Den Dingen auf den Grund gehen

«Alte Fesseln müssen endlich weg», Ausgabe vom 3. Juni

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Der Umstand, dass jemand persönliche Verluste erlitten hat, qualifiziert ihn nicht für das Amt des amerikanischen Präsidenten.

Wie der Autor selbst schreibt, verschanzte sich Joe Biden wochenlang in seinem Haus und redet schon seit längerem inkohärent. Seine Gedächtnislücken und verbalen Fehltritte sind peinlich. Der Autor selbst zitiert in seinem Kommentar eine solche Fehlleistung. Wo der Autor aber die «eigentlich besten Voraussetzungen» Bidens für die amerikanische Präsidentschaft ortet, ist mir schleierhaft.

Was ich als Leserin nicht brauche, sind «politisch korrekte» Klischees à la «noch ein alter weisser Mann, der ihnen sagt...» und emotionale Übertreibungen wie «Amerika... am Boden, gelähmt von Hass und Wut, halb erstickt...» etc.

Amerika ist ein grosses Land mit grossen Problemen. Statt sich einseitig zum Sprachrohr der amerikanischen Linken zu machen, könnte man diese Probleme sachlich und bitte genauer beleuchten.

Die Bilder und Kommentare über die Demonstrationen in Fernsehen und Presse vermitteln mir den Eindruck, dass es neben dem Problem Polizeigewalt vor allem um das Problem der amerikanischen Linken mit Trump geht.

Aus deren Perspektive aber berichtet auch diese Zeitung. Dass in Amerika 40 bis 45 Prozent der Bevölkerung Trump unterstützen, müsste jeden seriösen Journalisten veranlassen, die ideologischen Scheuklappen abzulegen, den Dingen auf den Grund zu gehen und auch andere Argumente anzuhören und zu prüfen. Jenseits von Artikeln über «vorwiegend friedliche Demonstranten» (die rein optisch eigentlich ziemlich erbost und aggressiv wirken) und «Rechtspopulisten» (der Begriff ist mittlerweile so negativ konnotiert, dass er nicht als neutrale Bezeichnung gelten kann) wäre die möglichst vorurteilsfreie Beleuchtung der Probleme, auch unter Einbezug von Fakten, die nicht ins persönliche Denkschema passen, ein echter Gewinn. Auch für unsere Gesellschaft, die zunehmend von Medienschaffenden informiert wird, die sich statt einer «kritischen» und «weltoffenen» einer weltverbesserischen Utopie verschrieben haben.

Dagmar Sutter, Oberägeri