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Denkmaltage in Zug: Bunte Kirchenwände und Steinfiguren

Die Europäischen Tage des Denkmals am 14. und 15. September standen auch in Zug unter dem Motto Farben.
Dorotea Bitterli
Im Lapidarium unter der Kirche St. Michael stehen die Originalfiguren der St. Oswaldskirche. (Bild: Christian H. Hildebrand, Zug, 14. September 2019)

Im Lapidarium unter der Kirche St. Michael stehen die Originalfiguren der St. Oswaldskirche. (Bild: Christian H. Hildebrand, Zug, 14. September 2019)

Ein kleines Fünfergrüppchen vorwiegend älterer Menschen sitzt in den Kirchenbänken von St. Michael und betrachtet die grossen Fotografien, welche die ehemalige Kuratorin Mathilde Tobler zeigt. Es sind Teilansichten der Kirche: Die Frontwände über den weissen Haupt- und Seitenaltären sind in warmem Rot bemalt, die Seitenwände des Querschiffes umgeben ihre Rosen mit goldenem Ocker, und die Taufkapelle ist in dunkles Wasserblau getaucht. Die heutige Kirche aber ist – ganz weiss.

Die farbige Visualisierung auf den Bildern demonstriert, wie die Kirche St. Michael bei ihrer Einweihung am 5. Oktober 1902 ausgesehen haben mag: Die Harmonie der drei Grundfarben Rot, Gelb und Blau bewirkt ein unbeschreibliches Strahlen des gesamten Innenraumes. Die Grafikerin Regula Meier hat die von Beni Weiss aufgenommenen Fotografien mit jenen Farben eingefärbt, welche der Erbauer, Karl Moser, in den 1890-er Jahren gewollt hatte. Noch vorhandene Verträge mit damaligen Flachmalern dienten als Quelle.

Alles aus einer Hand

Karl Moser, von Corbusier «le père de l’architecture moderne en Suisse» genannt (der Vater der modernen Architektur in der Schweiz), folgte dem Credo der Einheitlichkeit: Architektur, Bildhauerei und Malerei an einem Bauwerk müssten von einer Hand geleitet sein.

Aus welchen Gründen wurde in den 1950-er Jahren diese ursprüngliche Farbenpracht übermalt; was tun wir, um das Wissen darum an die nächste Generation weiterzugeben? Um solche und ähnliche Fragen ging es an den Tagen des Denkmals 2019, an denen die Stadt Zug sich rege beteiligte. Die organisierten Rundgänge führten die interessierte Bevölkerung unter anderem zu Ferdinand Gehrs Malereien in der Kirche Bruder Klaus in Oberwil, in die renovierte Villa Hotz, in die Räume der Kantonsschulen Zug und Menzingen oder zu bunter Baukeramik im Fundus des Ziegeleimuseums. «Uns sind die Farben an früheren Bauwerken und Skulpturen oft nicht mehr bekannt. Wir glauben, dass sie immer so grau waren, wie wir sie erleben», erzählt Elisabeth Feiler, die heutige Kuratorin Kunst- und Kulturgut der Katholischen Kirche Zug. Die Kunsthistorikerin bestreitet an diesem Samstag zusammen mit Mathilde Tobler die Farbenspurensuche durch St. Michael. Sie führt die Besucher hinab in die «Katakomben» der Kirche zu steinernen, nicht ganz mannshohen Heiligenfiguren. Bei der Aussenrenovation von St. Oswald 1931-34 wurden diese Originalskulpturen durch Kopien ersetzt und nach längerer Odyssee im «Lapidarium» von St. Michael zu ihrem Schutz eingelagert. «Lapis bedeutet auf lateinisch Stein, und ein Lapidarium ist eine Sammlung von Steinbildwerken», erörtert Feiler. St. Oswald sei 1478 erbaut worden, und die spätmittelalterlichen Statuen seien noch polychrom (vielfarbig) erstellt worden. Nur seien mit der Zeit die Farben bis auf kleine Resten verwittert, so die Kuratorin. Und tatsächlich: St. Othmars Wangen schimmern rosig und das Andachtsbild der Hl. Anna weist am Kopftuchsaum sogar Spuren von Gold auf.

Im 16. Jahrhundert wurde St. Oswald zur Basilika erhoben, erhielt ein Gewölbe, und die neuen Stützpfeiler boten Nischen für weitere Figuren. Im Zeitalter der Renaissance war nun aber Polychromie verpönt. Und so wurden die Steingestalten der Heiligen Verena, Mauritius, Franz Xaver oder Barbara nie bemalt. Es fällt auf, dass ihnen Körperteile und Gesichtszüge fehlen – sie verwitterten schneller: Farbe war nicht nur Zier, sondern auch Schutz.

Die Katholische Kirchgemeinde der Stadt Zug bietet auch in Zukunft ähnliche Führungen an. Infos unter: www.zugkultur.ch

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