Der Ausbildungschef der Armee setzt auf Frauen

Die Offiziersgesellschaft Zug feiert heuer ihr 175-jähriges Bestehen. An der Jubiläumsgeneralversammlung referierte der Ausbildungschef der Schweizer Armee und sprach sich dabei vehement gegen Vorurteile aus.

Charly Keiser
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Korpskommandant Daniel Baumgarter bei seinem Referat vor den Zuger Offizieren. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 17. Januar 2019))

Korpskommandant Daniel Baumgarter bei seinem Referat vor den Zuger Offizieren. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 17. Januar 2019))

Die Schweizer Armee geniesst im Kanton Zug einen grossen Rückhalt. Dies war am Donnerstagabend an der 175. Generalversammlung (GV) der Offiziersgesellschaft Zug (OGZ) im Theater Casino Zug unschwer zu erkennen. Nahm doch mit der höchsten Zugerin Monika Barmet, Nationalrat Thomas Aeschi, Stadtpräsident Karl Kobelt und den Regierungsräten Andreas Hostettler, Beat Villiger, Florian Weber und Heinz Tännler ein grosser Teil der Zuger Politprominenz an der Jubiläums-GV teil.

Die Versammlung stand ganz im Zeichen des Jubiläumsanlasses kommenden November, für den die Anwesenden Mitglieder den Betrag von 25000 Franken im Budget genehmigten. Auch alle anderen Traktanden wurden im Sinne des Vorstands einstimmig genehmigt, der unverändert für ein weiteres Jahr bestätigt wurde. Präsident Danilo Schwerzmann führte zügig durch die GV und stellt danach Gastreferent Daniel Baumgartner vor. Korpskommandant Baumgarter ist Chef Kommando Ausbildung der Schweizer Armee und hat die Weiterentwicklung der Armee (WEA) massgeblich geprägt und setzt diese nun an der Spitze um.

«Wir haben ihnen einen Marschbefehl geschickt»

«Ich finde es sehr sympathisch, dass Sie bei der Vorstellung ein altes Foto von mir genommen haben», begann Baumgartner und lächelte verschmitzt. Schnell wurde klar, was dem Ausbildungschef in «seiner Armee» wichtig ist. «Wir wollen im Kommando, das rund 2500 Mitarbeiter umfasst, so gut sein, dass die Leute zu uns in die Armee kommen wollen.» Er betonte, wie wertvoll und gut die Soldaten der Armee sind, und wies darauf hin, dass diese auch für die Schweiz von grösster Wichtigkeit seien. «So haben wir zum Beispiel auch in diesem Jahr 5000 unserer Leute am WEF in Davos im Einsatz.» Keiner der 5000 sei gefragt worden, ob er bereit sei, unter dem Einsatz seines Lebens, für die Sicherheit einzustehen. «Nein, wir haben ihnen einen Marschbefehl geschickt. Und wir haben auch nicht gefragt, ob sie mit geladenen Waffen dort sein wollen. Sie werden eine Schiesserlaubnis bekommen.» Es gebe nichts Unattraktiveres, als Wache zu schieben. Dort passiere nichts. «Doch warum passiert nichts? Weil unser Soldat dort steht. Und das zeigt die Sinnhaftigkeit der Wache.»

Daniel Baumgartner wehrte sich vehement gegen das oft gezeichnete Bild, die heutigen Rekruten seien Weicheier. Die Jungen wüssten heute viel mehr, als früher und seien durchaus fit und ausdauernd. Viele Soldaten würden ihren Dienst trotz Zivilschutzunterkunft freiwillig absolvieren. «Das sind alles andere als Weicheier.» Dass heute Bilder und Filme aus dem Militär in der Öffentlichkeit landen würden, sei den Smartphones geschuldet. «Wir hatten keine Handys und die Jungen müssen heute doch auch einmal einen Mist machen können. Wichtig ist, dass man dazu steht und davon etwas lernt. Wir müssen wegkommen von der Nullfehlerkultur.»

Überzeugt vom Frauenpotenzial

Das grösste Potenzial der Schweizer Armee läge bei den Frauen, sagte Baumgartner und wies auf die Überlegenheit gemischter Teams hin. «Ich bin überzeugt, dass wir einen Frauenanteil von zehn Prozent erreichen können», ergänzte er. Und diese für ihn realistische Zielsetzung habe bei ihrer Bekanntgabe eine grosse Hektik im Bundeshaus ausgelöst. Er sei sehr zufrieden mit der Umsetzung der WEA, seinen Mitarbeitern und den Soldaten.

Mehr als nur zufrieden zeigten sich nach dem Referat die Zuger Offiziere. «Das ist eines der besten Referate, das ich hier je gehört habe», sagte ein Oberleutnant stellvertretend.