Die neue Hünenberger Gemeindepräsidentin Renate Huwyler möchte den Kurs beibehalten

Renate Huwyler (CVP) ist seit wenigen Tagen Gemeindepräsidentin. Die 49-Jährige steht einem Gemeinderat mit mehrheitlich neuen Mitgliedern vor. Am Einbezug der Bevölkerung soll sich gleichwohl nichts ändern.

Raphael Biermayr
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Renate Huwyler, hier auf dem Hünenberger Dorfplatz, hat sich zu Gunsten ihres neuen Amts aus dem Geschäftsleben zurückgezogen. (Bild: Stefan Kaiser (30. November 2018))

Renate Huwyler, hier auf dem Hünenberger Dorfplatz, hat sich zu Gunsten ihres neuen Amts aus dem Geschäftsleben zurückgezogen. (Bild: Stefan Kaiser (30. November 2018))

Wie war das genau mit dieser Rose? Neben all den mehr oder weniger staatsmännischen Fotos in unserer Zeitung nach dem Wahltag vom 7. Oktober stach das von Renate Huwyler heraus, der einzigen gewählten Frau in den Zuger Gemeindepräsidien. Die Blume habe sie an diesem Tag von ihrer Mutter geschenkt gekriegt, sagt Huwyler. Die Fotografin habe ihr geraten, etwas in der Hand zu halten – so kam die weisse Rose auf das Foto. Dieses Bild passt durchaus dazu, wie die 49-Jährige wahrgenommen werden will: als nahbar und herzlich.

Renate Huwyler ist die Wirkung nach aussen wichtig, vor allem in Bezug auf die Sichtbarkeit der Arbeit des Gemeinderates. Die CVP-Kandidatin vereinigte bei der Wahl mehr als doppelt so viele Stimmen wie der Zweitplatzierte auf sich. Als Gemeindepräsidentin will sie den Kurs des vormaligen Gemeinderats fortführen, was den engen Einbezug der Bevölkerung anbelangt. Das Wort «Mitwirkung» fällt häufig, als Huwyler im Hünenberger Gemeinderatszimmer von ihrer bisherigen Arbeit und von ihren künftigen Zielen erzählt. Sie sagt: «Ich arbeite für die Bevölkerung und will wissen, was die Meinungen der Bürger sind. Letztlich entscheiden sie ja an der Gemeindeversammlung über die Geschäfte.»

Davon stehen einige an: etwa die Zentrumsplanung, die Ortsplanung, die Überbauung Zythus oder die Aufwertung und Entwicklung der Industriegebiete Bösch und Moosmatt. Letztere soll mehr Firmen nach Hünenberg locken, wo kaum mehr freies Bauland für das Gewerbe verfügbar sei. Dies, «weil die entsprechenden Eigentümer das eingezonte Land nicht verkaufen respektive überbauen wollen», führt Huwyler aus. «Deshalb mussten wir schon Interessenten absagen.» Die Finanzfachfrau, die viele Jahre selbstständig im Immobilienbereich tätig war, sieht darüber hinaus Einnahmenpotenzial auf derzeit brachliegenden gemeindlichen Parzellen. So sei denkbar, dass in den Gebieten Maihölzli und Rony Wohnungen gebaut würden, deren Mieteinnahmen der Gemeinde zugutekommen würden. Diese Idee werde sie zur Beratung in den Gemeinderat einbringen.

Die Gemeindeteile nicht gegeneinander ausspielen

Die Bevölkerungszahl Hünenbergs liegt nahe an der 9000er-Marke. Dennoch propagiert der Gemeinderat bei jeder sich bietenden Gelegenheit den Dorfcharme. Klammert man sich da nicht an der Nostalgie fest? «Die Leute hier wollen keine Stadt, sondern den ländlichen Charme bewahren», ist Huwyler, die 1991 aus Sins über die Reuss zog, sicher. Wenn die Gemeindepräsidentin von Hünenberg spricht, meint sie stets die ganze Gemeinde. Allerdings hat sich gerade im Zuge des Wachstums der jüngeren Zeit herausgestellt, dass Dorf- und Seeteil nicht immer so harmonieren, wie das gerne verkauft wird.

Huwyler sagt, mit Ausnahme von Einzelnen sei die Identifikation der Einwohner mit der Gemeinde auf dem ganzen Gebiet hoch. Und überhaupt: «Man darf die beiden Teile nicht gegeneinander ausspielen, sondern soll das Miteinander betonen.» Das lebt sie mit einer ordentlichen Portion Symbolik vor: Huwyler wird für ihre Amtsantrittsansprache am Montag mit ihren Ratskollegen und Mitarbeitern auf den höchsten Punkt Hünenbergs, den Hubel, marschieren. Von dort überblickt man beide Gemeindeteile.

Im Gespräch zeichnet sie ihr Wunschbild einer grossen Hünenberger Familie, in der es möglichst offen und harmonisch zu- und hergeht. Die zweifache Mutter ist bereit, eine Menge Zeit und Arbeit zu investieren, «um für die Lösungen die erforderlichen Gespräche zu führen». Huwyler hat nach erfolgter Wahl die Geschäfte ihrem Mann übergeben. Sie wolle sich voll und ganz auf ihr neues Amt konzen­trieren, «zu hundert Prozent – wenn auch nur zu siebzig bezahlt», sagt sie lachend. Als sie anlässlich der Fasnacht 2010 zur Eiche-Zunft-Mutter erkoren wurde, erhielt sie das Prädikat «die Anpackende». Jenem will sie nun also auch in der (offiziellen) Dorfpolitik gerecht werden.

Gleich drei neue Gemeinderäte

Dem Gemeindepräsidium begegnet sie «mit viel Vorfreude sowie mit Respekt und Demut». Worin liegt nach ihrer Vorstellung der Unterschied zu einer «normalen» Gemeinderätin? «In der Verantwortung, die man übernimmt, und in der Zusammenarbeit mit dem Gemeinderatsteam», sagt sie sehr schnell. Unter anderem gilt es, die drei neuen Mitglieder mit der Ratsarbeit vertraut zu machen: Claudia Benninger Brun, Dany Gygli (beide FDP) und Hubert Schuler (SP). Deshalb gehe es zunächst darum, zu einem Team zusammenzuwachsen. Darüber hinaus hat die neu von Huwyler verantwortete Finanzabteilung einen neuen Leiter.

Bei den Ausführungen dieser Herausforderungen auf der menschlichen Ebene klingt sie wie ein Familienoberhaupt. Darauf angesprochen, denkt sie nach und sagt schliesslich: «Gar nicht mal so unsympathisch, dieser Ausdruck.»

Unsere Zeitung spricht in den ersten beiden Januarwochen mit Politikerinnen und Politikern, die 2019 eine neue oder zusätzliche Funktion übernehmen.