Leserbrief

Der Luchs im Fadenkreuz wird plötzlich sehr real

Leserbriefe: «Sie empfehlen ein Ja zum Jagdgesetz», Ausgabe vom 15.September

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Daniel Hurni hat in seinem Leserbrief vor Fake News gewarnt, die angeblich von den Gegnern des revidierten Jagdgesetzes verbreitet werden. Leider hat er in seiner Argumentation selber Fake News geschrieben. Was stimmt, ist, dass die Naturschutzorganisationen wie Pro Natura an der Ausarbeitung der Gesetzesrevision dabei waren. Anfangs waren sie auch offen für eine Revision und für eine besser geregelte Handhabung gegenüber dem Wolf. Leider wurde dann das Gesetz vom Parlament dermassen zum Negativen umgeändert, dass den Tier- und Naturschutzorganisationen nichts mehr anderes übrig blieb, als das Referendum zu ergreifen. Klare Fake News sind, dass Umweltorganisationen für die Abschaffung der Jagd seien. Die Jagd macht Sinn, beispielsweise wenn Rehe und Hirsche geschossen werden. Von denen gibt es zu viele, die junge Bäumchen abfressen und so den Bestand eines Waldes gefährden können. Dieses Problem besteht nebenbei bemerkt, weil es eigentlich noch zu wenig Luchse und Wölfe in unseren Wäldern gibt.

Der zweite falsche Fakt von Herrn Hurni ist, dass Luchs und Biber stärker durch das neue Gesetz geschützt seien. Bei der Bearbeitung des Jagdgesetzes wurde im Parlament lange diskutiert, ob der Biber neu reguliert werden darf. Nur dank einer knappen Mehrheit gilt er noch als geschützt. Aber mit dem neuen Gesetz kann entweder der Bundesrat mit einer einfachen Verordnungsänderung weitere geschützte Arten als regulierbar einstufen. Es wäre auch ein Leichtes für das Parlament, mittels einer Motion die Regulierung von Biber und Luchs zu verlangen. Einige Jäger sagten bereits öffentlich, dass der Luchs «noch» nicht reguliert werden kann. Sie rechnen also fest damit, dass der Luchs mit dem neuen Gesetz bald reguliert werden kann. Es gibt viele Politiker, die ganz klar für die Regulierung von Biber und Luchs sind, und dies auch durchsetzen möchten, sobald das neue Gesetz steht. Es ist naiv zu glauben, dass dies nicht geschehen wird.

Das neue Jagdgesetz hat ein paar gute Punkte, aber die negativen Aspekte überwiegen leider ganz klar. Wer für einen guten Artenschutz ist, stimmt daher Nein, damit das Gesetz zurück an den Absender geht und dann so geändert wird, dass dem Artenschutz wirklich Rechnung getragen wird. Und dann hoffentlich ohne emotional überladene Diskussionen, sondern unter Berücksichtigung von wissenschaftlich belegten Studien und dem Wissen, was es für einen guten Artenschutz und ein gesundes Waldökosystem wirklich braucht.

Stéphanie Vuichard, Umweltwissenschaftlerin, Kantonsrätin ALG, Vorstandsmitglied Pro Natura Zug, Zug


Die Darstellung von Biber, Luchs, etc. im Fadenkreuz sei Fake News der Jagdgesetzgegner. Falsch! Fake News ist, wenn man so tut, als ob ein Hintertürchen ins Gesetz käme, um nie genutzt zu werden.

Wenn Bundesrat und Parlament die Absicht hätten, es bei Wolf, Steinbock und Schwan als «regulierbare Tierarten» zu belassen, hätten sie den Artikel 7a Absatz 1c (Seite 39 im Abstimmungsbüchlein) nicht ins Gesetz aufgenommen!

So aber kann der Bundesrat, wenn z.B. die Berner Jäger wieder jammern, dass sie zu wenig Rehe vor die Flinte bekämen, den Luchs auf dem Verordnungsweg als «regulierbar» bezeichnen und schon ist das Fadenkreuz für den Luchs sehr real.

Daniel Kronauer, Steinhausen