Der 180-jährigen Scheune im Dietwiler Dorfkern droht der Abriss

In Dietwil sollte das Grossgebäude neuen Wohnraum bieten, doch mangelnde Kaufgebote stellen Gemeinderat vor grundsätzliche Fragen.

Eddy Schambron
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Das Vorprojekt zeigt, wie die alte Scheune in vier moderne Wohnbauten umgenutzt werden könnte.

Das Vorprojekt zeigt, wie die alte Scheune in vier moderne Wohnbauten umgenutzt werden könnte.

Visualisierung: PD

Der Gemeinderat Dietwil wird mit einer grundlegenden Entscheidung konfrontiert: Soll die seit 1842 das Dorfbild prägende Musegg-Scheune zum Abbruch freigegeben werden, um Platz für einen Ersatzbau zu machen? Der Rahmengestaltungsplan, welcher im November von den Stimmberechtigten als Teil einer Teilrevision der Nutzungsplanung für den Dorfkern genehmigt wurde, lässt dies zu – allerdings nur «wenn die Schutzfähigkeit nicht gegeben ist oder falls sich eine Umnutzung anhand einer fachlich nachvollziehbaren Machbarkeitsstudie aus funktionalen und wirtschaftlichen Gründen als nicht zumutbar erweist.» Abbruchbewilligungen können deshalb nur mit einem bewilligten Bauprojekt erteilt werden.

Die Frage ist nun, ob der Erhalt der Musegg-Scheune «nicht zumutbar» ist. Im Auftrag der Eigentümer, der Einfachen Gesellschaft Musegg in Finstersee ZG, haben die Eins zu Eins Architekten AG, Aarau, ein Vorprojekt ausgearbeitet, das die alte Hülle der Scheune für vier moderne Wohnbauten nutzt. Passgenau in das bestehende Gebälk eingefügt, würde die Scheune vier modernen, grossflächig verglasten Wohnbauten in Holzbauweise ein schützendes Dach bieten.

«Mit neuem Leben gefüllt, spielt die Scheune den Charme ihrer langen Geschichte aus und hält dem schnellen Wandel unserer Zeit standhaft entgegen», stellt dazu Architekt Stephan Bircher fest, der in den letzten Jahren an der Revision der Nutzungsplanung Siedlung in Dietwil mitgearbeitet hat und sie entsprechend kennt. Nur: «Seit Oktober 2019 ist das Projekt zum Verkauf auf dem Internet aufgeschaltet. Zwar stösst dieses auf Interesse, konkrete Kaufanfragen sind aber bis jetzt leider ausgeblieben», sagt er. Die Wohnhäuser würden zwischen 1,1 bis 1,4 Millionen Franken kosten.

Grosse Häuser wurden bislang nicht umgenutzt

Das Vorprojekt liegt jetzt auf dem Tisch des Gemeinderates. «Es ist das erste Projekt, das im Rahmen des Rahmengestaltungsplanes Dorfkern zu beurteilen ist», sagt Gemeindeschreiber Raphael Köpfli. Dem Gemeinderat sei bekannt, dass nach der Ausschreibung des Projektes «das Interesse relativ mager» ausgefallen sei. Er sei bestrebt, zusammen mit der Fachbaukommission Dorfkern und den Grundeigentümern relativ schnell zu einem Entscheid zu kommen.

Grosse Häuser im Dorfkern von Dietwil wurden in der Vergangenheit nicht umgenutzt, weil der Volumenschutz eine zu hohe Hürde darstellte – eine Situation, die auch in anderen Gemeinden bekannt ist. Zwischen 2013 und 2015 wurde nach einer Analyse das kommunale Konzept zur baulichen Entwicklung des Ortskerns entwickelt. Parallel zur Ausarbeitung des neuen Zonenreglements hat die Gemeinde schliesslich über den gesamten Bereich des Dorfkerns einen Rahmengestaltungsplan ausgearbeitet. Dieser hat im Aargau Pilotcharakter und wurde deshalb vom Kanton auch mit einem finanziellen Beitrag an die Planungskosten unterstützt.