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Der Erfolg steht noch aus

Die dritte Etappe der kantonalen Schutzmassnahmen gegen den Schilfrückgang ist im Gang. Doch dieser sei geradezu dramatisch. Es ist deshalb ein Kampf, der anscheinend schwer zu gewinnen ist.
Raphael Biermayr
Mit mehreren Massnahmen versucht der Kanton, den Schilfrückgang im Zugersee zu verhindern: Ein Zaun soll Graugänse fernhalten. (Bild: Stefan Kaiser (25. Juli 2018))

Mit mehreren Massnahmen versucht der Kanton, den Schilfrückgang im Zugersee zu verhindern: Ein Zaun soll Graugänse fernhalten. (Bild: Stefan Kaiser (25. Juli 2018))

Der Feind bildet das Empfangskomitee, als das Metallboot im Gebiet Zweiern Halt macht. Urs Kempf, der Leiter der Abteilung Wasserbau und baulicher Gewässerschutz im kantonalen Tiefbauamt, hat hierher geladen, um die Bemühungen seines Teams zu veranschaulichen, den Rückgang des Schilfbestands im Wasser zu stoppen beziehungsweise an manchen Stellen überhaupt wieder für welchen zu sorgen.

Der Feind, das sind die Graugänse, die die ersten Triebe der «Röhrengewächse» im Frühling fressen und sie so stark schwächen. Zwar ist der Schilfgürtel vor dem Westufer des Zugersees schon vor der starken Ausbreitung der Vögel vor 15 Jahren stets zurückgegangen. Doch seither sei es geradezu dramatisch, sagt Urs Kempf. «Wir mussten wieder von vorn beginnen», führt er aus. Vor den Gebieten Zweiern, Freudenberg und Dersbach ist der Schwund besonders stark. Gegenwärtig wird der Eindruck durch den tiefen Wasserstand noch verstärkt. Wie es mal aussah, zeigt sich an Land, wo mitunter dichte Schilfwälder stehen.

Es fehlt an Erfahrungswerten

Warum die Graugänse sich mit Vorliebe über die Pflanzen im Wasser hermachen? Es ist eines von vielen Rätseln, mit denen sich Kempf und sein Team konfrontiert sehen. Sie wissen nicht einmal, ob ihre Arbeit letztlich von Erfolg gekrönt sein wird. Denn einerseits benötigt das grossflächige Wachstum des Schilfs eine lange Zeit. Andererseits gibt es keinerlei Erfahrungswerte. Vieles, was am Zugersee unternommen wird, sei gemäss Kempf schweizweit einzigartig. Dies, weil auch die Voraussetzungen beispiellos seien: Wegen der einst hohen Verunreinigung durch Abwasser und Landwirtschaft sowie des langsamen Wasseraustauschs bildeten sich im See Algenteppiche. Diese setzten den Schilfpflanzen ebenso zu wie der aus den abgestorbenen Algen entstehende Faulschlamm. Der Kanton hat mehrere Schutzmassnahmen getroffen. Zum einen werden Wälle aus insgesamt mehreren tausend Pfählen in den Seegrund getrieben. Sie sollen den oberflächennahen Seegrund vor Wellengang und dem drohenden Abbrechen schützen. Denn nachdem das passiert ist, liegt der Grund tiefer und damit ausserhalb des Bereichs, in dem Schilf überhaupt wachsen kann (bis etwa 80 Zentimeter Wassertiefe). Darüber hinaus setzt der Kanton auf wasserseitige Einzäunungen, um die Graugänse fernzuhalten. Am Nordufer, vom Brüggli bis zur Alten Lorze im Naturschutzgebiet, hätte diese Vorkehrung gefruchtet, freut sich Urs Kempf. Manchenorts wird zudem Kiesmaterial aus der Lorzenmündung aufgeschüttet, gewissermassen als Anbaufläche für Schilf.

Der Abteilungsleiter wünscht sich mehr Aufschüttungen im Zugersee. Allerdings eigne sich dazu nicht jedes Aushubmaterial. So habe er aus Qualitätsgründen etwa auf Aushub vom Bau der Tangente Zug-Baar verzichtet. Für die Zukunft hofft er auf brauchbares Material von der Umfahrung Cham-Hünenberg. Weil wie erwähnt Vergleichsmöglichkeiten fehlen, haben die Zuger auch schon Lehrgeld zahlen müssen. So fault unter Wasser befindliches Holz nicht; wenn es daraus herausragt, hingegen schon. Deshalb mussten sämtliche Zaunpfähle nachträglich mit einem Metalldeckel versehen werden. In einem anderen Fall konnte der Aufwand verringert werden: Zunächst brachte man zwecks weiteren Schutzes in den Holzwällen Vliese ein – diese sind nicht notwendig, wie man mittlerweile weiss.

Generationenübergreifende Aufgabe

Gegenwärtig läuft das dritte von vier Jahren der Programmvereinbarung mit dem Bundesamt für Umwelt, in dessen Rahmen das Budget für diese Schutzvorkehrungen gesprochen wurde. Jenes beträgt nach Auskunft von Urs Kempf 1,2 Millionen Franken. Die gesamten Ausgaben für den Schilfschutz schätzt er auf bis zu 2,5 Millionen Franken, seitdem im Jahr 1998 die ersten Schritte dazu unternommen wurden. Der Bund beteiligt sich mit 35 Prozent daran. Das Thema sei damals von Seiten der Fischerei auf das politische Parkett gebracht worden. Der Hintergrund: Die ausgedehnten wasserseitigen Schilfflächen sind bei Wasser- und Singvögeln und bei manchen Fischarten als Rückzugs- und Laichort beliebt – besonders beim Hecht.

Die daraus hervorgegangenen Massnahmen haben zu einer zwiespältigen Situation für den Berufsfischer am Zugersee-Westufer geführt. Die Arbeiten des Kantons nützen ihm eigentlich. Doch weil er gemäss Urs Kempf wegen der Bauarbeiten Fang- und damit Einkommenseinbussen in Kauf nehmen muss, erhält er vom Kanton eine Entschädigung. Trotz der vielen Unsicherheiten ist der Abteilungsleiter naturgemäss zuversichtlich, dass weitere Mittel für den Schilfschutz ab 2020 gesprochen werden. «Es ist eine Lebensaufgabe», sagt Kempf und meint damit, dass auch die nächste Generation noch damit beschäftigt sein wird.

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