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DEPRESSION: Achtsamkeit schützt vor Leiden

Eine Tagung in Baar hat sich mit der psychischen Belastung der Generation 50 plus befasst. Besonders eindrücklich schildert ein Betroffener, wie er seine Lebenskrise überwunden hat.
Marco Morosoli
Wenn die Arbeit zu viel wird, kann dies zu einer Lebenskrise führen. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 23. März 2017))

Wenn die Arbeit zu viel wird, kann dies zu einer Lebenskrise führen. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 23. März 2017))

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung<span style="font-size: 0.9375em;">.ch</span>

«Ich war einer, der keine Probleme, nur Herausforderungen kannte. Ich habe mich nur über die Arbeit definiert. Daneben war kein Platz mehr für die Familie und die Freunde. Dann bin ich mit 200 Kilometern pro Stunde an die Wand gefahren», sagt Thomas Zeek. Der Manager schildert mit diesen Sätzen seinen Sturz in die Depression. Heute hat Zeek wieder Freude an der Arbeit, er hat gelernt, sich abzugrenzen, kann auch mal Nein sagen und arbeitet nicht mehr bis zur Erschöpfung. Sein Smartphone legt er auch mal für ein paar Stunden weg.

Über seine Lebenskrise sprach Thomas Zeek am Dienstag an einer Diskussionsrunde im Rahmen einer Fachtagung in Baar mit dem Thema «Lebenslast statt Lebenslust – Psychische Belastungen in der zweiten Lebenshälfte» frank und frei. Wohlwissend, dass Depressionen in breiten Bevölkerungskreisen heute immer noch ein Tabuthema sind. Das will die in Zug beheimatete Werner-Alfred-Selo-Stiftung ändern. Herrschende Vorurteile gegenüber der Depression sollen abgebaut werden. In ihrer diesjährigen Kampagne «Deine Psyche? Kein Tabu» liegt der Fokus auf der Generation 50 plus. Die sogenannten Babyboomer sind noch ohne Smartphone und andere technische Errungenschaften der Neuzeit aufgewachsen. Sie fühlen sich deshalb häufig abgehängt, gar nutzlos, weil jüngere Semester ihnen in dieser Hinsicht schnell einmal den Schneid abkaufen und bei Neuerungen agiler reagieren. Alles potenzielle Faktoren, um in eine tiefe Lebenskrise zu stürzen.

Depression ist keine «Charakterschwäche»

«Eine Depression kann jeden treffen. Es müssen nur die Umstände passen», sagte der Psychiater Peter Gabriel von der See­klinik in Brunnen. Es würden sich eher Frauen behandeln lassen, Männer neigen demgegenüber dazu, selber eine Lösung zu suchen. «Depression ist eine Krankheit und keine Charakterschwäche», ergänzte Marylou Selo. Sie hat die Stiftung gegründet. Sie hat ihren Vater, der an Depression litt und an ihr zerbrochen ist, durch Selbstmord verloren.

Ursache der Depression ist eine Nervenstoffwechselstörung im Gehirn. Die Konzentration von Nervenbotenstoffen wie Serotonin, Noradrenalin und Dopamin ist in Schieflage. Ursache ist in der Regel eine dauerhafte Überaktivierung des Stresshormonsystems. Eine Frau brachte es bei der Diskussionsrunde am Dienstag treffend auf den Punkt: «Ab dem 50. Altersjahr redet der Körper mit.» Auf dessen Signale gilt es zu achten, denn, so die Erkenntnis aus der Fachtagung, eine Depression kommt nicht von heute auf morgen. Sie übernimmt schleichend das Zepter beim betroffenen Individuum. Meist fängt es mit Schlafstörungen an und ufert in Erschöpfungszustände, Entscheidungsangst und Zweifel am Selbstwert aus. «Das System gerät aus dem Rhythmus», sagte der Psychiater Peter Gabriel. Jetzt sei Handeln angesagt. Das Problem sei, dass «nicht alle Menschen über den gleichen Kamm geschert werden können». Erschwerend komme hinzu, so Gabriel, «dass es für die Vorsorge meist kein Geld gibt». Fakt ist jedoch, so ist in einer Broschüre des ebenfalls in Zug beheimateten Vereins Equilibrium zu lesen, dass 80 Prozent der Behandlungen gegen Depression erfolgreich sind. Equilibrium hat sich zum Ziel gesetzt, bei der Bewältigung von Depressionen zu helfen. Damit Betroffene sukzessive wieder in den Arbeitsprozess eingegliedert werden können, ist aber auch der Arbeitgeber gefordert.

Einen vorbildlichen Weg eingeschlagen hat die V-Zug. Das Zuger Traditionsunternehmen verfügt über ein Gesundheitsmanagement. «Wir sind stolz, wie wir das machen», sagte Rolf Jenni. Er ist Leiter Personal bei der V-Zug. «Über Depression zu reden, soll zur Normalität werden.» Jenni sagt aber auch: «Für seine Gesundheit ist jeder selber verantwortlich.» Damit Arbeitnehmer in ihrem Pensum Auszeiten zur Erholung einplanen können, wird die V-Zug die Jahresarbeitszeit einführen.

Hinweis

Die Referate der Experten der Fachtagung können auf der Internet-Seite www.selofoundation.ch heruntergeladen werden.

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