Der etwas andere Jazz in Zug

Mit elektroakustischen Universen, Beat Boxing und einem Klavierflügelhorn begeistern Strom und das Lukas de Rungs Quintet ihr Publikum in der Zuger Gewürzmühle.

Lena Hausheer
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Die Band Strom eröffnete den Konzertabend mit ihrer Musik zwischen Jazz und Pop.

Die Band Strom eröffnete den Konzertabend mit ihrer Musik zwischen Jazz und Pop.

Bild: Maria Schmid (Zug, 14. Januar 2020)

Die Gewürzmühle in Zug bot Raum für aussergewöhnlichen Jazz. Der Zuger Musiker Martial In-Albon veranstaltete am Dienstagabend, 14. Januar, bereits zum zweiten Mal ein Doppelkonzert im charmanten Konzertlokal. Die Band Strom eröffnete den Abend mit dem Stück «Die Drohne über Entlisberg». Hinter ihnen die kalte Steinmauer, umringt von den Zuhörern, spielten die sechs Musiker ihre Instrumente mystisch und energiegeladen, wahrhaftig wie unter Strom.

Die Band, mit Matthias Tschopp am Baritonsaxofon, Andreas Tschopp an der Posaune, Vojko Hutter an der E-Gitarre, Ramon Landolt am Keyboard, Xaver Rüegg am Kontrabass und Rico Baumann am Schlagzeug, konzentriert sich auf elektroakustische Musik zwischen Jazz und Pop. Mit spannenden Sounds, überzeugenden Soli und interessanten Rhythmen zogen sie das Publikum in ihren Bann. Die Musik komponieren die Gebrüder Tschopp gemeinsam. «Unsere Kompositionen sind sehr offen. Nur etwa die Hälfte ist vorgegeben, der Rest steht uns zur Improvisation zur Verfügung», sagt Matthias Tschopp. Sein Bruder Andreas ergänzt: «Bei den Auftritten versuchen wir, das Komponierte zu verinnerlichen und umzusetzen. Die Stücke formen sich erst richtig, wenn wir sie live vor Publikum aufführen.» Nebst musikalischen Aufgaben stellte die Bandgründung die Musiker noch vor andere Herausforderungen. «Uns fiel es nicht einfach, einen geeigneten Namen zu finden», erklärt der Jazzposaunist. Strom eigne sich deshalb so gut, da der Name einerseits die elektroakustische Musik unterstreicht, andererseits aber auch den Fluss ihrer Musik betone. Es könne aber auch sein, dass man die Band in Zukunft unter einem anderen Namen antreffe.

Faszinierendes Zusammenspiel

Nach der Pause machte Strom Platz für das Lukas de Rungs Quintet. Pianist Lukas de Rungs studierte ursprünglich in Mannheim und lernte während seines Erasmusjahres an der Musikhochschule in Luzern Sängerin Elian Zeitel Frei und Trompeter Martial In-Albon kennen. Gemeinsam mit dem Mannheimer Kontrabassist Luc Hatzis und Schlagzeuger Jonas Esser, ebenfalls aus Mannheim, spielten sie am Bachelor-Abschlussprojekt von de Rungs und gründeten kurz darauf ein Quintett.

«Die Chemie zwischen uns hat einfach unglaublich gut gepasst», sagt Martial In-Albon, welcher an diesem Konzert nicht die herkömmliche Trompete, sondern das Flügelhorn spielte. Die groovigen Kompositionen von de Rungs sind geprägt von anspruchsvollen Rhythmen und verbinden Jazz mit Klassik. Dabei faszinierte unter anderem das ausgesprochen exakte Zusammenspiel.

Vielversprechende Zukunftspläne

Die Musiker entzückten das Publikum mit überraschenden Elementen wie Beat Boxing, einem vertonten Gedicht oder dem selbsternannten «Klavierflügelhorn». Dabei spielte In-Albon mit seinem Flügelhorn in das offene Klavier hinein und brachte damit sowohl das Flügelhorn als auch die Saiten des Klaviers zum Klingen. Nach sechs Konzerten schloss das Lukas de Rungs Quintet seine Tournee in Zug ab. Als Nächstes geht es für die jungen Musiker nach London, wo Studioaufnahmen stattfinden sollen. Die Band wird im Verlaufe des Jahres ihr erstes Album veröffentlichen. Doch nicht nur die Musik des Quintetts wird bald digital verfügbar sein. Auch bei Strom stehen Studioaufnahmen auf dem Plan. Bis dahin konzentrieren sie sich auf ihr nächstes Konzert, welches am Donnerstag, 23. Januar, im Door 5 in Rapperswil stattfindet.