht uns vor allem um Wertefragen», sagt Christoph Balmer, und er verweist als Beispiel auf die Veranstaltungen der Reihe «Wirtschaft und Werte – Orientierung und Perspektiven», die regelmässig mit renommierten Referenten im Kloster Kappel stattfinden. «Hier geht es beispielsweise um Themen wie Konflikt und Kommunikation, Ethik und Spitzensport, Umgang mit Zeit, Fairer Handel, Führung, Internet und Gott, ‹Fake News› und vieles mehr.»

Christoph Balmer weist darauf hin, dass inzwischen fast 3000 Besucher an den Anlässen teilgenommen haben: 40 Prozent seien regelmässige Teilnehmer. Sie kämen aus der Wirtschaft, von Kirchenbehörden (beider Konfessionen), aus der Regierung oder den Gemeinderäten, in erster Linie Entscheidungsträger. Zu denken gibt Balmer das Fehlen der Parlamentarier. Auch bei den Gewerkschaften bestehe wenig Interesse.

Gespräche 
mit Glencore

Die nächste Veranstaltung vom Forum im November wird sich mit einem heiklen Thema be­­fassen: den Menschenrechten 
in Konzernen. Und wie reagieren die Firmenchefs und Wirtschaftsvertreter auf die An­fragen Balmers? «Die meisten kommen gerne. Sie schätzen den Rahmen von ‹Kirche – Wirtschaft›, die spannenden Zusammensetzungen der Podien und die Möglichkeit, in diesem Umfeld ihre persönliche Meinung vertreten zu können.» Als positiv wertet Balmer, dass seit sechs Jahren regelmässig Gespräche zwischen Vertretern von Glencore und den Zuger Kirchen stattfinden. Dabei werden Themen wie etwa Menschenrechte, Lieferboykotte oder Strafzölle angesprochen, aber auch die lokalen Begebenheiten. «So will Glencore hören, was die sozialen Dienste der Kirchen machen und wie nötig sie sind. Wir zeigen auf, was für die Steuergelder, die sie zahlen, alles geleistet wird. Natürlich gibt es auch kritische Fragen.» Das Unternehmen sei in Baar ein wichtiger Arbeitgeber, und seine Mitarbeiter gingen hier zur Kirche. «Aber», so Balmer, «den politischen Teil rund um Glencore überlassen wir den NGOs und den grossen Hilfswerken. Wir agieren als örtliche Kirchen.»

Die Fachstelle organisiert zudem mit den Vertretern beider Kirchen regelmässig Betriebsbesichtigungen in der Region. Anfangs hätten sich die Kirchenleute zögerlich verhalten, bis man sich bewusst geworden sei, dass es hier wie dort ähnliche Themen gebe. «Und die Unternehmen sind manchmal überrascht, wie modern die Kirchenleute sind», hat Balmer festgestellt. Bereits seit 2011 besteht die von ihm und einem spirituellen Begleiter geleitete Gesprächsrunde von Frauen und Männern in Führungsfunktionen. Dort geht es um Arbeit und Verantwortung, Jobverlust, eigene Ressourcen, Kirche, Glaube, Ethik und mehr. Zu Balmers Aufgaben gehören auch Einzelberatungen von Führungspersonen: «Ich kann hier zuhören und vermitteln, mache aber nicht Sozialberatung oder Coaching.»

Christoph Balmer 
will weitermachen

Was hat sich in den zehn Jahren verändert? Balmer sagt: «Es hat ein Umdenken stattgefunden. Die Firmen setzen sich vermehrt mit Wertefragen auseinander. Und die Kirche ist als Partner etabliert. Das gehört zur Aufgabe der Fachstelle. Wir sorgen für positive Wirkungen, als Gegenpol zu den oft negativen Meldungen.» Früher habe es die Arbeiter-Seelsorge gegeben. Mit der Fachstelle konnte ein anderes Konzept entwickelt werden. So kann die Kirche von der Wirtschaft lernen – zum Beispiel Führung – und die Wirtschaft von der Kirche, etwa Ethik und Werte. «Dies geschieht, und zwar auf Augenhöhe.»

Christoph Balmer will und darf trotz seiner 65 Jahre weitermachen. Der ehemalige Buchhandelsunternehmer und bei mehreren Organisationen ehrenamtliche Networker ist voll motiviert und offen für Neues: «Ich habe hier einiges über Ethik und Kirchenfragen gelernt. Es ist ein beglückendes Arbeitsfeld, sehr spannend und anspruchsvoll.»

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