Neuheims Bauverwalter der ersten Stunde geht in Pension

Nach 32 Jahren geht der dienstälteste Mitarbeiter der Neuheimer Verwaltung, Urs Inglin, in Pension.

Rahel Hug
Merken
Drucken
Teilen
Ende Juli ist Schluss: Bald wird Urs Inglin im Neuheimer Gemeindehaus (im Hintergrund) nicht mehr jeden Tag ein und aus gehen.Bild: Maria Schmid (24. Juli 2019)

Ende Juli ist Schluss: Bald wird Urs Inglin im Neuheimer Gemeindehaus (im Hintergrund) nicht mehr jeden Tag ein und aus gehen.Bild: Maria Schmid (24. Juli 2019)

Urs Inglin sitzt im grossen Sitzungszimmer des Neuheimer Gemeindehauses, hinter ihm hängt ein Bild der Moränenlandschaft an der Wand. Genau in diesem Raum fand vor 32 Jahren sein Vorstellungsgespräch statt. Am 2. November 1987 hat der gebürtige Schwyzer dann seine Stelle als Bausekretär angetreten. Inglin hat die Abteilung Bau und Planung aufgebaut und zu der gemacht, die sie heute ist. Er ist der dienstälteste Mitarbeiter in der Verwaltung. Per Ende September geht er in Pension, aufgrund von Ferien ist aber schon Ende Juli Schluss. Seit dem 1. Mai wird seine Nachfolgerin Anita Schedler eingearbeitet.

Bis zur Anstellung von Urs Inglin gab es in Neuheim gar keine Bauabteilung. Baugesuche wurden durch den Gemeindeschreiber bearbeitet. Inglin, der die Lehre als Tiefbauzeichner, die Technikerschule und schliesslich die Bauverwalterschule und verschiedene Weiterbildungen absolviert hatte, stand vor der Herausforderung, einen komplett neuen Bereich auf die Beine zu stellen. «Es war vieles Neuland», blickt er zurück. Ihm kam zu Gute, dass er zuvor bereits Erfahrungen in der Baukommission sammeln konnte. Zunächst galt es, sich einzulesen in alle möglichen Dokumente, in die Bauordnung und kantonalen Gesetze.

Telefon mit Drehscheibe und Schreibmaschine

Inglin erinnert sich gern an die alten Zeiten. «Ich hatte ein Telefon mit Drehscheibe und die Baubewilligungen wurden mit Schreibmaschine verfasst.» Im anfangs erwähnten Sitzungszimmer, das heute hell wirkt und mit einem Beamer ausgestattet ist, gab es früher einen Spannteppich und dunkle Holzwände. Inglin war der vierte Angestellte in der Gemeinde. «Vor mir gab es nur den Gemeindeschreiber und seine zwei Sekretärinnen.»

Urs Inglin hat seine Arbeit stets gern gemacht. «Kein Tag war wie der andere, die Aufgaben waren sehr vielseitig», stellt er zufrieden fest. Der Umstand, dass er bis heute keine Mitarbeiter hatte und alleine für das Bauwesen zuständig war, ermöglichte ihm zwar viel Freiheit bei der Gestaltung seiner Arbeitstage, sorgte aber auch für viele Überstunden. «Davon habe ich einige angehäuft», erzählt er mit einem Lachen.

Das erstaunt nicht, denn Neuheim ist in den letzten 30 Jahren stark gewachsen. 1987 lag die Bevölkerungszahl noch bei 1429. Heute zählt das Dorf 2255 Einwohner. Gefragt nach den baulichen Meilensteinen in seiner Zeit, kommen Urs Inglin viele in den Sinn. Da wäre etwa die Erweiterung der Abwasserreinigungsanlage (ARA) Tal in den Jahren 1996 und 1997. Und die Wasserversorgung, die in den 1990er-Jahren von der Dorfgenossenschaft an die Gemeinde ging.

Der Bau des Mehrzweckgebäudes Neuhof und der Truppenunterkunft 1993, der Bau der Lindenhalle und des Sportplatzes 2008 oder das neue Schulhaus Dorf II, das im vergangenen Herbst eingeweiht wurde. Auch zahlreiche private Bauvorhaben hat Urs Inglin begleitet: etwa die Arealbebauungen zwischen Dorf und Neuhof, Unterdorf oder Windenhof und die Bebauungspläne Sihlbrugg, Neuhof Süd und Zehnderhof. Wichtig für die Entwicklung des Dorfs seien auch die letzten beiden Ortsplanungsrevisionen gewesen: «Eine sehr spannende Aufgabe», wie Inglin findet.

Das Wachstum von Neuheim sei stets überschaubar geblieben, man habe viel dafür gemacht, dass auch die Infrastruktur mithalten und man damit der Bezeichnung «Familiendorf» gerecht werden konnte. «Die Politik hat in dieser Frage stets umsichtig entschieden», stellt Inglin fest. Dies gelte auch in Bezug auf ältere Gebäude. «Der Dorfkern in Neuheim ist historisch gewachsen und intakt. Ich finde es wichtig, dass bauliche Zeitzeugen erhalten bleiben.» Ein gelungenes Projekt ist für ihn der «Zehnder-
hof». Das 350 Jahre alte Bauernhaus im Dorfzentrum steht unter Denkmalschutz. Es blieb erhalten und wird inzwischen von Neubauten flankiert.

300 Sitzungen und 
1000 Baubewilligungen

Der 65-Jährige wohnt lediglich fünf Minuten zu Fuss vom Gemeindehaus entfernt. Die Trennung von Job und Privatleben ist ihm nie schwergefallen, wie er erzählt. «Klar, man muss mit Kritik umgehen können, früher wurde ich oft auf Projekte angesprochen.» Doch für den nötigen Abstand sorgten die Vereinstätigkeiten als langjähriger Präsident des SC Menzingen oder Mitglied des Tennisclubs Baar.

Nach der Zusammenarbeit mit sechs verschiedenen Gemeindepräsidenten, über 300 Sitzungen mit der Baukommission und der Erteilung von über 1000 Baubewilligungen ist für Urs Inglin jetzt Schluss. Er verlässt die Verwaltung mit einem speziellen Gefühl, wie er sagt. Einerseits sei er stolz, wenn er durchs Dorf gehe und feststelle, an wie vielen Projekten er mitgewirkt habe. Andererseits müsse es ihm auch gelingen, den nötigen Abstand zu gewinnen. Zum Glück habe er einige Hobbys, die ihm dabei helfen werden. Dazu gehören Wandern, Velofahren und Skifahren. «Und ich möchte die Platzreife im Golf erlangen», sagt Inglin und man merkt, dass er sich darauf freut.