Der Flugzeugsammler von Steinhausen

Fast 2000 Flugzeuge hat Janis Büchel schon fotografiert. Der 17-Jährige ist ein sogenannter Planespotter. Die Zeit des WEF in Davos ist jeweils ein Höhepunkt für ihn und seine Freunde.

Christopher Gilb
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Dieses Flugzeug kennt jeder: Die Air Force One. Janis Büchel fotografierte sie während des WEF 2018. (Bilder: Janis Büchel)

Dieses Flugzeug kennt jeder: Die Air Force One. Janis Büchel fotografierte sie während des WEF 2018. (Bilder: Janis Büchel)

Wenn ab Dienstag das Weltwirtschaftsforum (WEF) stattfindet, kommen nicht nur allerlei wichtige Personen in die Schweiz, sondern auch allerlei besondere Flugzeuge. Wie schon im Vorjahr hat der 17-jährige Kantonsschüler Janis Büchel aus Steinhausen seine Klassenlehrerin gefragt, ob er mit einem Klassenkollegen während eines Tages der Schule fern bleiben könne. Mit Erfolg.

Janis Büchel (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 17. Januar 2019))

Janis Büchel (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 17. Januar 2019))

Denn nächsten Mittwoch gehen die beiden Planespotter (auf Deutsch sinngemäss Flugzeugfotografen) schon ganz früh zum Flughafen Zürich. Mit dabei ihre Kameras und grosse Objektive. «Wir haben verschiedene Lieblingsplätze, da gibt es beispielsweise die Zuschauerterrasse, den Platz auf dem Parkhausdach und den Heligrill», erklärt Büchel. Der Heligrill bezeichnet eine Fläche auf der Westseite des Flughafens gleich neben den Helikopter-Landeplätzen. Dort hat man einen guten Ausblick auf Startpisten, Docks sowie diverse Aussenstandplätze. An manchen Wochenenden herrscht dort vor lauter Flugzeugfotografen fast so etwas wie Picknickstimmung. Sie haben Stühle und Leitern dabei und es gibt sogar einen Imbissstand, der aus einem alten Helikopter gebaut wurde.

Es sind die besonderen Flugzeuge, die er sucht

Letztes Jahr erlebte Büchel hier einen Höhepunkt. Die Landung der Air Force One, auch VC-25A genannt, von US-Präsident Trump. «Dieses Jahr kommt er leider nicht, ich glaube die Veranstalter und wir Spotter sind die Einzigen, die das bedauerlich finden», sagt Büchel scherzhaft. Trotzdem gebe es sicher auch dieses Jahr einige Höhepunkte. So hoffe er, dass eventuell aus dem ein oder anderen Land eine alte russische Maschine wie zum Beispiel eine Iljuschin käme. Es sind die speziellen Flugzeuge, die Büchel sucht. «Wenn ein Jet einer grossen Airline, der später regelmässig in Zürich landet, das erste Mal kommt, muss ich nicht hin, denn dieses Foto macht dann jeder.» Wenn aber ein Flugzeug, das nur alle paar Jahre Zürich anfliege oder das beispielsweise bald ausgemustert werde, komme, dann schon. Auch gerne gesehen seien spezielle Bemalungen. Ein Höhepunkt sei natürlich der Privatjumbo der Band Iron Maiden gewesen, auf dem das Logo der Band prangt.

Büchel fotografierte auf dem Rollfeld auch Privatjets.

Büchel fotografierte auf dem Rollfeld auch Privatjets.

Angefangen habe alles vor drei Jahren, erinnert sich Büchel. Er, der sagt, später Pilot werden zu wollen, habe mit einem Freund im Internet gesurft und sei dann auf die Seite eines Planespotters gestossen. «Da dachten wir, das probieren wir auch mal.» Nur mit dem Handy seien sie zum Flughafen Zürich gefahren, zwei Wochen später hätten sie dann schon eine kleine Kamera dabeigehabt und etwas später die grösseren Kameras ihrer Eltern. «Ich kann nicht genau erklären, was genau die Faszination ist. Andere sammeln Briefmarken, wir eben Flugzeuge. Einige finden Automotoren faszinierend, mit denen kann ich wiederum nichts anfangen», so der 17-Jährige. Auch wenn der ein oder andere, dem er von seinem Hobby erzähle, es im ersten Moment komisch finde.

Für besondere WEF-Fotos aufs Parkfeld

In Gruppen in den sozialen Medien tauschen sich die Spotter dann regelmässig darüber aus, welches spezielle Flugzeug wann wo landet. Die entsprechenden Tipps kämen teils von anderen Fotografen und auch der Flughafen selbst habe in seiner App einen extra Infobereich für Spotter eingerichtet. Es könnte schliesslich schlechtere Werbung geben. «Ich habe zwischenzeitlich schon fast 2000 verschiedene Flugzeuge fotografiert», erzählt Büchel stolz. Die Fotos teilt er dann auf Seiten wie www.airplane-pictures.net oder www.jetphotos.com.

Eines seiner Lieblingsfotos: eine Boeing 727-200 in Kloten, die man nur noch selten sieht.

Eines seiner Lieblingsfotos: eine Boeing 727-200 in Kloten, die man nur noch selten sieht.

Büchel, der schon herumgekommen ist, fotografiert aber nicht nur Flugzeuge am Wochenende an den Schweizer Flughäfen Genf und Zürich. Er hat auch schon im Urlaub Flugzeuge bei der Landung auf Bali, beim Start in London oder auf der Landebahn in Amsterdam abgelichtet. «Das in London war sensationell. Ich habe dort einen Sprachaufenthalt gemacht und bin dann eines Morgens zum Flughafen gefahren. Ich sah jemand am Zaun stehen und fragte ihn, ob er auch ein Spotter sei», erzählt er. Das sei er gewesen und er habe ihm dann einen besonderen Platz gezeigt. «So gelangen mir mehrere Frontalaufnahmen startender Flugzeuge.» Auch sei er jeweils der Fluggast, der nachdem die anderen das Flugzeug verlassen hätten, noch fragen würde, ob er einen Blick ins Cockpit werfen könne und der das ein oder andere Foto vom Rollfeld mache.

Während des WEF nun kann Büchel die Flugzeuge aber nicht nur aus der Distanz fotografieren, sondern kommt einigen ganz nahe. Er hat für den Abend eine spezielle Tour für Spotter gebucht, die es ermöglicht zur Parkposition der Privatflugzeuge zu gehen, um diese zu fotografieren. «Das habe ich schon letztes Mal gemacht, die Flugzeuge sind zum Greifen nahe», freut er sich.

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Roger Braun