Der Kanton Zug wird Betrieben bei Bedarf Hygienemasken zur Verfügung stellen

Der Zuger Regierungsrat begrüsst die vom Bundesrat beschlossenen Lockerungen und wird die Anpassungen im Kanton Zug umsetzen. Für Kitas besteht die Chance auf eine längere finanzielle Unterstützung.

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Masken sind ein gefragtes Gut.

Masken sind ein gefragtes Gut.

Bild: Colin Frei

(bier) Die einschneidenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens hätten nämlich die gewünschte Wirkung erzielt: Die Zahl der Neuansteckungen mit dem Coronavirus «konnte auch im Kanton Zug stark verringert werden und die Zuger Spitäler sind nicht überlastet», heisst es in einer Medienmitteilung des Zuger Regierungsrats vom Freitag. «Eine massvolle Lockerung der Einschränkungen ist deshalb angebracht.» Die Zahlen im Kanton Zug entwickelten sich gut und sind vergleichsweise tief. Mit dem sogenannten Contact Tracing hat der Kanton Zug zusammen mit der Lungenliga Zentralschweiz bis heute angesteckte Personen betreut und Neuansteckungen zu vermeiden versucht. Der Regierungsrat setze weiterhin auf diese Karte.

Betriebe mit personenbezogenen Dienstleistungen mit Körperkontakt wie Coiffeure, Massagen, Tattoostudios und Kosmetik dürfen gemäss Bundesratsbeschluss ab dem 27. April wieder öffnen. Der Schutz des Publikums und der Arbeitnehmenden muss dabei sichergestellt sein. Je nach Branche kann dazu das Tragen von Masken sinnvoll sein. Falls auf dem Markt noch nicht genügend Hygienemasken zur Verfügung stehen sollten, stellt der Kanton Zug diesen Branchen zur Überbrückung dieses Engpasses Hygienemasken aus seinen Beständen zur Verfügung. Der Kanton informiere nächste Woche, wie die Verteilung Masken organisiert wird.

Die schrittweise Öffnung trage dazu bei, die Auswirkungen auf die Zuger Wirtschaft und insbesondere auf die Arbeitsplätze möglichst gering zu halten. Der Regierungsrat begrüsst gemäss Mitteilung auch, dass die Lockerungen durch Schutzkonzepte begleitet werden, wobei deren genauer Inhalt noch abzuwarten ist. Diese können je nach Branche Empfehlungen oder Pflichten beinhalten; die Massnahmen zum Abstandhalten und zur Hygiene bleiben gültig und wichtig. Die aktuelle Situation fordert Gesellschaft und Wirtschaft stark.

Der Zuger Regierungsrat beschloss deshalb bereits am 24. März, in Ergänzung zu den Bundesmassnahmen, verschiedene Massnahmen zur Unterstützung von Zuger Unternehmen. Dabei handle es sich um ein für Zug bisher beispielloses Hilfspaket für die Zuger Bevölkerung und Unternehmen. Klares Ziel des Regierungsrates sei, dass Wirtschaft und Bevölkerung nach der Krise möglichst dort anknüpfen können, wo sie sich davor befunden haben.

Perspektiven für ungenannte Bereiche aufzeigen

Der Regierungsrat fordert den Bundesrat auf, auch für jene Branchen und Gesellschaftsbereiche Perspektiven aufzuzeigen, die in der aktuellen Verordnung nicht genannt sind. Dazu gehören etwa die Gastronomiebetriebe. Auch im Sport – sowohl im Spitzen- als auch im Breitensport – sind Öffnungen möglich, wenn die Regeln eingehalten werden. «Die Kantone wären in der Lage, hier vernünftige Konzepte zu prüfen und zuzulassen», ist der Zuger Regierungsrat überzeugt. Der Zuger Regierungsrat fordert den Bundesrat auf, möglichst bald das Notrechtsregime gemäss Epidemiengesetz zu verlassen und zu ordentlichen Zuständigkeiten zurückzukehren.

