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Der Kulturverein «Privileg» ist ins Unterengadin gereist

Alte und neue fast vergessene Kunst stand im Zentrum der Reise durch das Bündner Tal.

Für Das Neue Zuger Privileg: Cornelia Mayinger, Präsidentin
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Reise Als Anfang März erste Restriktionen wegen Corona angeordnet wurden, war auch das neue Zuger Privileg als Kulturverein betroffen und muss seine Aktivitäten einstellen. Umso erfreuter sind wir, dass wir im Juli wieder zu einem ersten Anlass ins Ägerital einladen und uns dann im August auf eine zweitägige Kulturreise ins Unterengadin aufmachen konnten. Auch wenn das Unterengadin weniger Weltruhm geniesst als das Oberengadin, so taucht man hier genauso ein in eine beseelte Gegend, voller Zauber und Schönheit. Das Unterengadin bietet aber noch mehr als herrliche Landschaften, intakte Natur, tolle Skipisten, den Schellenursli und den Chalandamarz. Das Unterengadin lockt mit Kunst und Kultur. Ein Fall fürs Privileg, das zum Ziel hat, Verborgenem und wenig Bekanntem das Privileg zu geben, gesehen zu werden.

Das neue Zuger Privileg im Parkin Not dal Mot in Sent.

Das neue Zuger Privileg im Parkin Not dal Mot in Sent.

Bild: PD

Erste Station war das Dörfchen Susch mit seinem 2019 eröffneten Muzeum Susch. Die polnische Kunstsammlerin Grazyna Kulczyk hat dort die ehemalige Brauerei, das einstige Kapuzinerkloster und das frühere Pfarrhaus zu einem spektakulären Museum umbauen lassen, eine architektonische Perle. Das Muzeum Susch zeigt zeitgenössische Kunst. Eine der frühesten ortsspezifischen Installationen ist die 14 Meter hohe Stahlkonstruktion der polnischen Bildhauerin Monika Sosnowska, «Stairs» (2017), die gleichsam als die Wirbelsäule des Gebäudes im ehemaligen Eisturm der Brauerei aufragt. Die aktuelle Retrospektive mit Werken der belgischen Pionierin des Pop-Surrealismus, Evelyne Axell (1935 – 1972), zeigt deren breites Schaffen um den Diskurs der weiblichen Sexualität. Filmausschnitte aus ihrer Zeit als charismatische Theater- und Filmschauspielerin sowie als Drehbuchautorin sind zu sehen, in denen sie sich mit Multiethnizität beschäftigt, angeregt von der belgisch-kongolesischen Geschichte. Auch für Kulinarik ist im Muzeum Susch gesorgt, verfügt es doch über ein zauberhaftes Bistro mit mehreren getäferten Stübli.

Ein Bänkli für den Dorfzusammenhalt

Eine Dorfführung durch Scuol – zweite Station unserer Reise – war dann wieder dem Traditionellen gewidmet, der Geschichte und Alltagskultur des Ortes, dem Brauchtum und dem Miteinander, das die Bevölkerung auch heute noch intensiv lebt. So findet sich vor jedem der wunderbar bemalten Häuser ein Bänkli, auf dem nach dem Läuten des Betglöckleins die Menschen den Feierabend geniessen und zusammen plaudernd den Zusammenhalt pflegen können. Für uns ging es nach dem Rundgang jedoch nicht aufs Bänkli, sondern ins Mineralbad, wo wir im Aussenbecken mit Blick auf die imposanten Berge die Seele baumeln liessen, bevor wir im Hotel mit einem opulenten Nachtmahl verwöhnt wurden.

Der zweite Tag war dem Schaffen des international bekannten Engadiner Künstlers Not Vital gewidmet, der im Unterengadin, in Peking und in Agadez arbeitet und früher auch in New York zu Hause war. 2016 hat er das Schloss Tarasp erworben und ist heute somit Schlossherr. Räume und Park macht er zu einem Kunsterlebnis. Die ursprüngliche Wehrburg hat eine bewegte Geschichte und ist zur Ruine verfallen, als sie im Jahr 1900 Karl August Lingner, Unternehmer, Produzent des Mundwassers Odol und Philanthrop, erworben hat. Die Einweihung nach dem aufwendigen Wiederaufbau hat er knapp nicht mehr erlebt – er verstarb eine Woche zuvor. Der Besitz fiel an das Haus Hessen, dem Not Vital ein Jahrhundert später, 2016, das Schloss abgekauft hat, es sanft renoviert und ihm seine Handschrift verpasst hat.

Mit der Rhätischen Bahn ging es zurück ins Unterland

Der Gang durch die zahlreichen Räume ist einerseits eine historische Reise durch die Zeit, andererseits ein Eintauchen in ein umfassendes, von Schalk sprühendes Lebenswerk eines Fantasten, der seine Bubenträume verwirklicht hat und mit über 70 Jahren noch immer verwirklicht, der Bezüge schafft vom Gestern zum Heute, von der weiten Welt zum beschaulichen Bergtal. So auch im Parkin Not dal Mot in Sent, letzte unserer Stationen, wo Grossskulpturen wie die Eselsbrücke, der Turm der Stille, das Eishaus oder ein Haus, das man per Knopfdruck im Boden versenken kann, installiert sind. Global unterwegs, kehrt Not Vital immer wieder in seine Heimat Sent zurück, in das kleine, intakte Unterengadiner Dorf. Irgendwie können wir ihn verstehen. Der Zauber haftet auch uns an. Langsam zuckelnd hat uns die Rhätische Bahn zurück ins hektische Unterland zurückgebracht.

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