Leserbrief

Den Behörden geht es um das Wohl des Volks

«2021: Suchen wir gemeinsam nach Antworten», Ausgabe vom 4. Januar

Andreas Iten, Unterägeri
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Der Chefredaktor der «Zuger Zeitung», Harry Ziegler, hat einen bemerkenswerten Ausblick auf das 2021 geschrieben, und darin festgehalten, dass ein Riss durch die Gesellschaft geht. Dieser ist nicht allein durch die Coronakrise ausgelöst worden. Er schreibt: «Die Stimmung in der Gesellschaft wird stetig gehässiger und unversöhnlicher.» Für eine Demokratie ist dies sehr gefährlich. Es treten Covid-19-Leugner und Klimawandelleugner auf, die auf ihrer vorgefassten Meinung beharren. Beide Krisen aber sind wissenschaftlich erwiesene Tatsachen, und Tatsachen sind wahr.

Der Bundesrat wird von vielen Seiten angegriffen, sodass die Glaubwürdigkeit der Behörden schwindet. Die Parteien begegnen sich unversöhnlicher. Der Wandel des Klimas wird zu Lasten der Geldgier negiert. Dass es eine Wahrheit gibt, wird relativiert zu Gunsten der eigenen Meinung, und diese wird als Wahrheit ausgegeben. Meinungen ohne Bezug auf eine begründete Tatsache sind niemals wahr. Es herrscht eine gefährliche Tendenz, die Wahrheit zu bestreiten. Wahrheit wird zu Fake News umgedeutet. Alles sei relativ, wird gesagt, was in keiner Weise stimmt. Der Werterelativismus wird bemüht, um eigene Bewertungen zu rechtfertigen. Alle diese Strömungen führen zu einer Sabotage an der Demokratie, die auf Tatsachen beruht, die in der Verfassung und in Gesetzen niedergeschrieben sind. So lange sie gelten, sind sie Tatsachen.

Wegen fehlender oder auch kritisierbarer Massnahmen in der Pandemie werden Behörden und Fachautoritäten verunglimpft, nur weil sie Dinge fordern und anordnen, die den eigenen Vorstellungen widersprechen. Es wird so getan, als ob der Bundesrat nicht das Gute für die Gesellschaft wolle. Das aber ist ein unsinniger Gedanke, hinter dem eigene Interessen oder Glaubenssätze stehen. Sobald wir anfangen, den Behörden zu unterstellen, dass sie nicht mit bestem Wissen und Gewissen sich für das Gute in der Gesellschaft einsetzen, ist die Demokratie gefährdet und es kommt zu einem Verlust an Autorität, die sehr destruktiv wirkt.

Die Folgen sind nicht absehbar. Darum ist es das Gebot der Stunde, dass wir trotz berechtigter Kritik an gewissen Massnahmen der Behörden davon ausgehen, dass es ihnen um das Wohl des Volks geht. Ohne diese grundsätzliche Annahme wird der Riss in der Gesellschaft immer grösser und führt zu einer tiefen Entfremdung, die der Chefredaktor erwähnt.