Wie sich in Zug die moderne Telekommunikation entwickelte

Das Telegrafenbüro in Zug wurde 1853 in Betrieb genommen. 1919 wurden täglich rund 80 Telegramme übermittelt. Auch die ersten Telefonzentralen liessen nicht lange auf sich warten.

Rahel Hug
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Ein Beispiel für ein Telefon aus der «Belle Epoque» des Maschinenbaus.

Ein Beispiel für ein Telefon aus der «Belle Epoque» des Maschinenbaus.

Illustration: Oliver Marx

Weltweite Vernetzung, Datenaustausch, schnelle Nachrichtenübermittlung: Was heute dank Internet und Smartphone eine absolute Selbstverständlichkeit ist, nahm seinen Lauf in Zug in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Am 22. Februar 1852 wurde der Grundstein für die Errichtung von elektrischen Telegrafen im Kanton gelegt: mit einem Leistungsvertrag zwischen dem damaligen eidgenössischen Post- und Baudepartement und der Regierung des Kantons Zug. Fünf bis sieben Meter lang waren die hölzernen Stangen, zum Schutz gegen Fäulnis am unteren Ende angebrannt. Der Leitungsdraht bestand aus Eisendraht, die Isolatoren aus grünem Glas aus der Glashütte in Küssnacht am Rigi.

Das Telegrafenbüro in Zug wurde am 1. März 1853 im ehemaligen Postbüro in Betrieb genommen und auf der Linie Luzern–Airolo eingeschaltet. Zehn Jahre später tickte der Telegraf auch in Baar und Unterägeri. Das neue Angebot entsprach offensichtlich einem Bedürfnis: Bis Ende 1863 wurden in Baar 653, 1869 über 4000 Telegramme verarbeitet. Für die industrielle Entwicklung von Zug spricht die im Jahr 1919 erreichte Höchstzahl von 28996 Telegrammen, was einem Tagesdurchschnitt von 79 entspricht.

Das Bahnpersonal vertrug die «Stangenbriefe»

In Cham wurde der Telegraf mit dem Bau der Nordostbahn zur Tatsache: Auf der Telegrafenlinie Zürich–Luzern waren nämlich die Bahnstationen eingeschaltet. Das Personal vertrug die Depeschen, im Volksmund «Stangenbriefe» genannt, gegen einen Zuschlag von 50 Rappen. Im Februar 1885 wurde der Chamer Bahntelegraf umgewandelt in ein unabhängiges eidgenössisches Telegrafenbüro.

Die Entwicklung ging rasant vorwärts. Zum Telegrafen gesellte sich das Telefon, patentiert vom Briten Alexander Graham Bell im Jahr 1876. Als Hauptinitiant für die Einführung des Telefons in Zug gilt Stadtrat Albert Uttinger. Bereits 1891 konnte die erste Zentrale im Haus von Garnin-Stocker (später Schneidermeister Staub) eingerichtet werden. Den Bau der Netze Zürich–Zug, Zug–Arth und Zug–Luzern im Jahr 1892 führte das Telefonamt Zürich aus; der Verkehr begann mit 53 Teilnehmern. Danach wurden die Umschaltstationen Baar, Cham und Rigi-Klösterli gebaut, später wurden Menzingen und Unterägeri angeschlossen.

Multipel-Schaltung nach dem Ersten Weltkrieg

Mehr Teilnehmer, mehr Leitungen in den Stationen: Um eine bessere Sprechqualität zu erreichen, beschloss die Verwaltung bald die rasche Verkabelung und den Ersatz der bisher an Erde gelegten Rückleiter durch metallene. Mit der Betriebsaufnahme der elektrischen Strassenbahnen im Kanton Zug war die schnelle Verkabelung auch in den Gemeinden Ägeri, Menzingen und Baar möglich.

Im neuen Postgebäude in Zug, mit dem Bau wurde 1900 begonnen, kamen die Post, der Telegraf und das Telefon unter. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Multipel-Schaltung eingeführt – jetzt konnte jeder Anruf von mehreren Telefonistinnen und an verschiedenen Arbeitsplätzen bearbeitet werden. Erst Mitte der 1930er-Jahre wurde der manuelle Telefonbetrieb durch den automatischen ersetzt und brachte damit die ununterbrochene Dienstbereitschaft. 1945 wurde das Amt Zug an das Fernmeldeamt Luzern angeschlossen.

Telegrafie: Ein vergessener Pionier aus Zug

In Sachen Telegrafentechnologie darf Zug auf einen vergessenen Pionier stolz sein. Der Uhrmacher und Telegrafentechniker Jakob Karl Kaiser, geboren 1812, beteiligte sich im Frühjahr 1852 wesentlich an der Einrichtung der Telegrafenwerkstätte in Bern. Als Inspektor des Telegrafenkreises St.Gallen galt er als einer der führenden Telegrafenbeamten. Dass Kaiser den grössten Teil seines Lebens ausserhalb des Kantons verbrachte, ist womöglich einer der Hauptgründe, warum sein Name in der engeren Heimat vergessen ging.

Die Serie «Zuger Gewerbe-Geschichte(n)» setzt sich mit Themen aus der wirtschaftlichen Vergangenheit auseinander. Hier lesen Sie von den Anfängen der Nachrichtenübermittlung (12/12). Mit diesem Beitrag endet die Serie. Quelle: Seltene Berufe und Menschen im Zugerland, Hermann Steiner, 1984.