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Chamer Dorforiginal gibt Aufgabe als Abfallsammler ab

Den Güselsündern auf der Spur: 15 Jahre lang war Bruno Birrer in Cham als Abfallsammler unterwegs. Nun tritt der 76-Jährige kürzer. Sein Nachfolger heisst Dani Hausheer.
Rahel Hug
Vor fünf Jahren hat der Werkhof Bruno Birrer (links) das dreirädrige Elektromobil zur Verfügung gestellt. Nun dreht Dani Hausheer mit dem Gefährt seine Runden. (Bild: Rahel Hug, Cham, 3. September 2019)

Vor fünf Jahren hat der Werkhof Bruno Birrer (links) das dreirädrige Elektromobil zur Verfügung gestellt. Nun dreht Dani Hausheer mit dem Gefährt seine Runden. (Bild: Rahel Hug, Cham, 3. September 2019)

Bruno Birrer kennt man in Cham. Sei es als Fagottrohrbauer, als Ortsführer oder als Abfallsammler: Der 76-Jährige ist ein Tausendsassa und ein Dorforiginal. Doch auf dem Elektromobil mit drei Rädern, mit dem er seine Güsel-Sammelrunden drehte, wird er künftig nicht mehr zu sehen sein. Er hat seine Aufgabe als Sammler von allerlei Unrat in neue Hände gegeben. Nicht etwa, weil ihm die Arbeit keinen Spass mehr gemacht hätte. «Es ist das Alter», gibt er als Grund an.

Sein Nachfolger ist Dani Hausheer, der seit sechs Jahren für die Gemeinde Cham tätig ist. Die beiden sitzen im Pausenraum des Werkhofs an der Obermühlestrasse 25 und erzählen von ihren Erfahrungen. Bruno Birrer könnte mit all seinen Anekdoten ein ganzes Buch füllen. Vor ungefähr 15 Jahren hat er angefangen, abseits der Hauptstrassen und in den Chamer Wäldern Güsel aufzulesen – damals noch mit seinem Velo und einem Anhänger.

Ein Sack voller stinkender Muscheln

Sei es ein ganzer Berg Nespresso-Kapseln, Splitter von abgebrochenen Auto-Rückspiegeln, Kartons voller Käse und Bündnerfleisch, gebrauchte Kondome, ein Haufen Isolationsmaterial mitsamt Starkstromkabeln, Säcke voller Windeln oder gar ein komplettes Sofa: Birrer hat alles schon entdeckt.

«Im Frauentaler Wald gab es diesen notorischen Bierdosen-Entsorger», erzählt er. «Er stapelte seine Büchsen immer hinter dem gleichen Baum auf.» Mit ihm habe er eine Art Katz-und-Maus-Spiel gespielt. «Ich habe ein kleines Plakat aufgehängt, danach wählte er einen anderen Baum aus. Schliesslich habe ich seine Dosen an einem Draht aufgehängt.» Überführt wurde der Abfallsünder nie. Am Rand einer Kantonsstrasse hat Birrer einmal einen Sack voller Muscheln gefunden. «Das war ein fertig gekochtes, nicht gegessenes Muschelgericht. Meine Güte, hat das gestunken!»

«Man muss diese Aufgabe mit Humor angehen»

«Es ist unglaublich, was die Leute alles in die Natur werfen», sagt Birrer. «Ich bin nicht sicher, ob es zum Teil Unwissen ist, zum Teil aber auch Bösartigkeit oder einfach Egoismus.» Groll hat der leidenschaftliche Sammler in all den Jahren aber nie empfunden. «Man muss diese Aufgabe mit Humor angehen. Ich habe mich nie als Polizist aufgespielt.» So hat Birrer beispielsweise einen roten Damenslip, den er um die Weihnachtstage im Frauentaler Wald gefunden hat, mit ein paar Christbaumkugeln im Wald aufgehängt und schön drapiert. Als Birrer von den «Mc-Donalds-Spuren» zwischen Cham und Hagendorn erzählt, muss er lachen. «Zuerst entdeckt man jeweils das braune Säckli, dann die Verpackung des Hamburgers, schliesslich ein paar Meter weiter den Becher – und zum Schluss noch das Röhrli. Man sieht genau, wann welcher Teil verspeist wurde.»

Was hat den 76-Jährigen all die Jahre motiviert? «Die Leute mögen es, wenn es sauber ist», sagt er. «Und es dient der Gemeinde.» Mit dieser war das Einvernehmen stets gut. Vor fünf Jahren hat der Werkhof ihm das elektrische Fahrzeug zur Verfügung gestellt. «Ich habe immer dort gesammelt, wo die Leute vom Werkdienst nicht regelmässig hinkommen. Sie haben nämlich sonst schon genug zu tun.» Birrer bekam für die geleisteten Arbeitsstunden von der Gemeinde einen Stundenlohn. «Ich habe das alles freiwillig gemacht, aber nicht gratis», erklärt er schmunzelnd.

Die Geschichten, die hinter dem Abfall stecken

Dabei erledigte er stets mehr als nötig. Ausgerüstet mit einem Lappen und einem Kübel Wasser, reinigte er auch Gebäudetafeln oder Wegbeschilderungen, gab Fundgegenstände bei der Polizei ab oder schnitt Sträucher und Bäume zurück.

Dani Hausheer, der nun in die Fussstapfen von Birrer tritt, ist in Cham aufgewachsen und kennt seinen Vorgänger schon lange. «Ich freue mich auf die Aufgabe», sagt er. «Doch ich bin mir bewusst, dass ich kein einfaches Erbe antrete.» Er sei bereits darauf angesprochen worden, warum «der Bruno» es nicht mehr mache. «Er war und ist natürlich bekannt wie ein bunter Hund.» Doch auch Hausheer wird den Job mit Freude und dem nötigen Schalk ausüben. «Ich male mir jeweils aus, wie der Abfall genau an seinen Ort gekommen ist, und welche Geschichte dahinter steckt», erzählt er.

Zuvor war er bereits als «Allrounder» im Werkdienst tätig. Jetzt hat sich die Abteilung neu organisiert, sodass Hausheer auch die Sammeltouren in den Quartieren und etwas abseits übernehmen kann. Ihm ist es wichtig, für die Themen Abfall und Recycling zu sensibilisieren. Deshalb arbeite er gerne draussen und kommuniziere mit den Menschen. «Schon die Kinder sollen mitbekommen, was alles weggeworfen wird, und dass man fast alle Abfälle trennen und meistens sogar gratis im Ökihof abgeben kann.»

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