Neben gewissen Gewerbebetrieben können auch medizinische Leistungserbringer ihren Betrieb wieder aufnehmen respektive hochfahren. Auch diese Massnahme begrüsst der Kanton Zug ausdrücklich. Eine weitere Einschränkung in diesem Bereich hätte einen Rückstau von Eingriffen zur Folge gehabt, welcher vermieden werden muss. Gleichzeitig sei entscheidend, dass die Zuger Spitäler für einen möglichen Wiederanstieg von Covid-Fällen gerüstet bleiben und die entsprechenden Massnahmen treffen. Der Kanton Zug steht dazu weiterhin in engem Kontakt mit dem Zuger Kantonsspital in Baar und der Andreas-Klinik in Cham.

Am 11. Mai sollen die obligatorischen Schulen ihre Türen für die Schülerinnen und Schüler wieder öffnen, am 8. Juni soll der Präsenzunterricht an den Mittel-, Berufs-, Fachhochschulen und Hochschulen wieder aufgenommen werden. Die Untergymnasien an den Kantonsschulen Zug und Menzingen zählen zu den Mittelschulen und öffnen mit diesen wieder. Denkbar ist, dass die letzten zwei Tage des Fernunterrichts jeweils für die Schülerinnen und Schüler unterrichtsfrei sind, damit die Lehrpersonen die Schulhäuser beziehen und den Schulbetrieb vor Ort hochfahren können, teilt der Regierungsrat mit. «Handlungsrichtlinie für die Gestaltung des Präsenzunterrichts muss die zügige Rückkehr zur Normalität sein.» Dazu gehören Notenzeugnisse vor den Sommerferien ebenso wie die Durchführung der schriftlichen Abschlussprüfungen an den Mittelschulen.

Möglicherweise längere Unterstützung für Kitas

Der Betrieb von Kindertagesstätten ist wie bis anhin gewährleistet, wobei bis zur Lockerung der bundesrätlichen Massnahmen weiterhin gilt, dass die Betreuung zu Hause – wenn dies für Familien machbar ist – bevorzugt wird. Diesfalls ist der Kanton Zug, wie Anfang April kommuniziert, bereit, die Elternbeiträge zu übernehmen. Der von der Zuger Regierung gesprochene finanzielle Rettungsschirm für die Kitas in der Höhe von 2,8 Millionen Franzen beginnt rückwirkend per 16. März und endet am 19. April. Ende April entscheidet die Zuger Regierung, ob dieser allenfalls bis zum 9. Mai ausgedehnt wird. Die Spielgruppen werden gleich wie die Volksschulen behandelt. Sie bleiben noch bis zum 9. Mai geschlossen und können Kurzarbeitsentschädigung geltend machen.

Die Zuger Berufsschulen sind gut auf die besonderen diesjährigen Qualifikationsverfahren (QV) vorbereitet. Ziel ist es, dass alle Lernenden nach erfolgreichem Abschluss bis Mitte Juli 2020 das Fähigkeitszeugnis in Empfang nehmen können (Kanton Zug: rund 1200 Jugendliche). Die QV werden nach nationalen Vorgaben durchgeführt (gemäss Notverordnung des Bundesrats). Es finden keine schulischen Abschlussprüfungen statt. Für die praktischen Arbeiten wird die Abschlussprüfung anhand vorgegebener Varianten durchgeführt, die der jeweilige Branchenverband bestimmt; Ziel ist die Bestimmung der Arbeitsmarktfähigkeit . Details der Prüfungen je Beruf werden bis Ende April kommuniziert (Kanton Zug: rund 130 verschiedene Berufe). Die Modalitäten für die Berufsmaturitätsprüfungen werden Anfang Mai kommuniziert.

Diese ersten Lockerungen bedeuteten keinesfalls, dass die Corona-Pandemie ausgestanden sei. «Es ist und bleibt entscheidend, dass die Bevölkerung die Hygiene- und Abstandsregeln nach wie vor einhält und physische Kontakte mit Personen ausserhalb des eigenen Haushalts vermeidet.»

Für Fragen aus der Bevölkerung steht die kantonale Hotline weiterhin zur Verfügung: 041 728 49 00 (montags bis freitags 9 bis 16 Uhr) oder corona@zg.ch