Interview

Der Betreiber der Zwischennutzung Freiruum in Zug: «Die Erwartungen an uns sind gross»

Der tägliche Publikumsaufmarsch im Zwischennutzungsprojekt «Freiruum» ist viermal grösser als erwartet. Ein Erfolg, der die Macher dahinter aber auch vor neue Herausforderungen stellt. Ein Gespräch mit Betriebsleiter Markus Kragler.

Andreas Faessler
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«Freiruum»-Betriebsleiter Markus Kragler ist sehr zufrieden mit der bisherigen Entwicklung des Zwischennutzungs-Projektes auf dem Zuger Siemens-Areal.

«Freiruum»-Betriebsleiter Markus Kragler ist sehr zufrieden mit der bisherigen Entwicklung des Zwischennutzungs-Projektes auf dem Zuger Siemens-Areal.

Bild: Patrick Hürlimann (Zug, 20. Dezember 2019)

Der «Freiruum» in Zug, eines der aktuell grössten Zwischennutzungsprojekte der Schweiz, ist seit Ende Juli 2019 in Betrieb. Zum Jahreswechsel steht uns der Betriebsleiter Markus Kragler Rede und Antwort, wie das grosse Unterfangen gestartet ist, wie es sich bisher entwickelt hat und was man im neuen Jahr ins Auge fasst.

Wir sitzen hier mitten im «Freiruum». Es ist Nachmittag und viel los. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie jetzt Ihren Blick durch die Halle schweifen lassen?

Markus Kragler: Es bereitet mir Glücksgefühle, würde ich sagen. Wir haben unser Ziel erreicht: einen Ort zu schaffen in Zug für Zug, einen Ort der Begegnung und Berührung, wo nicht der Kommerz im Vordergrund steht, und wo man sich uneingeschränkt aufhalten kann ohne jegliche Pflichten.

Wie zufrieden sind Sie mit der bisherigen Entwicklung des «Freiruum»-Projekts?

Sehr! Es freut uns riesig, dass das Ganze so gut aufgenommen worden ist und wird. Die Durchmischung ist sehr ausgeprägt, und doch spürt man einen engen Zusammenhalt innerhalb des Publikums. Ich denke, das ist etwas, das die Zuger sehr schätzen. Wir hatten anfangs hauptsächlich auf die Mittagsstunden gesetzt, wenn der Andrang erwartungsgemäss am grössten ist. Aber es hat sich schnell gezeigt, dass es die Menschen nicht nur zum Lunch hierherzieht. Sie sehen ja, wie gut besucht die Halle auch jetzt ist.

Waren Sie von der ersten Minute an überzeugt, dass die ambitiöse Idee des «Freiruums» umsetzbar ist?

Ich für mich hatte nur einen einzigen Moment des Zweifels. Nämlich dann, als ich zum ersten Mal in der riesigen leeren Halle stand und dachte: «Meine Güte, wie füllen wir diesen Raum nur?» Als das Ganze aber schnell Gestalt anzunehmen begann, waren diese Bedenken schnell verschwunden.

Und jetzt läuft der Karren so richtig. Haben Sie bei den Zugern mit dem «Freiruum» einen Nerv getroffen?

Ja, davon bin ich überzeugt. Und zwar nicht nur, was die Gastronomie betrifft, sondern auch mit unserem Angebot im Sportbereich. Wir erhalten viele – vor allem positive – Rückmeldungen, oft via Mail. Es gibt viel Zuspruch und zahlreiche Inputs. Da ist auch schon mal von einem «Meilenstein für Zug» die Rede. Es sieht aus, als hätte der «Freiruum» eine Art Lücke geschlossen in Zug. Es ist halt ein Ort für alle, ob Jung oder Alt, für Businessleute oder auch Familien. Neu haben wir übrigens einen Kinderwagenparkplatz – in der Halle.

Ist man bisher jemals mit Beschwerden konfrontiert worden?

Es gab ganz am Anfang einige Probleme mit Geruchsemissionen in der Halle. Es hatten nicht alle Gastro-Stände ein eigenes Abluftsystem. So trugen die Besucher zuweilen unerwünschte Essensgerüche in den Kleidern mit, was uns auch entsprechend rückgemeldet wurde. Wir liessen darauf jeden einzelnen Stand an die Abluft anschliessen und haben heute messbar 96 Prozent saubere Luft in der Halle. Ferner ist eine Beschwerde zu erwähnen vom angrenzenden Wohnhaus an der Aabachstrasse. Dies aufgrund des Geräuschpegels spätabends nach einem geschlossenen Anlass. Wir haben den Austausch mit der anderen Partei gesucht. Abgesehen davon haben wir bis anhin keine weiteren Beschwerden und Reklamationen erhalten.

Womit beschäftigen Sie und Ihr Team sich aktuell?

Nachdem der «Freiruum» nun soweit in Fahrt gekommen ist und gut läuft, investieren wir unsere freigewordene Zeit hauptsächlich in Optimierung und Verbesserung, wo nötig. Wir besprechen und analysieren diverse Prozesse, bündeln unser gewonnenes Wissen. Vor allem mit Blick auf neue Jahr. Geplant ist unter anderem ein weiterer Gastro-Stand, um den Mittagsrun noch besser abzufangen, damit die arbeitenden Leute über die Mittagszeit möglichst wenige Zeit durch Warten einbüssen. Auch temporäre, mobile Stände kommen dafür in Frage. Am Event-Angebot schleifen wir auch permanent, denn seit dem grossen «Wow» zu Beginn sind die Erwartungen an uns entsprechend gross.

Es sitzen im Moment viele Leute mit ihren Computern an den Tischen.

Ja, viele finden den Weg zu uns, um zu arbeiten. Die Nachfrage nach Plätzen in unserem Officebereich ist gestiegen. Dem können wir gerecht werden: Das OfficeLab hat nun einen 600 Quadratmeter grossen Raum direkt neben der Halle dazu gemietet. In Zusammenarbeit mit dem «Freiruum» können Interessierte hier zu günstigen Konditionen Arbeitsplätze mieten. Grundsätzlich möchten wir alle Leute, die zu uns kommen, bei Laune halten, uns ihren Bedürfnissen anpassen und spannend bleiben mit immer neuen Ideen.

Klingt nach einer ziemlich anspruchsvollen Aufgabe.

Es bedeutet tatsächlich ein gewisser Druck aufs ganze Team, denn die Erwartungshaltung des Publikums ist – wie gesagt – gross. Das ist natürlich ein sehr positives Zeichen und spricht auch für unser Konzept, aber es ist nicht immer ganz einfach. Man stelle sich vor: Anfangs haben wir mit durchschnittlich 500 Besuchern pro Tag gerechnet. Tatsächlich sind es aber um die 2000. Damit waren wir kurzfristig überfordert, konnten uns dann aber schnell arrangieren und das Ganze am Laufen halten. Bis zum Ende des Jahres 2019 haben wir insgesamt über 360000 Besucherinnen und Besucher gezählt.

Markus Kragler (1986), in Augsburg aufgewachsen, lebt seit 14 Jahren in der Schweiz. Seit Anbeginn in der Event-/Marketingbranche tätig, hat er sich in den vergangenen 8 Jahren in der Erlebnisgastronomie ein zweites Standbein aufgebaut. Kragler lebt mit seiner Frau in Einsiedeln.