Leserbrief
Den Glauben verloren

Zum Umgang der Kirche mit der Coronapandemie

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Karl Barth war der festen Überzeugung, dass Theologen eine gesellschaftspolitische Bedeutung haben. Ein Theologe muss sich zu gesellschaftspolitischen Fragen äussern. Virologen und Politiker sollten diese Pandemie nüchtern betrachten. Dass sie hierbei die Fakten negieren, ist ein anderes Thema, aber von der Kirche erwarte ich Mut zum Glauben. Man hat verlernt zu beten, zu hoffen und zu glauben, und ist der Irrlehre verfallen, dass wir alles im Griff haben könnten. Die Predigten dienten seit Jahrtausenden als Richtschnur. Ein guter Prediger plappert nicht der Obrigkeit nach, sondern ist kritisch und hinterfragt. Wer widerspruchslos akzeptiert, dass Weihwasser aus der Kirche entfernt, wer soll, der ist es nicht wert, so ein Amt zu bekleiden. Die ganze Diskussion um die Konzerninitiative zeigt, dass es der Kirche nicht guttut, von Steuereinnahmen abhängig zu sein. Eine echt gläubige Kirche muss sich sowohl von Rom als auch vom Staat lösen. Der Berner Schriftsteller Kurt Marti und die kürzlich verstorbenen Kirchenkritiker Uta Ranke-Heinemann und Hans Küng sind Beispiele für vorbildliche Theologen.

Das grösste Vorbild ist jedoch Jesu. Statt auszugrenzen und aus der Gesellschaft auszuschliessen, wie wir es heuer mit Covid-19-Infizierten machen, würde er sich ihrer annehmen. Und der Papst sollte nicht Werbung für Pharmakonzerne (Impfung) machen. Die Kirche hat ihren Glauben verloren.

Michel Ebinger, Rotkreuz