Dem Mondhorn ganz nah - im Museum für Urgeschichte(n) in Zug

Die Europäischen Archäologietage am vergangenen Sonntag haben Archäologie im Museum für Urgeschichte(n) erlebbar gemacht. Ein spannender Blick hinter die Kulissen.

Haymo Empl
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Seit 2010 finden in Frankreich jährlich die Nationalen Archäologietage statt. Sie haben zum Ziel, der Öffentlichkeit die Arbeitsweise der Archäologie näherzubringen. Zum zehnjährigen Bestehen wurde die Veranstaltung ausgeweitet: Auch die Schweiz hat teilgenommen, unter anderem das kantonale Museum für Urgeschichte(n) in Zug. Eine Institution, die seit 1930 mit dem Ziel besteht, die archäologischen Funde des Kantons Zug aufzubewahren und zu erforschen.

(Bild: stk)

(Bild: stk)

Das klingt nun ein bisschen staubig – und genau hier setzte das Museum an: Das Trio David Jecker, Simon Maier und Maria Ellend verstand es, Archäologie spannend, kompakt und äusserst charmant der interessierten Bevölkerung näherzubringen. Zusammen mit dem Team von Museumspädagogin Ursina Zweifel fand ein Parcours unter dem Motto «Ausgegraben» statt. «Mit viel Geduld wurde beispielsweise geforscht, und wer wollte, konnte gefundene Scherben wieder zu einem Gefäss zusammensetzen», so Ursina Zweifel.

Mysteriöser Gegenstand und faszinierende Schönheit

Was passiert eigentlich, nachdem von den Forschenden ein «altes» Stück Menschheitsgeschichte ausgegraben wurde? Genau diese Frage wollte man am vergangenen Sonntag mit den Führungen klären:

«Unser Anliegen war es, einen Einblick in die archäologische Arbeit im Kanton Zug geben zu können. Wir möchten gerne die Archäologie vor der eigenen Haustüre vorstellen und zeigen, wie spannend und vielfältig die Erforschung der Zuger Urgeschichte ist. Zudem sollte ein anderer Blickwinkel auf die Archäologie als der sonst übliche gezeigt werden»,

erklärte die Museumspädagogin Ursina Zweifel weiter.

Bei den verschiedenen Stationen wurden dann doch noch – so quasi en passant – spektakuläre Funde der letzten Dekaden gezeigt, unter anderem auch ein Mondhorn. Bis heute sei nicht wirklich geklärt, welchen Zweck der stierhornähnliche, in der Regel aus Ton hergestellte urgeschichtliche Gegenstand erfülle, so die Archäologen an der Führung. War es ein okkulter Gegenstand? Wurde das Mondhorn für die Astronomie eingesetzt? Oder war es einfach nur ein alltäglicher «Feuerbock»? Eines von vielen Beispielen an der Führung, welches zeigte, was für eine wichtige Rolle die Archäologie in der Kulturgeschichte der Menschheit spielt.

Resauratorin Maria Ellend zeigt Josy und Silvan Romer gereinigte Fundstücke. (Bilder: Stefan Kaiser, Zug, 16. Juni 2019)

Resauratorin Maria Ellend zeigt Josy und Silvan Romer gereinigte Fundstücke. (Bilder: Stefan Kaiser, Zug, 16. Juni 2019)

Die Archäologen David Jecker und Simon Maier verstanden es, ihre Begeisterung für ihren Beruf den Anwesenden zu vermitteln. Und bei Maria Ellend vom Fundlabor der Kantonsarchäologie Zug konnte man sich beim Blick im Mikroskop selbst überzeugen, was sich für eine faszinierende Welt auftun kann, wenn eine alte Brosche ihre mit viel Fingerspitzengefühl freigelegte Schönheit offenbart. Genau dies war auch eines der Hauptanliegen der Veranstalter: «Im Rahmen der Archäologietage in Europa wollten wir die Archäologie und nicht die Urgeschichte ins Zentrum des Nachmittags stellen», so Ursina Zweifel. «Es ging also weniger darum, (ur-)geschichtliche Inhalte zu vermitteln, das heisst, wie die Menschen beispielsweise in der Steinzeit gelebt haben. Sondern darum, zu zeigen, wie wir Archäologinnen und Archäologen zu unseren Erkenntnissen gelangen.» Dies ist dem kompetenten und einnehmendem Team auf jeden Fall gelungen.

Desiree (links) und Michèle Ringele absolvieren den Grabungsparcour.

Desiree (links) und Michèle Ringele absolvieren den Grabungsparcour.

Falls man das am Sonntag verpasste noch nachholen möchte: Der Parcours «AusgeGRABen» bleibt bis zum 20. Oktober im Museum. «Das Publikum kann sich also noch länger im Ausgraben und archäologischen Forschen üben», ergänzt Ursina Zweifel.