Der Grind ist getauft

Die Fasnacht in Steinhausen wird trotz der Kälte so richtig gelebt. Was nach der Steigrindtaufe ablief, passt zum Motto des Steivaters.

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Jetzt thront der Steigrind über dem Dorf. (Bild: Christof Borner-Keller / Neue ZZ)

Jetzt thront der Steigrind über dem Dorf. (Bild: Christof Borner-Keller / Neue ZZ)

Es war bitterkalt, als Steivater Pedro I. (Peter Bisig) sich am Samstag anschickte, den hoch über dem Dorfkreisel thronenden Steigrind mit eiskaltem Wasser zu taufen. Die ersten Versuche scheiterten. Die Druckpumpe war eingefroren. Sie funktionierte erst, als die Guggenmusigen wild schränzend aufspielten. «Meine Kinder Levin und Lara lieben diesen Sound. Um ihnen eine Freude zu machen, nehme ich es gerne in Kauf, ein wenig zu frieren», sagte der Steinhauser Lehrer Patrick Kolb.

Der Ball lockte

Lange aushalten musste er nicht, denn schon bald machten sich die Fasnächtler Richtung Sunnegrund zum Steigrindball auf. Roland Lacher, der Präsident der Fasnachtsgesellschaft Steinhausen prophezeite schon zum Voraus: «Da unsere Gesellschaft ihr 30-jähriges Bestehen feiert, wird Alt und Jung in den Genuss eines tollen Jubiläumsballs kommen. Wie in den guten alten Zeiten wird unter dem Motto ‹Das chunt eus spanisch vor› getanzt und gefeiert.»

Jubilierende Gruppen

Um 21 Uhr fand eine würdevolle Hommage an die jubilierende Steinhauser Guggenmusiggruppen Chrottegässler (30), Steigrind Fasnacht (30) Rotznase (15), Steischränzer (10) und Häxechochi (5) statt. Als danach das Tanzbein tüchtig geschwungen wurde, vermerkte der Ex-Steigrindvater Andreas Trüssel sichtlich zufrieden: «Bei uns in Steinhausen wird die Fasnacht wieder so richtig gelebt.»

In einem stillen Moment dachte Roland Lacher doch noch an den Steigrind, der bei sibirischen Temperaturen einsam über dem Dorfkreisel thronte. Verschmitzt lächelnd sagte der Präsident der Fasnachtsgesellschaft: «Dem Steigrind obliegt halt die Aufgabe, über uns Fasnächtler zu wachen. So sehr er jetzt frieren muss, so warm wird es ihm, wenn er am Güdisdienstag auf dem Scheiterhaufen verbrannt wird.»

Sie wollen nichts kopieren

Der Fasnachtsgesellschaft ist es in den vergangenen 30 Jahren gelungen, die zuvor darbende Steinhauser Fasnacht wieder auf Trab zu bringen. Dazu erwähnt Roland Lacher mit einem gewissen Stolz: «Heute ist die fünfte Jahreszeit für viele Steinhauser die schönste Jahreszeit überhaupt. Dank den vielen freiwilligen Helferinnen und Helfern, die sich vor, während und nach der Fasnacht unermüdlich ins Zeug legen, gelingt es, die närrische Zeit zu einem unvergesslichen Erlebnis zu machen.»

Keine Nachwuchssorgen

Und Nachwuchssorgen gebe es bei ihnen nicht, den Guggenmusigen liefen die jungen Leute in Scharen zu. Die Fasnachtsgesellschaft werde alles daran setzen, dass der schöne Brauchtum in Steinhausen weiterhin gehegt und gepflegt werde. «Dabei legen wir Wert auf eine eigenständige Fasnacht – wir wollen nichts kopieren», sagt Roland Lacher, bevor er sich wieder unter das Fasnachtsvolk begibt.

Martin Mühlebach