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Den Gedanken freien Lauf lassen

Ein unscheinbarer Schriftzug am Alpenquai beschreibt einen Zustand, in den man hier leicht fallen kann. Das Kunstwerk definiert sich nicht durch seine Beschaffenheit, sondern durch die Bedeutung der Worte.
Andreas Faessler
Der Schriftzug von Andrea Wolfensberger am Seeufer gehört zum Kunstkonzept Rigiplatz. (Bild: Stefan Kaiser)

Der Schriftzug von Andrea Wolfensberger am Seeufer gehört zum Kunstkonzept Rigiplatz. (Bild: Stefan Kaiser)

Im Jahre 1990 sprach der Grosse Gemeinderat einen Kredit von 165 000 Franken für die künstlerische Gestaltung des Rigiplatzes, welche im Zuge dessen Sanierung umgesetzt werden sollte. Die Sanierung jedoch lehnte das Volk ab, also blieb es einzig bei der künstlerischen Gestaltung des ­beliebten Platzes. Das 1995 umgesetzte Konzept lieferte der Luzerner Künstler Anton Egloff. Es sah vor, dass vier Kunstschaffende – inklusive Egloff selbst – die geometrische Grundform des Platzes gegen je eine Himmelsrichtung hin durch skulpturale Intervention erweitern.

Die Idee der Erweiterung erlaubte es auch, die Grenzen des Rigiplatzes zu überschreiten. Diese Freiheit nutzte die Zürcher Künstlerin Andrea Wolfensberger mit ihrem Beitrag: Sie wählte für ihr Werk das Seeufer am Alpenquai bei der Schifflände. Sie liess hier eine schlichte Steinkonsole in die Quaimauer einlassen, auf der die Worte In Gedanken versunken eingemeisselt sind. Sie wolle damit die Leute abholen, wo diese gerade seien, erklärte die Künstlerin seinerzeit. Und die meisten seien wohl in Gedanken versunken, wenn sie hier sässen und auf den See hinausblickten. Selbstredend hat die freie Sicht auf einen See mit sanftem Horizont etwas Meditatives – es hilft, den Kopf frei für Gedanken jenseits des Alltages zu machen. Mit dieser Intention besteht das Kunstwerk von Andrea Wolfensberger nicht primär in seiner materiellen Beschaffenheit, sondern in der starken Aussage dreier simpler Worte und die durch sie angeregten Gedanken – über Gott und die Welt, über sich selbst, über Wichtiges, Belangloses ...

Stille Denkmäler

Nicht zuletzt steht das Wort «versunken» naturgemäss unmittelbar im Kontext mit dem See – und allem, was darin physisch versinken kann. Selbst Häuser; denn es gehörte ferner zum Gestaltungskonzept, dass die Kunstwerke, die sich auf den Rigiplatz beziehen, zugleich stille Denkmäler sind, welche an die Zuger Vorstadtkatastrophe von 1887 erinnern. Bei einem plötzlichen Ufereinbruch rutschten damals 35 Gebäude in den See, wobei 11 Menschen ihr Leben verloren. Ein grosser Gedenkstein auf der Achse vom Rigiplatz zu Wolfensbergers Kunstwerk erinnert an das Unglück.

Durch Witterungseinflüsse und Menschen, die sich hier hinsetzen oder drübergehen, wird der Schriftzug wohl irgendwann verblassen und nicht mehr lesbar sein. Seine Botschaft, die wohl eher als Feststellung verstanden werden kann, wird bleiben. Zu prädestiniert für Gedanken aller Art ist dieser beschauliche Ort am Seeufer – selbst wenn am Quai Hochbetrieb herrscht.

Hinweis

Mit «Hingeschaut» gehen wir wöchentlich Details mit kulturellem Hintergrund und Zuger Bezug nach.

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