Interview

Der Chef des Zuger Führungsstabs sagt: «Wir wissen, wer Covid-19-Patient ist»

Der Steinhauser Urs Marti (59) ist in diesen Tagen die Drehscheibe, wenn es um Koordinationsaufgaben im Zusammenhang mit dem Coronavirus geht.

Zoe Gwerder
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Der Stabschef Urs Marti.

Der Stabschef Urs Marti.

Bild: Maria Schmid

Seit Ende Februar unterstützt der kantonale Führungsstab die Regierung in der Bewältigung der Coronakrise. Derzeit aufgeboten sind Vertreter der Polizei, des Zivilschutzes, der Verwaltung und der Gerichte, der Schule, des Amts für Wirtschaft und Arbeit sowie der Kantonsarzt und eine juristische Vertretung. Geführt wird der Stab von Urs Marti, Leiter und Chef kantonaler Führungsstab von der Stabsstelle Notorganisation des Kantons Zug. Der 59-jährige Steinhauser nimmt Stellung zu den Aufgaben des Stabs.

Ein Führungsstab kommt bei Unwettern und Ähnlichem zum Einsatz. Waren Sie und der Stab auch auf eine Virusbedrohung vorbereitet?

Urs Marti: Den Pandemieplan, mit welchem wir derzeit arbeiten, haben der Kantonsarzt und ich gemeinsam mit dem damaligen Gesundheitsdirektor Joachim Eder 2009 komplett überarbeitet. Damals bearbeiteten wir die Schweinegrippe-Pandemie, welche glücklicherweise milde verlief.

Inzwischen gibt es klare Vorgaben des Bundes, wie nahe sich die Menschen noch kommen dürfen. Kann ein Stab mit dieser Zwei-Meter-Regelung überhaupt noch normal funktionieren?

Das ist tatsächlich ein Problem. Unsere Sitzungen finden deshalb nicht mehr in den eigentlich dafür vorgesehenen Räumen statt. Diese wären bei der Zuger Polizei, wo auch die Führungsräume der Polizei liegen. Um nun jedoch die Abstände untereinander einzuhalten, finden unserer Sitzungen im grossen Saal im Erdgeschoss der Zuger Polizei statt. Und diese Woche haben wir nun auch das erste Mal eine Sitzung über Skype abgehalten.

Wurde diese Möglichkeit im Hinblick auf diese Pandemie eingerichtet?

Nein, es war wohl einfach Glück: Im Februar 2020 sind bei der kantonalen Verwaltung Zug auch die letzten Ämter in Sachen Informatik neu ausgerüstet worden. So können wir nun Telearbeit betreiben und auch problemlos Telefonkonferenzen durchführen. Dies wäre zuvor wohl nicht so einfach möglich gewesen.

Die Vorbereitungen und Lagebeurteilungen im Kanton Zug laufen auf Hochtouren. Wie kann man sich die Arbeit des Führungsstabes vorstellen?

Wir haben dreimal pro Woche eine Sitzung, jeweils im Abstand von zwei Tagen – ausser am Wochenende. Der Ablauf hierbei ist klar strukturiert. Als Erstes tauschen wir uns über den aktuellen Stand aus. Jeder berichtet hierbei aus seinem Fachbereich: Wie geht es der Wirtschaft? Wie verhält sich die Bevölkerung? Was sind die häufigsten Fragen bei der Hotline? Aber natürlich auch: Wie läuft es in den Spitälern und bei den Ärzten?

Werden auch Prognosen erstellt?

Es wird von jedem Fachbereich dargelegt, wie sich die Lage weiter entwickeln könnte.

Auf welcher Datengrundlage arbeitet der Stab?

Aus den Daten von den Spitälern und Arztpraxen erstelle ich täglich am Morgen ein neues Bulletin. Dieses geht auch an den Bund. Wir wissen zudem, wer Covid-19-Patient ist, wer im Spital liegt und wer sich in Quarantäne befindet. Zudem gibt es ein System, in welchem der aktuelle Lagerbestand an Schutzmaterial erfasst wird. So können wir parallel neue Kontingente an Schutzmaterial auslösen, welches später von uns auf die Arztpraxen und Spitäler verteilt wird.

Kann der Führungsstab Entscheidungen fällen?

Derzeit sind wir beratend und koordinierend im Einsatz. Müssen Entscheide gefällt werden, stellen wir entsprechende Anträge an die zuständige Direktion, die Regierungsratsdelegation oder an den Regierungsrat. Diese entscheiden.