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Leserbrief

Der Fall Carlos als Systemversagen

Zur «Club-Sendung» auf SRF 1 vom 5. November

Bis zu dieser «Club-Sendung» hatte man eher den Eindruck, Carlos sei nicht mehr therapierbar. Nachdem ich mir nun aber all die massiven Fehler der Zürcher Justiz- und Vollzugsbehörden, jene der vielen «Helfers-Helfer-Psychologen» und Medienleute habe anhören können, wurde mir schlecht. Worte wie tiefer Hass, grobe Entscheidungsfehler im Vollzug sowie auf politischer Ebene, schier unglaubliche Misshandlungen, und dies sogar als er noch Kind war, waren vorrangig zu hören. Alles kaum zu glauben in unserem Land.

Offenbar glaubt man in diesen Kreisen an absurde pink-bemalte Betonzellen, an ein Festzurren, wie ein Schwerverbrecher in einer US-Todeszelle bewegungslos auf ein Brett gefesselt – und dies über eine Woche – um ihn mund- und spucktot machen zu können. Daneben realisiert man diesen ungeheuerlichen Dilettantismus vorgenannter «Fachleute». All dies darf man definitiv nicht ausblenden. Die Fehler sind zu offensichtlich und deswegen sind «Offizielle» zum Teil mitschuldig am Desaster. Zurückschauen und Verwahrung bringen – ausser gigantische Kosten – nichts.

Carlos sollte nun eine straff und gleichsam clever geführte, jedoch einfühlsame Arbeitstherapie, eventuell auf einer Farm im Ausland oder zumindest weit weg von Zürich und diesen städtischen Psycho-Fachleuten erhalten. Dies ohne unsinnige, rosarote Einzel-Zelle, ohne Fesseln wie im Mittelalter und ohne Kampfbahn-Settings.

Viel mehr sollte er endlich ein hohes Mass an Menschlichkeit – durch erfahrene «Charakteren» als Therapie erfahren dürfen, welche ihn durch physische Arbeit und konsequente Haltung – aber auch durch physisch harte und sinnvolle Arbeit – zur Besinnung und mehr Selbstwertgefühl bringen werden. Eventuell anfänglich (aber nur, wenn es nicht anders geht) sogar begleitet durch Leute, die er früher akzeptierte. Diese Therapieform – wo auch immer, wie zum Beispiel jene auf dem Berghof Sternegg in Trubschachen – wäre als Ultima Ratio einen Versuch wert. Es wäre nicht nur anständig, sondern erst noch kostengünstiger.

Eine Verwahrung – nach all den politischen, justiziablen, gesellschaftlichen, formellen und zum Teil unverzeihlichen Behandlungsfehlern in der «Therapie» – entspräche eher einem einsamen Höhepunkt unmenschlichster Ruchlosigkeit und nicht dem Stil eines anständigen und kompetenten Strafvollzuges in unserem Land.

Rolf F. Oehen, Hünenberg See

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