Leserbrief

Denkmalschutz mit dem Rasenmäher

Zur Abstimmung über das neue Denkmalschutzgesetz am 24. November im Kanton Zug

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Nur 2,2 Prozent aller Gebäude im Kanton Zug stünden unter Denkmalschutz, schreibt Peter Raimann in seinem Leserbrief und befürchtet eine Ausradierung der Geschichte. Die Zahl stimmt, nur werden da wirklich Äpfel mit Birnen verglichen. Angesichts der massiven Bautätigkeit der letzten Jahrzehnte kann ja bei einer Beurteilung des Ortsbildschutzes wirklich nicht vom aktuellen Bestand von rund 25000 Gebäuden ausgegangen werden. Massgeblich sind, wie auch von der Denkmalpflege so gehandhabt, die rund 11000 Gebäude mit Erstellungsjahr 1975 und früher.

Und da muss man feststellen, dass von diesen nicht weniger als 14 Prozent der Kategorie «Schützenswert» zugeteilt sind. Rechnet man dazu noch die 540 Objekte, die bereits unter Schutz stehen, dann kommt man auf rund 20 Prozent aller älteren Gebäude, die direkt oder potenziell unter die Fittiche des Denkmalschutzes gekommen sind. Das heisst jedes fünfte!

Ich betrachte dieses Verhältnis von 20 Prozent an sich schon als jenseits von Gut und Böse. Das ist Denkmalschutz mit dem Rasenmäher, und zwar, ohne dass die betroffenen Liegenschaftsbesitzer ein formelles Beschwerderecht haben. Dazu kommt aber noch ein weiteres: Jeder Besitzer eines schützenswerten Gebäudes ist nämlich verpflichtet, noch vor Einreichung eines materiell noch so kleinen Baugesuchs neben allen anderen Bewilligungsverfahren zusätzliche Abklärungen bei der Denkmalpflege vornehmen zu lassen.

Dass dies zu zusätzlichen Kosten, zu Terminverzögerungen und zu zusätzlicher Bürokratie führt, liegt auf der Hand. Faktisch handelt es sich um einen weiteren, rein auf Verwaltungsebene getroffenen systematischen Eingriff in die Eigentumsfreiheit von Liegenschaftsbesitzern und eine programmierte Aufblähung staatlicher Bürokratie. Dass das neue Denkmalschutzgesetz dies ändern will, ist nichts mehr als vernünftig.

Ulrich Bollmann, Oberwil