Der Kanton Zug erfasst Zahlen zu Suizidversuchen

Vor einem halben Jahr hat der Kanton Zug ein neues Projekt zur Suizidprävention ins Leben gerufen. Nun wird eine Studie erarbeitet.

Laura Sibold
Hören
Drucken
Teilen
Die meisten Menschen in der Schweiz nehmen sich durch Erhängen, Schusswaffen oder durch Sturz das Leben. Ein Archivbild von der Lorzentobelbrücke.

Die meisten Menschen in der Schweiz nehmen sich durch Erhängen, Schusswaffen oder durch Sturz das Leben. Ein Archivbild von der Lorzentobelbrücke.

Symbolbild: Christof Borner-Keller

Seit rund zehn Jahren führt der Kanton Zug ein Suizidmonitoring: Jeder Suizid wird von der Strafverfolgungsbehörde an den Kantonsarzt gemeldet und von diesem ausgewertet. Die erhobenen Zahlen zeigen, dass die Anzahl erfasster Suizide im Kanton Zug im nationalen Vergleich eher tief ist, pro Jahr kommt es zu rund 20 Suiziden. Nicht erfasst wurden bis anhin die Zahl der Suizidversuche: Hier knüpft ein Projekt an, das der Kanton im September 2019 lanciert hat und welches vom kantonalen Amt für Gesundheit und der Klinik Zugersee gemeinsam geleitet wird.

Die Hintergründe für Suizide und Suizidversuche sind oft vielschichtig und reichen von einer Bilanzierung des Lebens bis hin zu Folgen von psychischen Erkrankungen oder Störungen. Oftmals würden suizidale Handlungen in akuten Krisensituationen auftreten, sagt Josef Jenewein, Chefarzt der Klinik Zugersee. «Suizide vorauszusagen, ist praktisch unmöglich. Es gibt aber bestimmte Risikofaktoren für Suizide», erklärt Jenewein.

« Personen, die sich bereits einmal das Leben nehmen wollten, haben ein doppelt so hohes Suizidrisiko wie jemand, der nie zuvor einen Versuch unternommen hat.»

Durch eine systematische Erfassung von überlebten Suizidhandlungen könne man eine gewisse Risikogruppe definieren und so gezielt Massnahmen zur Suizidprävention weiterentwickeln.

Fälle von 2008 bis 2019 sollen erfasst werden

Laut Gesundheitsdirektion befindet sich das Projektteam noch in der Erarbeitungsphase – so würden strategische Handlungsfelder erarbeitet und Massnahmen definiert. Weiter wurde in der Zwischenzeit das Forschungsprojekt «Eine retrospektive Datenanalyse von im Zuger Kantonsspital betreuten Patienten nach Suizidversuch» lanciert. «Ziel der Studie ist es, die jährliche Anzahl Suizidversuche im Zeitraum 2008 bis 2019 zu bestimmen», erklärt Aurel Köpfli, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gesundheitsdirektion. Daneben werden die Anzahl Suizidversuche in verschiedenen Subpopulationen sowie die Suizidversuchsmethoden und Einflussfaktoren auf Suizidversuche untersucht. «Wir erhoffen uns von dieser Studie Zahlen dazu, wie häufig Suizidversuche im Kanton Zug sind und ob sich diese Menschen vor dem Suizidversuch bereits in psychiatrischer Behandlung befanden», ergänzt Chefarzt Josef Jenewein.

Zuger Suizidrate ist relativ tief

(ls) Die Schweiz gehört innerhalb von Europa zu den Ländern mit einer überdurchschnittlich hohen Suizidrate. Laut dem Schweizerischen Gesundheitsobservatorium (Obsan) ist Suizid nach Krebs-, Kreislauferkrankungen und Unfällen der vierthäufigste Grund für frühzeitige Sterblichkeit (gemessen in verlorenen potenziellen Lebensjahren). Die meisten Menschen in der Schweiz gehen laut Obsan durch Erhängen, Sturz oder Schusswaffen in den Tod.

Wirft man einen Blick auf die nationalen Zahlen, ist die Anzahl erfasster Suizide im Kanton Zug vergleichsweise tief: So weist Zug gemäss Zahlen des Bundes die vierttiefste Suizidrate auf. Auf 100 000 Einwohner hochgerechnet, nahmen sich 2016 in Zug 9,7 Menschen das Leben. Die Zuger Suizidrate hat über die Jahre stetig abgenommen – 2006 lag sie noch bei 16,7. Die Suizidraten des Obsan beziehen sich auf Suizide exklusive Sterbehilfe und bilden einen 5-Jahres-Mittelwert ab, da sonst die Fallzahlen zu klein wären. Die derzeit aktuellsten Zahlen stammen aus 2016, in den nächsten Wochen publiziert das Obsan jene für 2017.

Neben dem Aufbau eines Monitorings von Suizidversuchen umfasst das vor einem halben Jahr gestartete Projekt weitere Massnahmen. So will das kantonale Amt für Gesundheit eine neue Strategie zur Suizidprävention ausarbeiten. «Parallel dazu werden aber auch die bisher umgesetzten Massnahmen im Kanton wie etwa die baulichen Schutzmassnahmen an Brücken oder im Bereich der Eisenbahnlinien einer Überprüfung unterzogen», heisst es in einer Mitteilung der Gesundheitsdirektion. Auch Überlegungen betreffend Interventionen bei Krisen und Notfällen sowie Präventionsprogrammen sind vorgesehen. Im Laufe des Projekts soll auch abgeklärt werden, ob Interventionszentren, in denen sich suizidgefährdete Personen aufhalten können, sinnvoll sind und Bedarf dazu besteht, so Aurel Köpfli.

Die Grundlagen sollen bis 2022 vorliegen

Das Projekt zur Suizidprävention ist auch ein Legislaturziel des Regierungsrats. Gemäss diesem sollen die Grundlagen für das Suizidversuchsmonitoring bis ins Jahr 2022 erarbeitet werden. Finanziert wird das Projekt zur Suizidprävention über das ordentliche Zuger Kantonsbudget: Für das gesamte Legislaturziel wurden für die Jahre 2019 bis 2022 insgesamt 90000 Franken budgetiert.