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Hingeschaut: Der Zuger Blumentrog mit dem gewissen Etwas

Das klobige Betonobjekt «Château Mûre» mag nicht für jedermann eine Verschönerung des Bundesplatzes darstellen. Seinen Zweck erfüllt die Skulptur durch das Anregen eines Diskurses.
Andreas Faessler
Wenn Grau in Grau einen tieferen Sinn erhält: «Château Mûre» am Rande des Bundesplatzes. (Bild: Andreas Faessler, Zug, 21. März 2019)

Wenn Grau in Grau einen tieferen Sinn erhält: «Château Mûre» am Rande des Bundesplatzes. (Bild: Andreas Faessler, Zug, 21. März 2019)

Es fiel und fällt wohl vielen schwer, das Betonobjekt am Rande des Bundesplatzes als Kunst im öffentlichen Raum wahrzunehmen. Sollte man den städtebaulich wenig spektakulären Platz nicht mit etwas Augenfälligerem anreichern? Etwas, das den farblosen Raum mit Farbe füllt? Es sollte doch besser Einfälle geben, als ein Asphaltfeld mit Beton zu schmücken. Aber: Hier zählt nicht vorderhand die ästhetische Komponente, wie wir gleich erfahren.

Das Pflanzenbehältnis aus Beton stammt vom Zürcher Künstler Martin Chramosta (*1982). Es trägt den Titel «Château Mûre» und ist hier 2014 als Teil des Zuger Kunstprojektes «Herrliche Zeiten» platziert worden – voraussichtlich temporär. Die archaische, formal schlichte Konzeption des Objektes, welches stilistisch der Art brut zugeordnet werden kann, fasst die gradlinige, mehrheitlich streng proportionierte Architektur der den Platz umgebenden Verbauung auf. Auf vier verhältnismässig schlanken Beinen formiert sich ein würfelförmiger, scharfkantiger Korpus mit zinnenartigen Teilüberhöhungen, welche die Bauweise mittelaltericher Burgen aufgreifen. Die vier Seiten des Troges erscheinen wie zusammengesetzte 3D-Puzzleteile.

Blühendes Allgemeingut

Im Grunde erfüllt «Château Mûre» den Zweck eines Blumentroges. Und hier nähern wir uns auch der Absicht, auf die Martin Chramosta abzielt: den Diskurs um die Nutzung eines öffentlichen Raums durch die Bevölkerung anzuregen, denn die Betonskulptur ist Behältnis für ein Allgemeingut, das für jedermann gedacht ist. Im Inneren des Troges nämlich ist eine Brombeerstaude gepflanzt. Wenn diese während der warmen Sommermonate blüht, darf sich jeder daran gütlich tun – die Beeren gehören allen. Neben diesem «Dienst» an der Allgemeinheit verbildlicht «Château Mûre» die bereits erwähnte mittelalterliche Burg. Mit der über die Kanten ragenden Brombeerstaude stellt der Blumentrog eine überwucherte Burgruine dar, freilich in einer modern adaptierten, urbanen Architektursprache.

Wohl lässt sich das Erscheinungsbild des Bundesplatzes mit diesem Zusammenspiel von Asphalt und Beton nicht schöner reden, als es ist. Aber mit dem Gedanken des Künstlers im Hinterkopf lohnt sich eine stille Auseinandersetzung mit dem Objekt durchaus.

Mit «Hingeschaut» gehen wir wöchentlich Fundstücken mit kulturellem Hintergrund und Zuger Bezug nach.

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