Der Feuerleger aus Merenschwand muss eine Therapie machen

Er legte im Sommer 2019 drei Mal Feuer. Ins Gefängnis muss er nicht.

Stefania Telesca
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In der Nacht auf Samstag, 17. August 2019, brannte eine Waldhütte in Merenschwand lichterloh.

In der Nacht auf Samstag, 17. August 2019, brannte eine Waldhütte in Merenschwand lichterloh.

Bild: Aargauer Zeitung

Eine Brandserie erschütterte fast auf den Tag genau vor einem Jahr die Gemeinde Merenschwand: In der Nacht auf den 16. August 2019 brannte es in der Kistenfabrik und im angrenzenden Gartenbaubetrieb. Nur dank raschem Handeln der Feuerwehr konnten die Flammen nicht auf das Holzlager übergreifen.

Knapp 27 Stunden später mussten die Feuerwehrleute erneut ausrücken: Die beliebte Waldhütte wurde nachts durch die Flammen komplett zerstört, eine Thujahecke bei einem Einfamilienhaus brannte auf über zehn Meter Länge nieder.

Die zeitliche Nähe der drei Brände liess erahnen, dass es sich um Brandstiftung handeln musste. Dieser Verdacht wurde rasch bestätigt: Die Polizei verhaftete einen damals 22-jährigen Mann und seine 17-jährige Freundin. Das Pärchen gestand nach der Verhaftung sämtliche Taten. Am Dienstag, 18. August, musste sich der junge Mann am Bezirksgericht Muri für seine Taten verantworten.

Die Anklage der Staatsanwaltschaft lautete auf mehr­fache Brandstiftung, mehrfache Sachbeschädigung und mehrfachen Hausfriedensbruch. Das separate Verfahren gegen seine damals 17-jährige Freundin wegen mehrfacher Brandstiftung führt hingegen die Jugendanwaltschaft.

Wochenlang Brandstiftung von ihm verlangt

Der geständige Brandstifter zeigte sich vor Gericht von Anfang an reuig. Auf die Frage des Gerichtspräsidenten, weshalb er die Brände gelegt hat, wies er auf Suiziddrohungen seiner damaligen minderjährigen Freundin hin. Er sagte:

«Sie hatte bereits mehrere Suizidversuche hinter sich und drohte immer damit, sich etwas anzutun, sollte sie ihren Willen nicht bekommen.»

Die junge Frau, die mittlerweile seine Ex-Freundin ist, habe wochenlang von ihm verlangt, dass er mit ihr die Brände lege. «Irgendwann habe ich nachgegeben.»

An jenem Abend seien sie gemeinsam ins Kino gegangen, dann habe sie so lange Druck gemacht, bis er mit ihr zur Kistenfabrik gegangen sei. Gemeinsam zündeten sie 15 Anzündwürfel an und platzierten diese unter Paletten, an der Fassade und bei einem Anhänger.

Er habe dieses Gebäude ausgewählt, weil er wusste, dass es aus Holz besteht. Danach seien sie davongerannt und schlafen gegangen. Der Beschuldigte ist gross und schlank, hat die Haare auf der Seite rasiert, sein Hals ist tätowiert. Immer wieder beteuerte er vor den Richtern, nicht die Absicht gehabt zu haben, die Brände zu legen.

Am folgenden Tag habe er mit seiner damaligen Freundin in der Landi neue Anzündhilfen gekauft, hatten sie nach dem Brand am Vortag alle aufgebraucht. Im Haus seiner Mutter behändigten die beiden einen Kanister, füllten diesen an der Tankstelle mit Benzin und begaben sich zur Waldhütte. «Ich wusste, dass dort in der Nacht niemand ist und wir niemanden hätten verletzen können.» Er habe das Benzin verteilt und sie habe die Anzündwürfel an die Fassade geworfen.

Nach einer Stichflamme rannten sie weg und versteckten den Kanister im Wald. Doch das war nicht genug. «Ich wollte nach Hause gehen, sie wollte weiter Feuer legen.» An einer Bushaltestelle hätten sie geraucht und sich unterhalten, wie gut eine Thujahecke brennt. Sie seien wie in Trance gewesen, als sie diese auch noch anzündeten. Dann, so der Feuerleger, habe ihn das schlechte Gewissen gepackt. «Ich wollte, dass sie uns verhaften. Deshalb gingen wir zur Hecke zurück.»

Seit der Verhaftung habe er keinen Kontakt mehr zu seiner Ex-Freundin gehabt. Er habe sie gekannt, weil sie als Pflegekind in seine Familie aufgenommen worden war. Die junge Frau – ein «psychisch instabiles Mädchen mit vielen Problemen», wie sie sein Verteidiger beschrieb – habe grossen Einfluss auf ihn gehabt. Er sei über beide Ohren in sie verliebt gewesen.

Der Brandstifter hatte eine schwierige Jugend, wie er erzählte. Die Schule interessierte ihn nicht, er musste ins Heim und er machte auch keinen Lehrabschluss. Seit den Brandstiftungen ist er in Therapie, als Ersatzmassnahme für die Haft. Ein Gutachten besagt, dass sich ein Strafvollzug negativ auf seine Prognose auswirken würde.

Die Staatsanwaltschaft plädierte deshalb auf eine Freiheitsstrafe von 3,5 Jahren, aufgeschoben zu Gunsten einer ambulanten Massnahme zur Behandlung seiner psychischen Störung und zur Erreichung der Drogenabstinenz aufgrund des Cannabiskonsums. Die Richter in Muri folgten diesem Antrag. «Sie haben Defizite, die behandelbar sind», begründete der Gerichtspräsident das Urteil. «Wir nehmen ihnen ab, dass sie vieles unter dem Einfluss der Freundin gemacht haben.» Er, so die Begründung, sei nicht die treibende Kraft hinter den Brandstiftungen gewesen.

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